Der Kampf ums Rohöl
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 29. August 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
politische Unsicherheiten sind weiterhin der grösste Antriebsfaktor für die Rohölpreise. Ohne politische Unsicherheiten wäre der Rohölpreis vermutlich bei rund 50 US-Dollar je Barrel. Doch das heisst keinesfalls, dass die Rohölpreise tatsächlich auf 50 US-Dollar je Barrel fallen müssen, wie es zahlreiche Analysten erwarten, denn ich erwarte nicht, dass sich die politische Situation in absehbarer Zeit entspannen wird. Vielmehr tauchen immer neue zuvor kaum beachtete Risikoquellen auf.
Der Tschad
Am Wochenende gab der afrikanische Staat Tschad bekannt, dass 2 von 3 Rohölförderern des Landes, Chevron (USA) und Petronas (Malaysia), innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen müssten. Damit gehen 60 % der Rohölförderung des Tschad in die Hände der Regierung. Lediglich ExxonMobil (USA) darf bis auf weiteres mit einem 40 % Produktionsanteil im Tschad weiter fördern.
Ölförderung seit Oktober 2003
Der Tschad war bislang vor allem ein Exporteur von Baumwolle, doch mit der Erschliessung der Ölfelder in der Nähe der Stadt Doba brachten das Land einen riesigen Schritt nach vorne. Tschad fördert täglich rund 250.000 Barrel Rohöl und tauchte erst 2003 als Produzent auf. Damals wurde eine über 1.000 Kilometer lange Pipeline von Tschad nach Kamerun in Betrieb genommen, die bis Ende 2005 insgesamt 133 Millionen Barrel Rohöl förderte. Zwar ist der Tschad mit einem Weltmarktanteil von 0,3 % nur ein sehr kleiner Ölförderer, doch für die Gesamtwirtschaft des bettelarmen Staats sind die Rohöleinnahmen ein Segen. Die Wirtschaftsleistung des Tschad hat sich dank der Öleinnahmen in den letzten 5 Jahren von 1,5 Milliarden US-Dollar auf über 5 Milliarden US-Dollar rund vervierfacht.
Der Kampf ums Öl
Als eine ehemals eine französische Kolonie wird der Tschad zurzeit zwischen Frankreich, den USA und dem wachsenden Einfluss Chinas beeinflusst. Hinter alledem steckt der globale Kampf ums Öl.
Ölexporte erst seit 2003
Die Ölexporte des Tschad liegen beim aktuellen Preis von 70 US-Dollar je Barrel bei rund 6 Milliarden US-Dollar im Jahr. Doch davon bekommt die Bevölkerung des Tschad relativ wenig mit, denn die in diesem Jahr erwartete Beteiligung an den Öleinnahmen in Höhe von rund 300 Millionen US-Dollar liegen zurzeit eingefroren von der Weltbank auf Londoner Konten. Mindestens die Hälfte der seit 2003 geflossenen 500 Millionen US-Dollar sind vermutlich in den Taschen einiger weniger Politiker und Beamten gegangen und aufgrund der hohen Ölpreise dürften in diesem Jahr nochmals durch Steuereinnahmen rund 1 Milliarde US-Dollar hinzu kommen. Durch den jetzigen Rauswurf der beiden Ölunternehmen könnten die Beträge noch viel höher ausfallen.