Der Kampf gegen die Deflation
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 20. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Heute möchte ich meinen neuen oder vergesslichen Lesern mit einigen Fragen und Antworten helfen:
"Das Ziel des Investierens ist es doch, Geld zu verdienen, oder?"
Ja, das ist es.
"Und man macht Geld, indem man etwas teurer verkauft, als man es gekauft hat, oder?"
Ja ...
"Aber Sie schreiben doch, dass Sie nicht wissen, ob ein bestimmtes Investment ... oder Aktien im allgemeinen ... steigen oder fallen werden; ist das richtig?"
Nun, ja ...
"Warum sollte ich dann Ihre Kolumne überhaupt lesen?"
Nächste Frage!
Ich sage auch, dass Ihnen niemand sagen kann, ob ein Investment im Preis steigen wird oder nicht ... und wenn Ihnen jemand das wirklich sagen könnte, dann würde er es nicht sagen.
Ein gutes Investment ist wie ein guter Tipp beim Pferderennen: Je mehr Leute gegen Ihr Pferd wetten, desto mehr ist es wert. Denn wenn die Chancen gegen Ihr Pferd sind, dann machen Sie mehr Geld, wenn es dann doch gewinnt. Deshalb, je mehr Sie einen bestimmten Investmentrat hören ... desto weniger wahrscheinlich ist es, dass dieser Rat Wert hat.
Was wir derzeit hören, ist, dass die aktuelle Rally die Kurse noch weiter nach oben tragen wird. Und vielleicht wird das auch der Fall sein ... aber Sie werden wahrscheinlich nicht viel Geld verdienen, wenn Sie daran glauben. So viele Leute glauben bereits daran, dass man damit keinen großen, überdurchschnittlichen Gewinn mehr erzielen kann (wenn man nicht gerade mit Optionsscheinen arbeitet).
Hier sind wir, 3 Jahre nach dem Beginn eines großen Bärenmarktes, und die Bewertungen am Aktienmarkt sind immer noch so hoch wie normalerweise nur während des Tops eines Bullenmarktes.
"Eine weitere Frage. Sie geben zu, dass Aktien sowohl steigen als auch fallen können. Aber wenn Sie sagen 'zu teuer', dann impliziert das, dass Sie denken, dass die Aktien weniger teuer werden ... mit anderen Worten, dass sie fallen werden ... in der Zukunft. Habe ich da einen Widerspruch in Ihren Aussagen aufgedeckt, oder was?"
Ach hören Sie doch auf mit Ihrem Kreuzverhör. Ja, ich denke, dass die Aktien irgendwann weniger teuer sein werden. Und ja, das scheint inkonsistent zu sein, aber was soll's?
Eine starke Intuition, verbunden mit einer sorgfältigen Untersuchung der Geschichte der Märkte sagt mir, dass auf ein hohes Top früher oder später ein tiefer Boden folgen wird. Ich weiß nicht wann ... und ich weiß nicht wo. Aber ich fühle, dass die Aktien eines Tages wieder günstig bewertet sein werden.
Und da ich weiß, dass die Aktien eines Tages günstiger bewertet sein werden, gönne ich gerne jemand anderem die Ehre, in dieser Periode dazwischen Aktien zu besitzen.
In der Zwischenzeit lese ich die News über die Rally an der Wall Street mit derselben Skepsis, die Lesern der Zeitungen im Jahre 1939 gut angestanden hätte. Ich komme darauf, weil ich hier auf unserem Speicher eine französische Zeitung von 1939 gefunden habe (wie Sie wissen, lebe und arbeite ich seit ein paar Jahren in Frankreich).
"Die französischen Truppen durchbrechen die Siegfriedlinie", so die hoffnungsvolle Schlagzeile, und der Artikel bemerkte, dass es allerdings "noch zu früh zur Proklamierung des Sieges" in diesem neuen Krieg sei. 6 Jahre zu früh, wie es sich herausstellte.
Die News vom letzten Freitag brachten mehr Beweise dafür, dass die Fed den Kampf gegen die Deflation verliert. Die Konsumentenpreise fielen um 0,3 % ... die Neubeginne von Hausbauten gingen um 6,8 % zurück ... und die Anleihenkurse stiegen auf neue Höchstkurse, obwohl der Dollar fiel.
Ich weiß, dass die Fed jetzt schwere Geschütze auffährt; das Geldangebot – M3 – ist in den letzten 2 Wochen um 83 Mrd. Dollar erhöht worden, was einer aufs Jahr hochgerechneten Wachstumsrate von 25 % entspricht. Dennoch denke ich, dass es eine lange Zeit brauchen könnte, bis der Sieg endlich erreicht ist.
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