Der Herbst und seine Folgen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 29. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ich hätte wohl gestern nicht so viel vom Herbst schreiben sollen. Gestern Nacht suchte mich relativ plötzlich eine Erkältung mit all den üblen Begleiterscheinung heim: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, beständiges Niesen. Das Wetter draußen ist verregnet, ich bin erkältet: Der Herbst kann kommen. Da heute auch keine interessanten Firmennachrichten zu erwarten sind, werde ich mich textlich etwas kürzer fassen.
Mir ist aufgefallen, dass in den letzten Tagen die amerikanischen Indizes immer zum Schluss hin hochgezogen wurden. Das führt dazu, dass in den Kerzencharts Kerzen entstehen, die lange Schatten nach unten haben. Normalerweise ist das ein Zeichen für eine Schwäche im Markt, denn es zeigt, dass die Bullen Mühe haben, den Markt zu kontrollieren.
Andererseits weisen die Käufe zum Schluss auch auf den ungebrochenen Optimismus einiger Markteilnehmer hin. Sie positionieren sich, um von steigenden Börsen am nächsten Tag zu profitieren. Bis jetzt funktioniert das Prinzip. Nur von einem "gesunden" Anstieg kann nicht die Rede sein.
Wir müssen wohl auf die Rede von Alan Greenspan warten. Leider werde ich Ihnen von dieser Rede erst am Montag berichten können. Doch besonders die US-Marktteilnehmer erhoffen sich endlich klarere Aussagen. Ob sich old Greeny diesmal dazu hinreißen lassen wird, mehr über die Konjunktur zu erzählen? Ich glaube nicht. Immerhin befinden sich die Charts immer noch in der Nähe wichtiger charttechnischer Widerstände. Vielleicht wird seine Rede endlich die entscheidende Impulse geben, in welche Richtung auch immer.
Ich habe mir heute die Entwicklung des Tec-Dax angesehen, der aus dem Neuen Markt hervorgegangen war. Er hat seit Bestehen um fast 66 % zulegen können. War die Idee, den neuen Markt sterben zu lassen, doch von Erfolg gekrönt? Ich vermute, dass auch der Neue Markt einen ähnlichen Anstieg zu verzeichnen gehabt hätte. Aber es ist schon ein interessanter Vorgang, dass der Neue Markt nahe seines Tiefs aufhörte zu existieren und der Tec-Dax seit Gründung bisher ausschließlich angestiegen ist. Trotzdem machen die Charts auf mich einen extrem überhitzten Eindruck.
Gold steigt weiter und der Euro steigt weiter. Das könnten die ersten Anzeichen für fallende Kurse an den amerikanischen Indizes sein. Ein wenig Platz nach unten ist durchaus.
Kurz zur Politik in Deutschland: Heute war es dann so weit, Bundesfinanzminister Hans Eichel meldete 3,8 % Defizit nach Brüssel. Damit würde Deutschland erneut die 3,0 % Defizit-Obergrenze der EU überschreiten. Wirklich überraschen kann diese Nachricht nicht. Ein guter Tag für Schröder und Fischer zu verkünden, dass sich beide bei der nächsten Wahl erneut zur Kandidatur stellen werden.
Aber immerhin verbessert sich in Deutschland die Konsumstimmung der Verbraucher, jedoch nur langsam. Das geht zumindest aus einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung hervor. Demnach stieg der GFK Konsumklima Index für September auf 4,8 nach 4,6 Punkten.
Im Einzelnen verbesserte sich der Index für die Konjunkturerwartung von zuvor minus 12,7 Punkte auf nun 9,2 Punkten. Allerdings ist die Einkommenserwartungen nach fünf Monaten wieder rückläufig und verminderte sich auf 5,9 Punkte.
Insgesamt immer noch keine Zahlen, die begründeten Anlass zur Hoffnung für den Einzelhandel und für die deutsche Wirtschaft geben. Dass die Zahlen sich stabilisieren, unterstützt die Prognose einer leichten Konjunkturerholung im nächsten Jahr.