Der Januar Effekt: Eine Masche der Wall Street
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 29. Dezember 2005 16:00 Uhr
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"Historisch betrachtet ist Januar der einzige Monat, in dem es sich lohnt Small Caps zu halten." Jeremy Siegel, "Stocks for the Long Run".
Es stimmt ... historisch betrachtet liefen Aktien von kleinen Firmen in den USA im Januar deutlich besser, als Blue Chips.
Tatsächlich schlugen Small Caps die großen Standardwerte bei der Performance im Januar zwischen 1925 und 1993 in 69 von 81 Jahren.
Genau so interessant ist die Differenz in der Performance. Sie liegt bei 5 %: Blue Chips schafften im Januar im Durchschnitt nur 2 %, Small Caps unglaubliche 7 % Kursplus.
Januar – Lizenz zum Gelddrucken?
Oberflächlich betrachtet erscheint einem der Januar Effekt wie eine Lizenz zum Gelddrucken: Kaufen Sie einfach am letzten Handelstag im Dezember und verkaufen Sie am letzten Tag im Januar und nehmen Sie einfach so 7 % Gewinn mit. Kein Wunder, dass die gesamte Finanzwelt Sie auf diesen Januar Effekt bei Small Caps aufmerksam macht: Ihr Broker, Anlegerzeitschriften oder die großen Printmedien und Nachrichtensendungen. Und darin liegt das Problem ...
Heute sehen wir uns einmal an, warum Small Caps in der Vergangenheit im Januar besonders gut liefen. Und dann zeige ich Ihnen, warum ich glaube, dass der Januar Effekt nur eine weitere Masche der Wall Street ist. Eine, die von der Finanzwelt nur dazu benutzt wird, um Ihnen Aktien zu verkaufen. Denn in der Realität ist der Januar Effekt keine seriöse Strategie mehr.
Warum steigen Small Caps in den USA im Januar im Durchschnitt um 7 %? Gibt es einen logischen Grund dafür? Das ganze passt auf jeden Fall sicher nicht in die "Random walk Theorie", nach der sich der Aktienkurs zufällig entwickelt und deshalb eigentlich kein Monat besser sein sollte, als ein anderer.
Der Grund für den Januar Effekt wurde immer wieder von den Gelehrten diskutiert. Die einfachste Erklärung dafür sind Steuergründe. Die Anleger in den USA verkaufen diejenigen Small Caps, die im Dezember im Minus sind, um so die Verluste steuerlich geltend zu machen. Diese Verkäufe drücken aber die Kurse der Small Caps. Danach steigen die Anleger im Januar auf dem niedrigeren Niveau wieder ein.
Es gibt Beweise dafür. Beispielsweise gab es keinen Januar Effekt vor 1913, als es noch keine Steuern auf Aktiengewinne gab. Oder Australien. Dort endet das Steuerjahr zur Zeit im Juni. In dem Land gibt es analog einen "Juli Effekt".
Frisches Geld an den Kapitalmärkten soll auch eine Rolle spielen. Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Kaufaufträge Anfang des Jahres höher ist, als die Zahl der Verkaufaufträge.
Egal aber, welche Gründe man nimmt – es gibt keinen Zweifel, dass es einen Januar Effekt in den Staaten gab. Bis heute.
Mit dem Januar Effekt ist es jetzt vorbei
Ich möchte Ihnen ein kleines Geheimnis mitteilen: Mit dem Januar Effekt ist es jetzt vorbei. Und zwar aus einem einfachen Grund: Immer dann, wenn jeder an der Wall Street weiß, dass etwas funktioniert, will er es auch versuchen. Und von da an klappt es nicht mehr.
Der Januar Effekt wurde zuerst in den 80er Jahren von Don Keim entdeckt. Bis dahin hatte niemand von dem Mann gehört. Aber Anfang der 90er Jahre wusste jeder von der Entdeckung des Januar Effekt durch Don Keim. Und seit jeder darüber Bescheid weiß, funktionierte es nicht mehr. Sehen Sie sich die einzelnen Jahre einmal an:
Der Januar Effekt seit 1994: Völlig nutzlos
1994: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
1995: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
1996: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
1997: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
1998: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
1999: Small Caps liefen schlechter als Blue Chips
2000: Small Caps brachten sogar Verluste
2001: Small Caps liefen besser als Blue Chips und die Anleger verdienten sogar Geld damit
2002: Small Caps brachten Verluste
2003: Samll Caps brachten Verluste
2004: Small Caps liefen besser als Blue Chips und die Anleger verdienten sogar Geld damit
2005: Mit Small Caps verloren Sie Geld
(Ich habe den Russel 2000 Index für die Small Caps verwendet und den Dow Jones für die Blue Chips).
Seit 1994 lag die durchschnittliche Performance bei den Small Caps im Januar bei -0,2 %. Anders gesagt: Seit 1994 war der Januar Effekt eine Geldvernichtungs-Strategie.
Die Performance der Small Caps in den USA im Januar war seit 1994 wirklich mies. Ich würde mit jedem Broker oder mit jeder Zeitung, die einem vorschlägt, wegen des Januar Effekts Aktien zu kaufen, kurzen Prozeß machen.
Kurz gesagt: Der Januar Effekt ist eine interessante historische Anomalie. Sie hat aber über Jahre hinweg keine richtigen Gewinne mehr gebracht und wird meiner Meinung nach auch nie mehr welche bringen.