Der Hund der seinem eigenen Schwanz hinterher jagt
Rob Parenteau in Traders Daily
vom 30. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Ängste vor einem Rückfall der Wirtschaftsaktivität verfolgen die professionellen Anleger, soweit man aus dem Einbruch der Renditen der US-Staatsanleihen beurteilen kann, den durchhängenden Wertpapierindizes und den schwächer werdenden Rohstoffpreisen im vergangenen Monat. Ich habe die Meinung vertreten, dass die Anleger sich selbst zuvorkommen, mit all diesem Gerede von den „Anzeichen einer Erholung."
Hierbei handelt es sich sicher nicht um die altbekannte Rezession, es ist daher auch nicht ratsam, nach dem üblichen Verfahren zu handeln. Während ich die Bücher der Makrostatistik durchforstete, wurde klar, dass meine Einschätzung ist, dass die Wirtschaft immer noch einer ernsten Rezession kämpft, die durch die Bilanzprobleme noch verschärft werden und bestenfalls konnte ich in den vergangenen Monaten einige erste Anzeichen einer Stabilisierung in den Bereichen Ausgaben und Aktivität erkennen.
Meiner Meinung nach kam der Wind gleich doppelt von Vorne - einmal durch die Entschuldung des Privatsektors und dann durch die geschädigten Finanzinstitute mit ihrer ungewöhnlich hohen Risikovermeidung - das sind die größeren Probleme. Der Unternehmens- und der Haushaltssektor versuchen, das hohe Niveau bei den Nettosparraten zu halten (d.h. dass man aus den Einkommensflüssen unter Abzug der Ausgaben für materielle Investitionen das Ersparte nimmt), so wie es in Japan der Fall war.
Wenn dann hinzukommt, dass die politische Bereitschaft nicht da ist, unbezahlte Schulden zuzulassen und schnelle relative Preisveränderungen für Unruhe in der Wirtschaft sorgen zu lassen, dann können nur noch ein steigender Handelsüberschuss sowie ein höherer Steuerhaushalt wirtschaftliches Wachstum in die Vereinigten Staaten bringen. Wie ich gleich zeigen werde, erkenne ich die ersten Lebenszeichen bei den Investitionen im Geschäftssektor.
Die meisten Anleger, Politiker und Wirtschaftswissenschaftler scheinen die Auswirkungen der Entschuldung des Privatsektors entweder zu ignorieren oder sie gehen davon aus, dass sich jede derartige Entschuldung als kurzlebig erweisen wird.
Das letztere entspricht natürlich stärker ihren Erfahrungen, aber wie viele professionelle Risikomanager bei den Hedegefonds und anderen Institutionen kürzlich auf die harte Tour lernen mussten, ist die Vergangenheit im besten Falle ein mangelhafter Führer für die Zukunft - ganz besonders, wenn man nicht innehält, um sich zu überlegen, warum sich die Vergangenheit auf diese bestimmte Weise verhalten hat.
Ich habe die Herausforderungen für den Privatsektor schon in einem Beitrag über die amerikanischen Finanzbilanzen zum Ausdruck gebracht.
Um es ganz einfach auszudrücken, liegt die Herausforderung bei einer Bilanzbogenrezession im Folgenden: Angesichts eines starken Rückgangs der Preise von Anlagewerten, reduziert der Privatsektor seine Ausgaben für Güter und Dienstleistungen, um genug Geld aus dem Einkommensfluss zu sparen, um so den Hebel auf die Bilanzbögen zu reduzieren. Solange sich die Handelsbilanz nicht bessert und der fiskalische Stimulus nicht ausreichend erhöht wird, werden die Geldflüsse aus dem Privatsektor dazu tendieren, dass sie fallen, nachdem die Haushalte und Unternehmen weniger Geld ausgeben, um zu versuchen, ihr Schuldenniveau zu reduzieren.
Wenn man einmal verstanden hat, dass die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen sind, dann erkennt man am Ende des Prozesses so etwas wie einen Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterher jagt: Das Einkommen des Privatsektors steigt, nachdem die Ausgaben eingeschränkt werden und die fallenden Einkommen erschweren die Versuche, die Schuldenlast zu reduzieren.
In einer Welt, in der die Grundsätze der österreichischen Schule noch gelten, würde man dem Hund erlauben, dass er dies bis zur Erschöpfung tut und dann frisch von vorne beginnen, angesichts von weniger verzerrten Preissignalen, die irgendwann zu produktiveren Verhaltensweisen führen werden. Den Schulden, die nicht getragen werden können, würde man erlauben, in der Nichterfüllung zu verschwinden, Kreditgeber würden sämtliche verbleibenden materiellen produktiven Anlagewerte in den eigenen Besitz zu bringen und die Preise für Produkte und die Löhne würden sich so lange anpassen, bis das Wachstum zurückkehrt und der Trend wieder durch das verfügbare Angebot produktiver Ressourcen und der Bereitschaft der Unternehmer bestimmt wird, nach profitablen Produktionsmöglichkeiten zu suchen.