Der Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt weiter, ein bearishes Zeichen?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 25. Mai 2005 18:00 Uhr
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Holla, es ist manchmal ganz schön schwierig auf der Seite zu stehen, wo die Masse der Anleger und Finanzexperten "NICHT" steht. Die Finanznachrichten knüppeln wie verrückt auf eine Seite und treffen immer wieder die gleichen "verwundbaren" Stellen: "Das kann alles nicht gut gehen, die Märkte in den USA werden zusammenbrechen, die Immobilienblase wird platzen, die Verschuldung ist zu hoch, etc, etc, etc – Sie kennen die Argumente, es sind dieselben, die wir seit Jahren um die Ohren geschlagen bekommen, jeden Tag mit mal größerer, mal weniger großer Intensität.
Das Schlimme dabei ist, dieser Argumente sind NICHT falsch. Sie sind sogar zum großen Teil höchst logisch, in sich stimmig.
Nun können Sie mich fragen, warum ich denn dann nicht auf der Seite der Bären zum "verkaufen" aufrufe. Warum stehe ich nicht auch auf der Bärenkoppel und rezitiere all diese Argumente vor mich hin? Das hat zwei Gründe.
Der Trend ist dein Freund
Der erste ist so simple, dass es fast weh tut: Ein Trend ist so lange völlig in Ordnung, bis er mehr als 50 % seiner bisherigen Aufwärtsbewegung wieder abgegeben hat.
Der andere Grund liegt in einer kleinen trotzigen Eigenart von mir begründet: Ich stehe nicht gerne da, wo alle anderen stehen, weil mir da einfach die Luft zu schlecht ist. Die Bärenkoppel ist zurzeit gefüllt mit all den Menschen, die über einen scharfen Verstand und logischem Denkvermögen verfügen. Dicht gedrängt stehen sie da und schauen zu uns auf die Bullenkoppel rüber.
Hämisch grinsend rufen Sie zu der Bullenkoppel: Ihr habt doch keine Ahnung, seht ihr denn nicht das Offensichtliche, dass alles zusammenbrechen muss? Macht doch endlich die Augen auf, werft den ersten Stein! Kommt zu uns rüber.
Einen Seitenwechsel wagen?
Einfacher wäre es, auf diese Seite zu wechseln. Ich weiß, die Bärchen würden mich mit offenen Armen empfangen, wie einen verloren geglaubten Sohn. Ich weiß, ich hätte es viel einfacher. Ich würde morgens den Börsenmedien lauschen und die ganze Zeit nicken, und "Recht so!" rufen, "gute Argumentation!". Ich würde vor lauter Freude die beste Lebensgefährtin von allen ins Zimmer holen: "Siehst du, siehst du, ich hab es dir gesagt, es bricht alles zusammen!". Freunde würden anrufen: "Hast du schon gehört, die Aufwertung des Yuan wird das weltweite Finanzsystem gänzlich aus den Angeln heben!". "Ja, würde ich nicken, genau, das wird der Auslöser, die Vorbeben spüren wir schon, überall!". Ich könnte mich auf den ganzen Seminaren tummeln, und überall Bestätigung finden – ich hätte ein tolles Leben ...
Nur eins hätte ich seit zwei Jahren nicht gemacht: Gewinne. Das ist die harte Realität.
Ifo-Index und ZEW Index im Vergleich
Mir ist das noch einmal sehr bewusst geworden, als ich gestern die Zahlen zum ZEW-Index recherchiert habe. Im Dezember 1992 erreicht dieser Umfragewert mit minus 62,2 Punkten sein historischen Tiefsstand. Damals war ich 25 Jahre alt und gerade etwas mehr damit beschäftigt, in diversen Studentencafes die neuesten Themen mit diesen so interessanten, leicht vergeistigten KommilitonInnen zu diskutieren und debattieren. Ich kann mich nicht genau erinnern, wie damals die Stimmung der Finanzmarktexperten wirklich war. Aber dieser Wert zeigt, dass die Experten kurz vor dem Weltuntergang gestanden haben müssen, noch wesentlich extremer als heute! (heute ist der Wert immer noch im Plus!).
Einer meiner Bekannten jedoch hat damals sein Vermögen aufgebaut, immer gegen die Meinung von allen, er arbeitete damals in einer Bank. Seine Kollegen müssen ihn für verrückt gehalten haben – doch er ließ sich nicht beirren, er ging massiv long.
Heute wurde der Ifo-Geschäftsklimaindex (den ich für wesentlich aussagekräftiger halte, da hier direkt die Unternehmen (ca. 7000 an der Zahl) nach Ihrer Einschätzung befragt werden).
Der Index sank im Mai den vierten Monat in Folge auf nun 92,9 nach 93,3 Punkten im April, wobei die aktuelle Lage etwas besser beurteilt wurde, die Zukunftssorgen jedoch zugenommen haben.
Ich habe mir natürlich auch noch die Mühe gemacht, die historischen Daten zum Ifo-Index zu studieren. Und was musste ich sehen? Seit Berechnung lag der tiefste Wert mit 85,9 Punkten im Februar 1993 ebenfalls am Start einer der größten Rallyes des Jahrhunderts. Das nächste Mal, als er so tief stand, im Dezember 2002 mit 86,6 Punkten, startete nur 4 Monate später die erstaunliche Rallye mit 102,7 % im Dax.
Den absoluten Höchstwert in den folgenden Jahren erreichte der Ifo Index, wen wundert es, im Mail 2000 mit 102,3 Punkten.