Der Greenback vor der Entscheidung
Ronald Gehrt in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 31. Mai 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Die gestrige Veröffentlichung des US-Notenbankprotokolls zur Sitzung vom 9. Mai bemüßigte die Trader, den Dollar ein wenig anzuheben. Man suchte sich die Zeilen heraus, in denen von bald wiederkehrendem Wachstum und der Unsicherheit darüber, ob die Inflation wirklich deutlich zurückgehen werde, die Rede war. Das heißt: Keine Zinssenkungen und damit weniger Druck auf den Dollar.
Doch die Bewegung war recht zurückhaltend, nicht zuletzt, weil das Protokoll so schwammig war, dass die Rentenhändler sich das gegenteilige Szenario herauslesen konnten. Hier mochte man die Zeilen, in denen auf eine länger als erwartete Schwäche am Immobilienmarkt hingewiesen wurde. Auch die Aussagen zur sich ganz bestimmt moderierenden Inflation gefielen. Die Anleihekurse stiegen (d.h. die Zinsen fielen) in Erwartung, dass aufgrund dieser Aussagen keine Zinserhöhungen anstehen werden.
Kurz und knapp formuliert hat niemand eine Ahnung, wie es nun konkret mit der US-Wirtschaft weitergeht. Dass es die Notenbank auch nicht weiß, hat sie immer wieder bewiesen, indem sie in den vergangenen Monaten mehrfach das Gegenteil dessen prognostizierte, was dann eingetreten ist. Problematisch für den Devisenmarkt, denn:
Man kann nicht mit weit reichenden, wirklich gewinnträchtigen Moves im Greenback rechnen, wenn keine klaren Perspektiven vorliegen. Es fehlt ja sogar an großen Zukunftsszenarien. Das Gegenteil ist der Fall: Es sieht wirklich so aus, als würde sich die US-Konjunktur auch in den kommenden Quartalen durch den Matsch der Mittelmäßigkeit schleppen ... zu schwach, um zu boomen, zu stark für eine Rezession. Dumm nur, dass die charttechnische Situation des US-Dollar für die kommenden ein, zwei Wochen eine Entscheidung einfordert – siehe 2. Abschnitt.