Der Kampf von Hyänen
Investors Daily
vom 03. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Wie ein paar Hyänen um die letzten Fleischstücke eines toten Tiers streiten, so streiten derzeit die USA und China verzweifelt um knappe Rohstoffe. Wer wird diesen Kampf gewinnen? Diese Geschichte beginnt im Süden der USA ...
In Florida sind Bauprojekte auf Eis gelegt worden, der Zement ist ausgegangen. Alles wird von China aufgesaugt. Der Grund ist einfach: Eine Volkswirtschaft, die so groß wie Frankreich oder Italien ist, wächst in einem solchen Tempo, das normalerweise nur kleinen Insel-Volkswirtschaften vorbehalten ist; Chinas Wirtschaftswachstum lag in den ersten 3 Monaten des Jahres bei 9,8 % (gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert).
China hat 4.813 Zementfabriken, mehr als der Rest der Welt zusammengenommen, und hat trotzdem noch nicht genug. Projekte wie die Olympiade in Peking haben China dazu gezwungen, 55 % des weltweiten Zementangebots zu schlucken, 40 % der Stahlproduktion und rund 25 % der Aluminium-Produktion. Und laut der Detroit Free Press sind die Immobilienpreise in Shanghai im ersten Quartal um 28,3 % gestiegen, was die örtlichen Bürokraten dazu bewegt hat, den Verkauf von Apartments vor ihrer Fertigstellung zu verbieten.
Natürlich ist das für aufmerksame Investor's Daily Leser(innen) nichts Neues. Sie wissen, dass diese Story keine neue Story ist.
Aber auch die USA wachsen schnell. Es werden weiter gute Wirtschaftszahlen präsentiert ... wie z.B. zuletzt der ISM-Index. Der hatte einen Wert von 62,8 Zählern und lag damit das siebte Mal in Folge über 60, was ein weiterer Beweis für einen robusten Turnaround des produzierenden Sektors ist.
Und die weltweiten Verkäufe von Computerchips sind im April um 4,1 % gewachsen – das ist der höchste Zuwachs seit Ende 2000 ...
Oder dies: "Die Bauausgaben (in den USA) sind im April um 1,3 % gestiegen, was deutlich über der Konsensschätzung lag, die mit einem Zuwachs von 0,4 % gerechnet hatte. Das bereitet einen starken Start ins zweite Quartal vor."
Weder Nasdaq noch Dow Jones konnten von diesen News deutlich profitieren. Derzeit wird alles eher negativ gesehen, was auch die Tatsache zeigt, dass sich die Einschätzung zu China vom Positiven ins Negative verwandelt hat: "Einige Analysten fürchten, dass der Investmentboom (in China) kollabieren könnte, wenn er nicht unter Kontrolle gebracht wird, ähnlich wie der Kollaps der Hightech-Spekulationsblase des Jahres 2000", warnt ein Artikel von Ken Moritsugu und Tim Johnson in der Detroit Free Press.
Ihre Befürchtungen sind nicht unbegründet; aber die Behörden in Peking haben – anders als ihre Gegenstücke in den USA – das Potenzial einer Spekulationsblase erkannt, und sie unternehmen Gegenmaßnahmen. Aggressive Kreditvergabepraktiken der staatseigenen Banken sind bereits beschränkt werden.
Glücklicherweise müssen wir vom Investor's Daily unsere Investmententscheidungen nicht auf Basis von "Hörensagen" fällen – wir haben schließlich einen frischen Bericht von unserem Mann in Asien, Dann Denning.
Sind die Befürchtungen einer Spekulationsblase in China berechtigt? Keineswegs, so Dan. "Zunächst einmal ist all die Besorgnis vor einer Abkühlung in China mit sanfter Landung der Wirtschaft fehl platziert. In Wirklichkeit überlässt die Regierung immer mehr Kontrolle über die Wirtschaft an die Kräfte des freien Marktes. Man kann das in zwei große Kategorien aufteilen: Finanzdienstleistungen und Landwirtschaft Und in diesen beiden Bereichen gibt es große Chancen für Investoren, ohne das Risiko einer Spekulationsblase."
Jetzt, wo sowohl die chinesische als auch die amerikanische Volkswirtschaft voll durchstarten – sie treten beide um Zement, Öl und andere Ressourcen in Wettbewerb – sollte es bei den Rohstoffpreisen eine Zeitlang ziemlich volatil zugehen.
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