Der grösste Irrtum der Menschheit ermöglicht 500% Gewinn
Andreas Lambrou in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 12. November 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser
Verschiebungen der Wechselkurse haben einen enormen Einfluss auf unser Leben.
Schon bevor ich vor rund 15 Jahren mit der Börse und der Spekulation in Berührung kam, konnte ich Auswirkungen von Wechselkursverschiebungen und dementsprechende Veränderungen des Lebens beobachten.
Beispielsweise trugen meine Freunde und Klassenkameraden in den Zeiten eines schwachen Dollars tendenziell mehr Levi's Jeans. Besonders auffällig waren die vielen Outlet Stores" in unserer Stadt um den Zeitraum von 1990 bis 1995 herum. Damals notierte der US-Dollar zur guten alten D-Mark bei rund 1,40 DM für einen Dollar. Umgerechnet also rund 0,71 Euro für einen Dollar, oder einfacher gesagt ein EUR/USD Wechselkurs von 1,41.
1990 bis 1995 war der Zeitraum in dem der US-Dollar gegenüber der D-Mark eine der längsten anhaltenden Schwächephasen erlebte, wenn wir die Wirtschaftswunderjahre und die wegen der weitsichtigen deutschen Notenbankpolitik gherbeigeführte D-Mark Aufwertung von 1950 (4 DM für 1 US-Dollar) bis 1980 (1,80 DM für einen US-Dollar) aussen vor lassen.
Auch in diesem Jahr erreichte der US-Dollar erstmals sei längerem ein Durchschnittsniveau von über 1,40 gegenüber dem US-Dollar und schoss in der Spitze sogar auf 1,60 nach oben. Wobei diesmal der Effekt vor allem auf der Rohstoffseite und dem übertrieben hohen Ölpreis gefunden wird, der für über 50% des US-Handelsbilanzdefizits verantwortlich war. Doch nirgendwo sieht man den Effekt, den man Zurück zum langfristigen Durchschnitt" nennt stärker, als im Devisenhandel. Denn sobald eine Währung sich im Kaufkraftvergleich zu weit von anderen Währungen in ähnlich aufgestellten Industrieländen entfernt, desto heftiger wird die Gegenreaktion ausfallen.
Nirgendwo sonst bekommen so genannte Trendfolger" mehr Schwierigkeiten, als bei den Währungen, denn der Mensch neigt dazu offensichtliche Trends für immer und ewig fortzuschreiben.
Bei vielen Unternehmen führte dieser Irrtum in diesem Jahr bereits zu erheblichen Währungsverlusten, die sogar bis zum Bankrott reichten und alles nur, weil JEDER die Schwäche des US-Dollars als gegeben ansah und sich kein Szenario ausmalen konnte, dass einen starken, vielleicht auch nur temporären, Anstieg des US-Dollars kommen sah.
Dabei lagen die Begründungen für den heutigen Anstieg des US-Dollars seit Jahren auf der Hand und in den Schubladen der Devisentrader. Das Argument war einfach und treffend. Brechen die Kreditsysteme in den USA aufgrund der unüberlegt vergebenen Immobilienhypotheken zusammmen, dann schwächt sich der US-Konsum ab und die Exporte der Emerging Markets brechen ein. Vor allem trifft dies den Ölpreis und die Ölexporteinnahmen. Dies wiederum führt wegen werthaltig geringerer Transaktionen (Ölpreiseinbruch) zu einer geringeren Nachfrage und einem geringeren Angebot an US-Dollar, was wiederum den Wert eines Dollars in eben diesen Entwicklungsländern wieder steigen lässt, schließlich kommen nicht mehr so viele grüne Zettel über die Grenzen wie zuvor...
Diese relative Verknappung des US-Dollars bringt den Dollar nach einer langen Abwertungsphase, die solche grotesken Ausmaße erreicht hatte, dass sie nicht mehr durch die höhere Inflationsrate und die tieferen Zinsen in den USA erklärt werden konnte, nach oben.
Wie lange die laufende Dollarerholung noch dauert vermag ich leider nicht zu sagen. Ich vermute der Dollar pendelt sich gegenüber dem Euro auf diesem oder falls die Weltrezession noch stärker ausfällt, auf einem noch etwas höherem Niveau ein und tendiert dann über einen längeren Zeitraum von 2 bis 3 Jahren unter hohen Schwankungen seitwärts. Erst wenn die Weltwirtschaft sich wieder erholt, wird beim US-Dollar seine strukturelle Schwäche, nämlich das verkorkste FED-System und die ewige Schuldenmacherei, wieder offensichtlich und der Wert des US-Dollars dürfte dann wieder insbesondere gegenüber dem chinesischen Yuan massiv abwerten.
Bis es soweit ist bleibt aber noch genügend Zeit sich vor dem Euro und dem Dollar in Sicherheit zu bringen.
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