Der Herbst in den Vereinigten Staaten
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 28. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ein Hin und Her. Gut, die Umkehrsignale bei den Amis haben sich gestern so einigermaßen bestätigt. Das heißt, es kann auch wieder weiter aufwärts gehen. Nun wird von Bärenfalle geredet. Genauso kann es nun auch wieder runter gehen. Bullenfalle, Bärenfalle im Prinzip befinden wir uns in einer Seitwärtsbewegung. Bei den meisten Indizes mit leicht steigender Tendenz, nur der S&P macht es richtig.
Doch es kann auch genauso wieder abwärts gehen. Unter den Tradern macht sich aufgrund dieser undurchschaubaren Situation, eine leichte Genervtheit breit. Der Markt ist einfach kaum einzuschätzen. Sommerzeit, jedes Jahr das Gleiche. Wie Sie wissen, rede ich da schon seit Mitte Juli von. So langsam wird es Zeit, dass dieser Sommer endlich zu Ende geht (zumindest für die Börsen). Wie ich den Worten Bill Bonner entnehme, hat auch er schon Probleme ein "neues" Thema zu finden. Doch keine Sorge. Diese aktuelle Phase wird nicht mehr lange dauern, denn:
Am Montag ist in Amerika Labor Day. Der Tag nach dem alles anders wird. Der Labor Day kündigt in Amerika das Ende des Sommers an. Der Herbst kommt und er bleibt bis zum "Thanksgiving Day" Ende November. Ich hoffe, dass es dann auch noch etwas zu bedanken gibt.
Labor Day bedeutet auch für die meisten amerikanischen Kinder das Ende der drei Monate dauernden Schulferien. In den nördlichen Bundesstaaten schließen sogar die Freibäder direkt am Dienstag nach dem Labor Day Wochenende. Auch andere sommerlichen Sportaktivitäten nehmen ein Ende.
Die Amerikaner nutzten diesen Tag zumeist für Picknicks und Grillfeste im Freien. Wenigstens die Amerikaner wissen genau wann der Sommer zu Ende geht. Das Wetter ist dabei egal. Für die Börsen bedeutet dieser Tag das Ende der umsatzarmen Sommermonate. Es beginnt der heiße Herbst. Es wird sehr spannend sein, wie weit diese Rallye noch getrieben wird oder wie schnell sie zu Ende geht. Wir werden es auf jeden Fall erleben.
Zunächst aber die neusten US-Konjunkturdaten:
Die Arbeitsmarktdaten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind wieder gestiegen. Mit 394.000 liegen sie aber immer noch unter der 400.000er Marke. Der Wert der letzten Woche wurde von 386.000 auf 391.000 revidiert. So richtig erholen will sich der Arbeitsmarkt offenbar nicht.
Das US-Bruttoinlandsprodukt stieg der ersten Prognose nach auf 3,1 % und lag damit ganz leicht über den Erwartungen.
Die Arbeitsmarktdaten schlechter, das BIP besser. Und dementsprechend reagierte die Börse, sie zuckte Hin und Her, ohne genau zu wissen, wohin sie denn nun laufen soll. Da das Bip rückblickend und die Arbeitsmarktdaten zukunftweisend sind, könnten sich die schlechteren Arbeitsmartdaten durchsetzten.
Nach Europa: Interessantes passiert am Montag im Stoxx und Euro Stoxx. Die Indizes werden neu zusammengesetzt. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die HypoVereinsbank (HVB) und die Münchener Rück den EuroStoxx 50 verlassen. Aufsteigen soll relativ sicher die Anglo American. Bei Iberola und Credit Agricole ist es noch nicht entschieden. Dem möglichen Abstieg der Münchener Rück kommt auch noch eine Herabstufung von Standard & Poor's hinzu. Dazu gleich mehr.
Immer wenn es um Indexumstellungen geht, müssen Fonds ihre Portfolios den neuen Gewichtungen anpassen. Das führt gerne im Vorfeld oder nach einer Neuzusammensetzung eines Index zu deutlichen Kursbewegungen bei den einzelnen Werten. Mit wirklich starken Ausschlägen ist allerdings nur bei Veränderungen zu rechnen, die niemand erwartet hatte.