Der gute alte Doktor
unserem Korrespondenten Tom Dyson in Baltimore in Investors Daily
vom 10. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Vielleicht ist Alan Greenspan doch nicht der Optimist, für den ich ihn gehalten habe. Er hat sinngemäß gesagt: "Wenn man den Ölpreis ignorieren könnte, dann wäre ich sehr optimistisch in Bezug auf die Lage der amerikanischen Wirtschaft." Der Ölpreis ist zuletzt ja zurückgegangen. Von seinem Topp bei 49,40 Dollar, das am 20. August erreicht worden war, ist er – in New York – auf knapp 43 Dollar zurückgekommen, ein Minus von rund 13 %.
Ich bleibe bei Zentralbankern – der ehemalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker hat einmal verkündet: "Manchmal denke ich, dass es der Job der Zentralbanker ist, Kurt Richebächer zu beweisen, dass er Unrecht hat". Sie kennen ja Dr. Kurt Richebächer als Gastautor des Investor's Daily. Und viel Glück, Mister Greenspan! Dr. Richebächer lag sehr viel öfter als Sie richtig, wenn es um die Einschätzung der amerikanischen Volkswirtschaft geht.
Mein Kollege Thom Hickling hat Dr. Richebächer in seinem Haus an der französischen Riviera besucht. Er schrieb mir per Email: "Bereits in den paar Minuten, in dem ich unser Treffen mit ihm telefonisch besprach, schockte er mich mit seinen kristallklaren Ansichten zur Weltwirtschaft. Das ist Dr. Richebächers Version von "Smalltalk". Er befasst sich mit den statistischen Details, die die anderen faulen Ökonomen übersehen.
Ein Beispiel: "Im Jahr 2003 kamen nicht weniger als 58 % der chinesischen Importe ( ...) aus Asien, 8 % aus den USA und 13 % aus der EU. Das bedeutet, dass China gegenüber den asiatischen Handelspartnern ein großes Handelsbilanzdefizit hat."
"Aber Chinas Handelsbilanzdefizit mit den anderen asiatischen Ländern wird mehr als ausgeglichen durch die Überschüsse im Handel mit den USA (88 Milliarden Überschuss im Jahr 2003) und der EU (29 Milliarden Überschuss)."
Die Schlussfolgerung ist offensichtlich: Dollar fließen aus den USA nach China und dann in den Rest Asiens.