Der "Kindleberger Trick"
Steve Sjuggerud in Investors Daily
vom 08. August 2003 18:00 Uhr
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"Das ist ein schöner Trick: Man muss immer als der Retter auftreten, der eine nutzlose Deflation verhindert, aber man muss es immer offen lassen, ob die Rettung rechtzeitig oder überhaupt erfolgt ist."
- Charles Kindleberger in seinem Buch "Manias, Panics, and Crashes"
Albträume über eine deflationäre Krise in den USA haben Investoren, Banken und sogar andere Länder des Nachts wach gehalten.
"Die Welt kann nicht wachsen, wenn die Leute nichts mehr kaufen", ist ein allgemeiner Gedanke. Die große Sorge ist, dass die Welt so tief im Schuldenloch steckt, dass der Punkt erreicht ist, an dem die Leute zurückstecken müssen – indem sie aufhören, soviel zu kaufen. Und das ist der Punkt, an dem wir Probleme bekommen ...
Die Überlegung: Wenn die Leute aufhören, so viel zu konsumieren, dann werden die Preise fallen, da die Unternehmen ihre Güter um jeden Preis verkaufen wollen. Und wenn wir realisieren, dass die Preise fallen, dann werden wir unsere Käufe verschieben, um auf niedrigere Preise zu waren. Und da ist sie – die deflationäre Spirale.
Neben dem Schuldenberg gibt es noch andere deflationäre Faktoren – billigere Waren aus China, billigere Dienstleistungen aus Indien, Effizienzgewinne (der Wal-Mart Effekt, wie wir es in den USA nennen) ... die Liste ist lang. Kann eine Deflation vermieden werden?
Interessant ist, dass Charles Kindleberger schon 1978 die Antwort lieferte – während die Inflation Hochkonjunktur hatte. Kindleberger ist vor ein paar Wochen im Alter von 92 Jahren gestorben.
1978 veröffentlichte Kindleberger sein berühmtestes Buch: "Manias, Panics, and Crashes – A History of Financial Crisis." Basierend auf einer erschöpfenden Studie jeder Investmentmanie und den folgenden Finanzkrisen der Geschichte lieferte Kindleberger die seiner Meinung nach beste Lösung zur Vermeidung einer Deflation. Kindleberger meinte, dass wir wirklich jemanden wir Greenspan brauchen. Aber seine Argumentation ist gerissen ...
"Eine Zentralbank sollte existieren, aber ihre Präsenz sollte bezweifelt werden", so das Fazit von Kindleberger. Smarte Investoren wissen, dass die Fed immer nach dem sogenannten "Kindleberger Trick" handelt: Die Fed werde "immer zur Rettung kommen, wenn es darum geht, eine nutzlose Deflation zu bekämpfen – aber sie werde es immer offen lassen, ob die Rettung rechtzeitig oder überhaupt erfolgt ist – was den anderen Spekulanten, Banken, Städten und Ländern Vorsicht beibringt."
Wenn man die Investment-Möglichkeiten durch diese Linse betrachtet, dann ist das Investment-Potenzial (oder das Fehlen desselben) offensichtlich. Lassen Sie uns die drei Schlüsselbereiche der jüngsten Investmentlandschaften untersuchen: Aktien, Immobilien und Gold.
Sollte man derzeit Aktien halten? Nun, lassen Sie mich überlegen, wie die Fed aktuell nach dem sogenannten "Kindleberger Trick" handeln wird ...
Wenn Sie dem "Kindleberger Trick" folgen wird, dann wird die Fed die Leitzinsen für eine extrem lange Zeit extrem niedrig lassen, und die ganze Zeit über wird sie davon sprechen, dass Wirtschaftswachstum um die Ecke steht, und warum sie dann eventuell die Zinsen bald erhöhen muss.
Diese Drohung der Zinserhöhung wird geschaffen, um die Spekulanten in Unsicherheit zu halten. Wenn jeder glaubt, dass die Leitzinsen jahrelang bei 1 % bleiben würden, dann besteht die Wahrscheinlichkeit, dass jeder sich entsprechend positionieren würde.
Weil die Fed die Leitzinsen auf 1 % gesenkt hat, ist sie direkt verantwortlich für den 50 %-Anstieg der Nasdaq seit Oktober 2002.
Der einfache Grund: Die Fed hat den Investoren keine anderen Möglichkeiten gelassen, als ihr Glück am Aktienmarkt zu probieren. Und die Öffentlichkeit hat drehbuchmäßig reagiert, indem sie Aktien gekauft hat.
Der Anstieg der Aktienkurse hat die Bewertungen natürlich auf ein außerordentlich hohes Niveau gehievt. Das bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Aktien gibt, die man derzeit halten sollte ... aber man sollte derzeit bei der Auswahl besonders vorsichtig sein.
Nach dem "Kindleberger-Trick" wird die Fed zwei Dinge tun: Die Leitzinsen niedrig lassen und das Geldangebot erhöhen. Die Erhöhung des Geldangebots ist ein Versuch, eine inflationäre Kraft zu schaffen, die die deflationären Kräfte besiegen soll.
Welche Auswirkungen werden diese zwei Dinge auf den Immobilienmarkt haben?
Die Erhöhung der Geldmenge sollte die Immobilienpreise steigen lassen, denn es stehen mehr Dollar zur Verfügung, während das Angebot an Häusern gleich bleibt – das führt zu einer "Inflation" bei den Immobilienpreisen. Hinzu kommt, dass auch die trotz des jüngsten Anstiegs immer noch auf Rekordtief stehenden Hypothekenzinsen die Immobilienpreise weiter steigen lassen – denn die Leute können sich jetzt "mehr Haus" für die gleiche Hypothekenzahlung leisten ...
Die Amerikaner kaufen ihre Häuser nicht, indem sie auf den Preis des Hauses schauen ... sondern auf die monatliche Belastung.
Der Boom am Immobilienmarkt ging 2000 richtig los. Der Boom am Aktienmarkt ging zu Ende, und die Leute suchten nach neuen Anlageformen für ihr Geld. Ich lebe in Florida. Wenn man sich die Kurve der Immobilienpreise in Florida ansieht, dann sieht man, dass die Immobilienpreise bis zum Jahr 2000 mehr oder weniger mit der Inflationsrate stiegen. Aber Leute, die im Jahr 2000 gekauft haben, sind wirklich glücklich ...
Im Jahr 2000 standen die Hypothekenzinsen bei rund 8 % – und heute stehen sie bei rund 5,5 %. Im Jahr 2000 konnte sich der durchschnittliche Amerikaner, der 1.000 Dollar im Monat für eine Hypothek ausgeben kann, ein Haus für 130.000 Dollar kaufen. Heute kann er sich mit der gleichen Belastung ein Haus für 175.000 Dollar kaufen. Anders gesagt – heute ist ein Haus für 170.000 Dollar für ihn erschwinglicher als ein Haus für 135.000 im Jahr 2000.
Und noch anders gesagt: Ja, ich weiß, dass die Immobilienpreise in den letzten 3 Jahren deutlich gestiegen sind. Aber für den durchschnittlichen Amerikaner ist das durchschnittliche Haus nicht teurer geworden, wenn man die monatliche Belastung als Maßstab nimmt. Die monatliche Belastung kann für ihn heute sogar geringer sein.
Wenn man bedenkt, wie viel monatliche Belastung sich die Amerikaner heute im Durchschnitt leisten können, dann wird man finden, dass sich im heutigen Amerika mehr Leute das "Durchschnittshaus" leisten können als in den frühen 1970ern. Dabei haben sich die Immobilienpreise in 6 Jahren verdoppelt.
Obwohl die Immobilienpreise schon so stark gestiegen sind, glaube ich, dass sie sich noch einmal verdoppeln können, in den nächsten 6 Jahren. Der Grund ist die Tatsache, dass die monatlichen Belastungen so erschwinglich sind und dass sich die Fed auf den "Kindleberger Trick" festgelegt hat.
Und was ist mit dem Gold? Nun, wenn man den "Kindleberger Trick" berücksichtigt, dann realisiert man, dass es das Ziel der Fed ist, eine Deflation geheim zu vermeiden. Wie tut die Fed das? Indem sie Geld druckt.
Das Ziel der Fed ist es, mehr Dollar ins System zu pumpen – mehr Dollar, die die Amerikaner ausgeben können. Gleichzeitig bleibt das Angebot an Gold mehr oder weniger konstant – es expandiert oder schrumpft nicht wirklich. Deshalb ist es einfach: Wenn sich das Angebot an Dollars erhöht und das Angebot an Gold gleich bleibt, dann wird es mehr Dollar kosten, eine Unze Gold zu kaufen. Der Goldpreis wird steigen. So einfach ist das.
Und die Fed wird wirklich Geld drucken ... laut dem Magazin "Economist" ist das Wort "Deflation" seit den 1930ern nicht mehr so oft in der amerikanischen Presse aufgetreten. Um diese große Deflationsangst abzuwenden, ist eine große Gelddruck-Aktion notwendig.