Der Krieg gegen die Armen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 07. November 2006 07:30 Uhr
ENL5454
*** Der Krieg gegen die Armen
„Es ist ein Krieg gegen die Armen“, schreibt Dan Ferris. Dan spricht über die Kampagnen gegen Wal-Mart. Überall in Amerika machen die Leute ein Unternehmen schlecht, dass vermutlich mehr dazu beigetragen hat, den Armen zu helfen, als alle Regierungsprogramme zusammen.
Ich habe mich schon oft gefragt, wie die Leute am untersten Ende der Einkommenspyramide über die Runden kommen. Ihre Einkünfte sind – mehr oder weniger – schon seit 1971 eigentlich keinen Schritt weiter gekommen. Aber ihre Ausgaben sind gestiegen. Wie haben sie das geschafft?
Kredite sind die eine Antwort. Die Kreditindustrie fand neue und innovative Möglichkeiten ihr Geld zu verleihen. Wo Kredite angeboten wurden, da wurden sie auch angenommen. Die unteren Lohngruppen mussten zuvor immer bar bezahlen ... denn niemand wollte Kredite an diejenigen vergeben, deren Finanzen so gering ausfielen. Heute können sogar Knastbrüder und Pleitegeier Hypotheken bekommen.
Aber hinter dieser Geschichte steckt noch mehr. Am unteren Ende des einfachen Volkes kaufen die Leute bei Wal-Mart ein. Und durch den großen Einzelhändler sparen sie Geld. „Eine Studie von UBS/Warburg fand heraus, dass die Lebensmittelpreise bei Wal-Mart 17-20% günstiger sind als in anderen Supermärkten“, schreibt Dan, „durch Wal-Mart spart eine durchschnittliche Familie mehr als 2.300 Dollar im Jahr. Wenn Sie im Jahr 200.000 Dollar verdienen, dann bedeutet Ihnen das vielleicht nicht viel. Aber wenn man weniger als 27.000 Dollar im Jahr verdient, dann sind 2.300 Dollar ein Monatsgehalt mehr oder weniger.
Mit anderen Worten: Wal-Mart kann die Kaufkraft einer Familie am unteren Rand der Einkommensskala um 10% oder mehr anheben. Das ist keine geringe Leistung. Doch wenn Wal-Mart eines ist, dann ist das beeindruckend. Es ist der größte private Arbeitgeber der Welt – 1,8 Millionen Menschen arbeiten weltweit für Wal-Mart, mehr als 1,3 Millionen in den USA. Wal-Mart ist für einen 3,1% geringeren Verbraucherpreisindex verantwortlich und für eine 0,9% höhere Lohnbasis, einen Anstieg von 1,3% des gesamten verfügbaren Nettoeinkommens und für eine Senkung der Arbeitslosenzahlen um 0,14%.
Man sollte doch meinen, dass die Leute deswegen dankbar sind. Stattdessen schließen sich die Bessergestellten gegen Wal-Mart zusammen, um diese Läden fernzuhalten. Lobbyisten schließen sich zusammen und schikanieren das Unternehmen. Vertreter des Kongresses wettern über Wal-Mart. Die Gesetzgebung versucht das Unternehmen aus dem Geschäft zu vertreiben.
Die Logik, die heute angewandt wird, um Importe aus dem Ausland zu verhindern, wird auch gegen Amerikas erfolgreichstes Unternehmen angewendet. Sie wollen heute alles „fairer“ machen. Wettbewerber wollen Wal-Mart zwingen, höhere Preise zu verlangen. Die Gewerkschaften wollen Wal-Mart zwingen, höhere Löhne zu zahlen – obwohl Wal-Mart bereits mehr zahlt, als andere Arbeitgeber der Geringverdiener in Amerika, wie z.B. McDonalds, H&R Block, 7-Eleven.
Arbeitnehmern selbst scheint es dort jedoch zu gefallen, sagt Dan. Als Wal-Mart in Chicago eröffnete, schrieb man 325 Stellen aus. Für diese Stellen erhielt man 25.000 Bewerbungen. In Oakland bewarben sich 12.000 Menschen um 350 freie Stellen.
Wal-Mart ist ein großartiges Unternehmen, schließt Dan. Und es hat den Investoren Millionen von Dollar gebracht. Doch wer wird der „nächste Wal-Mart“? Dan verrät es nicht, aber er scheint zu glauben, dass er einen Kandidaten dafür hat.
*** Die Kosten des Krieges
„Ist es an der Zeit, sich geschlagen zu geben?“, fragt eine Schlagzeile.
Die Titelseite des englischen Magazins „The Week“ ziert ein interessantes Bild. Es ist das Bild des Marines, der die Flagge auf Iwo Jima hisst. Aber die Flagge ist weiß.
„Bagdad ist unter Belagerung“ lautete eine Schlagzeile des Independent der letzten Woche.
Die Geschichte fährt fort:
„Sunnitische Rebellen haben einen Teil der Straßen, die die Stadt mit dem Rest des Iraks verbinden, abgeschnitten. Das Land ist geteilt, nachdem die Männer vom Militär blutige Schlachten um die Kontrolle von Städten und Dörfern nördlich und südlich der Hauptstadt führen.
Während die amerikanische und britische Führung über die Verantwortung für die Krise im Irak streitet, hat das Land einen weiteren Schritt in Richtung Auflösung unternommen...“
Dieses Thema liefert auch die Titelgeschichte des Economist der letzten Woche. Über dem Bild eines irakischen Soldaten, der durch die Wüste läuft, steht die Schlagzeile: „Cut and Run?“ [ungefähr: Nichts wie weg?]
Selbst der International Herald Tribune, ein amerikanischer Fetzen, erkennt das Problem. „Irak geht auf das Chaos zu, sagt die U.S. Army.“
Den Leuten überall auf der Welt in den Hintern zu treten, ist keine so leichte Aufgabe wie es scheint. Aber glücklicherweise ist es sowieso nie um das Schicksal es Iraks gegangen. Die arme Wüstennation hat nie wirklich eine Gefahr für das Imperium dargestellt. Es war einfach nur Ablenkung ... und zwar eine sehr kostspielige.
Die wahre Bedrohung für das Imperium ist finanzieller Natur. Das verdankt sich teilweise den Kosten des Krieges im Irak – die heute auf mehr als eine Billion Dollar geschätzt werden. Das Imperium verliert in jeder Stunde 70 Millionen Dollar. Das ist die Zahl, die sich ergibt, wenn man das Leistungsbilanzdefizit durch die Stunden eines Jahres teilt – Sonntage und Feiertage mitgerechnet.
Es ist ein Wunder, dass diese Verluste bislang noch keinen Ausdruck im Wert des amerikanischen Dollars gefunden haben. Erstaunlicherweise widersteht er auch weiterhin der Zugkraft dieser Situation.
Ich erwarte schon seit einigen Jahren den Einbruch des amerikanischen Dollars ... und ich war bis jetzt in guter Gesellschaft. Warren Buffett und Robert Rubin haben auch gegen den Dollar gesetzt. Buffett hat im vergangenen Jahr eine Milliarde verloren, weil er auf fremde Währungen gesetzt hat. Rubin hat eine Million verloren. Was habe ich verloren? Nun, ich weiß es nicht ... ich habe mich nicht so genau damit auseinandergesetzt.
Doch die Schwerkraft funktioniert noch, und eine Wirtschaft, die jedes Jahr 800 Milliarden Dollar an Leistungsbilanzdefizite verliert, ist keine Wirtschaft, deren Währung man vertrauen kann.
Ende der Woche hat der Euro zugelegt. Und der Anti-Dollar – Gold – schoss um mehr als zwölf Dollar auf fast 620 Dollar. Die Korrektur für Gold sollte damit vorbei sein. Vielleicht sehen wir schon morgen wieder einen Goldpreis von unter 600 Dollar ... oder nie wieder in unserem Leben.
Selbst mit 600 Dollar stellt die Gesamtmenge des weltweiten Goldes über der Erdoberfläche nur 3% der finanziellen Vermögenswerte die in Dollar ausgezeichnet sind, dar. Und noch 1980 lag diese Zahl bei 29%.
Ich weiß nicht, ob wir das Ende des Bullenmarktes für den Dollar erreicht haben. Was ich jedoch sicher weiß ist, dass es nicht der Anfang ist.