Der Kakao und die Verantwortung
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 13. September 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Thema Kakao.
Ein Basiswert, auf den ich (bei meinem Börsendienst "Rohstoff Signale") bereits mehrfach gesetzt habe, da mich hier die Fundamentals überzeugt haben. Beispiel letzte Woche: Da konnten meine Leser(innen) ein Kakao Long-Zertifikat (WKN: ABN1SK) mit einem Gewinn von 8,3 % (erster Kauf) bzw. 56,0 % (Nachkauf) verkaufen. Haltedauer: 2 Monate beim ersten Kauf, 1 Monat beim Nachkauf. So weit, so gut.
Ein Leser, der mit Kakao Gewinn erzielt hatte, schickte mir folgende sehr interessante Email:
"Am Wochenende hatte ich eine sehr intensive Diskussion mit meiner Lebensgefährtin in Bezug auf 'Moral' und 'Verantwortung', nachdem sie für mich einmal die Situation in der Elfenbeinküste unter anderem mittels Durchforsten von Missionarstagebüchern etc. recherchiert hatte. Es gibt wohl nicht Wenige, die die Gewalt gegen die Bevölkerung, Morde und Massenvergewaltigungen dort als einen taktisch bewussten Akt interpretieren, um die Kakaopreise nach oben zu treiben. Sie hat mir nach der Lektüre der Erlebnisse Betroffener ganz einfach klargemacht, dass sie nicht an solchen Massakern bewusst partizipieren möchte, indem ich darauf spekuliere und zuletzt womöglich sogar auf schlechte Nachrichten 'hoffe' und somit für meine Profite bewusst oder gerne solche Katastrophen befürworte. Das ist natürlich eine Thematik, die so diskutiert zu kurz greift. Aber dennoch hat mich diese Diskussion ins Nachdenken gebracht. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob wirtschaftlicher Profit und Wohlstand sich sehr wohl auch mit gesellschaftlicher und humanitärer Verantwortung vereinen lassen."
Meine Antwort an diesen Leser:
Vielen, vielen Dank für Ihre sehr gut zu lesende Email – ich kann Ihnen da nur voll zustimmen. Ich halte es für sehr wichtig, vor diesen Aspekten nicht die Augen zu verschießen, auch beim Traden. Wenn Sie schreiben:
"Es stellt sich immer wieder die Frage, ob wirtschaftlicher Profit und Wohlstand sich sehr wohl auch mit gesellschaftlicher und humanitärer Verantwortung vereinen lassen."
so haben Sie damit genau mein Ziel – nämlich die Vereinbarkeit von beidem – wiedergegeben. Und es gibt ja tatsächlich Hoffnung, wie die Berücksichtigung von solchen Kriterien bei der Unternehmensbewertung beweist. Es gibt eine entsprechende Initiative, die von den Brokerhäusern ausgeht
- ich hatte darüber am 17. Januar 2005 berichtet (Beitrag "Eine wirklich positive Überraschung"), siehe
- und wenn dies tatsächlich wie geplant umgesetzt wird, dann würde für die Vorstände wirklich ein Anreiz bestehen, sozial und ökologisch verantwortlich zu wirtschaften. Das wäre ein wirklicher Fortschritt! Bloße Appelle von "Gutmenschen" sind da hingegen sinnlos.
Das Thema ist zu komplex, um es in einer Email abhandeln zu können. Noch ein Wort zur Elfenbeinküste: Ein Mitglied meiner Familie war jahrelang Entwicklungshelfer dort, inzwischen ist die Arbeit von Jahren (im sozialen und Bildungs-Bereich) zerstört worden. Solche Fragen wie die nach der Moral von "Kriegsgewinnen" (in Form des Kakao-Zertifikats) habe ich mir natürlich auch bereits gestellt. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass steigende Rohstoffpreise ja auch den Bauern vor Ort zugute kommen – insofern bin ich ganz gerne "long", d.h. setze auf steigende Kakaopreise.
Viele Grüße,
Michael Vaupel
P.S.: Wenn solche Empfehlungen wie das Kakao-Zertifikat auch für Sie etwas sein könnten, dann beachten Sie bitte die folgende Werbung für meinen Börsendienst "Rohstoff Signale" – ein kostenloser 30-Tage-Test ist möglich.