Der große Betrug der "Great Moderation"
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 1. Juli 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Es geht im gleichen Takt weiter - ein Sektor wird aufgepumpt... und muss dann Schläge einstecken.
Jim Cramer sagt, er habe noch nie etwas Derartiges gesehen.
Weder der Crash von Drexel Burnham Lambert in den 80ern... noch die asiatische Währungskrise... noch der Zusammenbruch von LongTerm Capital Management ... und auch nicht die Dotcom-Krise.
Jetzt sagt er, die Untergangsstimmung an der Wall Street würde nur stetig schlimmer werden ... und es gäbe keinerlei Anzeichen eines Nachlassens. Aktien befinden sich in einem stetigen Abwärtstrend.
Das macht meine Kollegen und mich ein wenig traurig. Es gefällt uns nicht, einen Industriezweig auch dann noch zu treten, wenn er schon am Boden liegt... aber es gefällt mir, die Wall Street zu treten.
Doch man kann erkennen, warum die Herren des Universums so betrübt sind - ihre Prämien sind auch gefallen. Ebenso der Wert ihrer Aktienoptionen.
"Die Banken müssen kämpfen, um Kapital zu bekommen" beginnt ein Artikel des Wall Street Journals.
Als zum Beispiel JP Morgan Bear Stearns gekauft haben, dachte jeder, sie hätten das Unternehmen gestohlen. Es lag deutlich am Boden - oder zumindest glaubte man das. Und sie hatten Sicherheiten im Wert von 30 Milliarden von den Verantwortlichen. Was konnte also noch schief gehen?
Doch der gesamte Finanzsektor sinkt auch weiterhin... und jetzt sieht das Geschäft von J.P. Morgan noch weniger sicher aus.
(Selbst die besten Unternehmen - z.B. Warren Buffets Berkshire Hathaway - werden zu Boden geschlagen. Berkshire wurde im vergangenen Dezember für 1.500 Dollar getradet. Heute ist die Aktie auf 1.220 Dollar gefallen.)
Anfang der Woche hielt sich der Dow wieder stabil. Doch die vergangene Woche war eine schlechte Woche... in der die Aktien 3,8% ihres Wertes verloren und der Dow auf unter 12.000 Punkte gefallen ist. Öl hat weitere 1,38 Dollar zugelegt, und damit ist der geltende Preis für ein Barrel Rohöl auf 136 Dollar gestiegen.
Der Dollar hat gegenüber dem Euro zugelegt und Gold ist gefallen.
An Cramers Perspektive ist besonders erstaunlich, dass er überrascht zu sein scheint. Was hat er denn geglaubt? Dass sich eine Blase in der Finanzindustrie auf ewig weiter ausdehnen würde? Oder dass die Zentralbank sie wieder aufblasen würde, auch nachdem sie bereit sein großes Leck geschlagen hat?
Entschuldige, Jim, aber so funktioniert die Sache nicht.
Die Finanzindustrie hat einmal 10% der Gesamteinkünfte des Aktienmarktes beigesteuert. Dann sind die Kredite gewachsen und der Finanzsektor hat neue Möglichkeiten gefunden, die Menschen von ihrem Geld zu trennen. Während der Zeit, die als Great Moderation" bekannt wurde, ist der Anteil der Erträge, die von der Wall Street stammten, auf 40% der Gesamtsumme angestiegen. Jetzt geht dieser Wert wieder zurück.
Es ist vorbei.
Ich muss es Ihnen wohl nicht extra sagen, aber die Great Moderation" war ein großer Betrug. Es gab nichts Bescheidenes daran. Stattdessen war es eine Phase der Extravaganzen... der Exzesse... des übermäßigen Konsums... und der überirdischen Betrügereien.
So wurde z.B. behauptet, dass die Unternehmen der Wall Street zusätzlichen Wert" hinzufügen würden, indem sie die minderwertigen Hypotheken zu Wertpapieren zusammenschnürten und diese dann an Städte in Norwegen verkauften. Man glaubte auch, dass die Zentralbank wirklich gelernt habe, wie man die Geschäftszyklen glatter verlaufen lässt und dass man von nun an Abwärtstrend vermeiden könne.
Und die Inflation? Das war ein Problem der Siebziger, aber keines des 21. Jahrhunderts.
Aber jede Blase platzt. Und die Gewalt der Korrektur entspricht dem umgekehrten Wert der Täuschung, die ihr voran ging. Natürlich muss eine Korrektur im Bereich der Finanzindustrie ganz heftig ausfallen. Und die Zentralbank wird auch nicht in der Lage sein, das aufzuhalten. Wenn eine Blase platzt, dann kann die Zentralbank noch so feste pumpen, das zusätzliche Geld und die Kredite werden in eine neue Blase fließen, nicht in die alte.
Sie haben noch keine neue Blase in der Dotcom-Industrie erkennen können, oder? Diese Blase ist vor acht Jahren in die Luft gegangen. Sie ist nicht wieder zurückgekehrt - trotz der großen Bemühungen der Zentralbanken überall auf der Welt. Und rechnen Sie nicht damit, dass es bei den Immobilien eine weitere Blase geben wird. Wir haben die effektiv höchsten Preise bei Immobilien gesehen - und vermutlich wird das noch bis zum Ende unserer Lebenszeit gelten.
Blasen... Krisen... Blasen .... Krisen... es läuft im gleichen Takt weiter. Ein Sektor wird aufgepumpt... und dann steckt er Schläge ein.
Was steht als nächstes an?