Der Goldpreis wird am Papiermarkt "gemacht“
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 21. November 2008, 17:00 Uhr
ENL5462
Der Goldpreis wird am Papiermarkt "gemacht"
Immer wieder erhalte ich angesichts dieser starken physischen Nachfrage die verwunderte Frage von Lesern, warum denn der Goldpreis nicht steige, wenn es doch so schwierig sein könne, physisches Gold zu kaufen? Nun, das hängt davon ab, dass der physische Goldmarkt und der Papiermarkt zwei ziemlich unterschiedliche Dinge sind. Der Goldpreis, nach dem wir uns richten, wird an der Comex in New York und dem Spotmarkt in London "gemacht". Hier gehen große Kontrakte an "Papiergold", also Futures, Optionen etc. um. Das physische Gold der Anleger ist nur ein kleiner Teil des Goldmarktes.
Der Münzhandel ist nur ein sehr kleiner Teil des Goldmarktes
Nach den jüngsten Zahlen des World Gold Council (welches die wichtigsten statistischen Daten über den Goldmarkt veröffentlicht) haben Anleger im dritten Quartal 382,1t Gold in Münzen, Barren und ETFs angelegt. Insgesamt lag die Nachfrage jedoch bei 1.133,4t Gold. Also geht weniger als ein Drittel des Goldes überhaupt nur in den Edelmetallhandel, ein großer Teil davon landet wieder in "Papierform" bei den ETFs. Eine deutlich größere Bedeutung für den Preis des Goldes haben die Schmuckeinkäufer, vor allem aus Indien und dem Orient. Sie sind sehr preissensibel. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, kaufen Sie ab einem gewissen Betrag einfach nicht mehr. Dazu kommt in jüngster Zeit auch bei Ihnen das Problem der Kreditkrise. Denn sie müssen kurzfristige Kredite aufnehmen, um das Gold am Markt zu kaufen, bevor sie es verarbeitet weitergeben können. Diese Kredite sind jedoch sehr teuer geworden bzw. es war teilweise auch sehr schwierig, überhaupt welche zu bekommen. Daher fielen die Käufe aus dieser Ecke schwächer aus, als sie es aufgrund des günstigen Preises hätten sein sollen.
Wichtigste Größe waren die Glattstellungen großer Longpositionen
Ein sehr wichtiger Parameter sind jedoch vor allem die Papiergoldmärkte. Große Adressen haben in den vergangenen Jahren sehr hohe Longpositionen im Gold aufgebaut. Dazu kamen die ganzen kleinen Spekulanten, die an den Papiermärkten auf steigende Kurse des gelben Metalls setzten. Sie alle wurden zuletzt enttäuscht, weil das Gold eben nicht im Preis explodierte, sondern sich "nur" als "sicherer Hafen" erwies, was ja eigentlich auch seine Aufgabe in schlechten Zeiten ist. Da viele dieser Positionen jedoch kreditgehebelt waren, mussten sie bereits bei leicht fallenden Goldpreisen reduziert werden. Dazu kamen die ganzen Fonds, die unter Mittelabflüssen litten oder aufgrund höherer Marginanforderungen Positionen verkaufen mussten. Sie zogen immer wieder gewaltige Kreise, was die kurzfristigen Ausreißer im Preis nach unten bewirkte.
Die Nettoposition der Large Speculators (institutionelle Anleger, rote Linie) wurde von rund 200.000 Kontrakten auf zuletzt 65.578 Kontrakte reduziert. Mit dafür verantwortlich ist die immer wieder verheerende Wirkung kreditgehebelter Spekulationen. Quelle: www.Wellenreiter-Invest.de.
Alle diese Positionen drückten immer wieder auf den Kurs des Goldes, das in den sehr hektischen Phasen des Marktes auch eine enorme Volatilität aufbaute. Wer jedoch in diesen Schwankungen die Nerven behielt und rechtzeitig Gewinne aus den Aktien in Gold umgeschichtet hatte, als sich 2007 die Krise abzeichnete, kam ausgesprochen gut über die schwierige Zeit. Vor allem in Euro gerechnet, konnte Gold noch vor wenigen Wochen ein neues Hoch verbuchen. Auf diesem Sicherheitspolster ließ sich also gut ruhen - genau das, was auch die Aufgabe des Goldes ausmacht. Es ist vor allen Dingen ein Wertaufbewahrungsmittel für schlechte Zeiten.
Mit den schönen Gedanken an das glänzende Gold wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende. Herzliche Grüße, Ihre
Daniela Knauer
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