Der Kohlenachschub aus Australien bereitet Probleme
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 17. Dezember 2010, 17:00 Uhr
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Gut, dass wir zumindest noch einen Teil unseres Bedarfs mit deutscher Kohle decken können. Denn in einigen Teilen der Welt wird gerade der Nachschub knapp. Besonders betroffen ist Australien. Hier sind es nicht Schneemassen, sondern sintflutartige Regenfälle, die zu Problemen führen. Mehrere Minen sind bereits geschlossen oder können nicht voll arbeiten. Bahnlinien sind unterspült, weshalb die Kohle nicht mehr in den Häfen ankommt. Mehrere Kohleproduzenten haben bereits ihre Umsatzerwartungen nach unten geschraubt, weil zwar die Ressourcen vorhanden sind, aber die Logistik zu Abbau und Transport nicht mehr sichergestellt werden kann. Dazu kommt noch die Insolvenz eines bedeutenden neuseeländischen Produzenten, der nach einem schweren Minenunglück schließen musste.
Insgesamt keine guten Aussichten. Uns wird es zwar kaum treffen, außer wenn die Kohle- und anschließend Strompreise weiter steigen. In Asien jedoch sieht das ganz anders aus. Hier zieht der Verbrauch immer weiter an, die eigene Produktion kommt nicht mehr hinterher. Gerade erst hatte ich bei Volkmar Michler, Chefredakteur des renommierten Taipan, konkrete Zahlen gesehen, als er eine interessante Kohleaktie vorgestellt hat. Er schreibt, dass China jedes Jahr mehr Kohle zur Deckung seines Energiebedarfs importieren muss. Denn 70% der chinesischen Energieproduktion wird aus Kohle erzeugt.Der Verbrauch ist pro Jahr um 13% gestiegen, das Angebot jedoch nur um 7%. Nachdem hier viele veraltete Kohleminen schließen mussten, kommt die Expansion moderner Bergbauanlagen bzw. die Inbetriebnahme neuer Anlagen nicht schnell genug in Gang. Profiteure der Entwicklung sind vor allem Australien und Neuseeland, die große Mengen Kohle nach China liefern.
Zwei interessante Faktoren, sie sich gegenseitig verstärken: Das sorgt bereits für sehr feste Kohlepreise und entsprechend steigende Aktien der Produzenten. Richtig kritisch wird es vor allem werden, wenn das Rohöl seine zuletzt sichtbare relative Stärke weiter ausbauen kann (Öl tritt übrigens so langsam in eine saisonal gewöhnlich positive Phase ein!). Dann ist ebenfalls Kohle oder Gas auch zu noch höheren Kursen wettbewerbsfähig.
China wird sicher so schnell der Strom nicht ausgehen, um seine Kraftwerke und die industrielle Produktion am Laufen zu halten. Angesichts einer durch den relativ schwachen US-Dollar ebenfalls relativ entwerteten chinesischen Währung ist China bei wieder kräftiger steinigenden Energiepreisen einem heftigen Inflationsschub ausgesetzt.Bei den jüngsten Daten zum Preisauftrieb in China kann einem Angst und Bange werden. Daher rechne ich auch relativ schnell mit weiteren Versuchen, Inflation und Wirtschaftswachstum in vernünftige, ausgewogenere Bahnen zu lenken. Denn gibt es hier weitere Auswüchse, ist Chinas gerade erst wachsende Konsumentenschicht schnell in Gefahr, nicht mehr das nötige Kleingeld zum Kauf all der schönen Glitzerwaren zu erhalten. Die riesigen ärmeren Bevölkerungsschichten stöhnen jetzt schon unter dem Preisanstieg vor allem der Nahrungsmittel. Sollte es hier zu Unruhen unter den betroffenen Bevölkerungsteilen kommen, kann das eine gefährliche Spirale in Gang setzen.
Zuletzt noch eine Meldung, die mir heute aufgefallen ist: Sowohl Südzucker als auch die Tochter CropEnergies haben heute den Ausblick für das kommende Wirtschaftsjahr angehoben. Der Ergebnisanstieg werden vor allem von den Segmenten Zucker und Bioethanol getragen. Neben der schwierigen internationalen Versorgungslage mit Zucker im vergangenen Sommer macht sich hier inzwischen auch die Expansion der modernen Anlagen zur Ethanolproduktion bemerkbar. Lesen Sie am Montag in Michael Vaupels Rohstoff Signalen, wie er die weiteren Aussichten für CropEnergies einschätzt, die er dort im Depot hält.
Ich rechne damit, dass solche Grundstoffproduzenten auch im kommenden Jahr zu den Gewinnern an der Börse zählen werden. Denn gerade in einer späten Phase des Wirtschaftsaufschwungs laufen normalerweise Nahrungsmittel und Energie noch sehr gut, während andere Bereiche häufig schon mit der Ausbildung eines Gipfels beschäftigt sind.
Damit wünsche ich Ihnen nun ein wunderschönes Adventswochenende. Genießen Sie das herrliche Winterwetter, nachdem das Chaos sich etwas gelegt hat. Herzliche Grüße,
Ihre Daniela Knauer
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