Der Goldmarkt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Gold als Geldanlage
vom 03. Juli 2007 07:30 Uhr
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*** Der Goldmarkt
Was geht gerade am Goldmarkt vor sich? Mein Lieblingsmetall ist Ende letzter Woche auf unter 645 Dollar gefallen. Der Preis hat sich innerhalb eines Jahres kaum bewegt. Goldkäfer fangen an, sich Fragen zu stellen. Ist es an der Zeit, das gelbe Metall aufzugeben und die große weltweite Kreditblase mit offenen Armen zu empfangen?
Ich würde das nicht tun.
Ich halte mich immer noch an das, was Mises einen Crack-Up Boom genannt hat. Es ist ein großer Boom, so viel steht fest. Die Preise für seltsame Anlagewerte aller Art steigen – darunter auch die Aktien aus Simbabwe. Sie steigen wegen der Inflation. Es gibt zu viel Kaufkraft auf der Welt. Deutlich mehr Liquidität. Viel mehr Bargeld und viel größere Kredite – konzentrieren sich am oberen Ende der Skala, da wo die Leute dazu neigen, hochwertige Produkte zu kaufen.
Es gibt keinen bestimmten Grund, warum ein Bild oder ein Haus heute mehr wert sein sollten als noch vor zehn Jahren. Beides bringt immer noch die gleiche Leistung. Es ist nur so, dass es mehr Geld gibt, das darum bietet.
Momentan lieben noch alle diese Inflation – denn sie treibt die Preise für Anlagewerte nach oben, jedoch nicht so sehr die Preise für Verbrauchsgüter. Doch auch die Verbrauchsgüter haben angefangen im Preis zu steigen – ganz besondern in den Exportländern, wie z.B. China. Wenn die Grundkosten steigen, dann steigt auch der Anreiz die großen Mengen an Geld, die sie haben, darauf zu verwenden – anstatt das Geld im weltweiten Kreditsystem zu recyclen. Früher oder später werden die Verbraucher keine Lust mehr haben, den übermäßigen Konsum der Briten und Amerikaner zu finanzieren. Sie werden es dann ansprechender oder dringlicher finden, ihren eigenen Konsum zu finanzieren. Dann werden die Kosten für die Finanzierungen steigen. Die Aktivitäten im Bereich Mergers and Acquisitions werden zurückgehen. Unternehmen, Geschäfte und Haushalte, die von den günstigen Krediten abhängig sind, werden untergehen. Und dann wird es mit der Kreditblase vorbei sein.
Ich weiß nicht, wann das sein wird … das wird sich noch herausstellen. Aber zum Ende eines Crack-Up Booms wird die Währung zusammen mit den Anlagepreisen zusammenbrechen. Und wenn das passiert, dann werden die Leute sich fragen, wie viel ihre eigenen Dollar, Yen, Euro oder Pfund noch wert sind. Einige werden dann etwas Gold besitzen wollen. Nur für den Fall der Fälle. Vielleicht gehören dann auch ein paar Zentralbanken dazu.
Gold befindet sich seit fast genau acht Jahren in einem Bullenmarkt. Der Preis ist von 256 Dollar auf über 700 Dollar gestiegen ... und seither wieder auf unter 650 Dollar zurückgefallen. Alles mögliche könnte passieren, aber es wäre ein seltsamer Bullenmarkt für Gold, der so wenig Aufregung hervorbringt, es wäre ein seltsamer Crack-Up Boom, der so wenig Angst und Zerstörung hervorruft und es wäre eine verdammt seltsame Welt, in der einige Regierungsangestellte in Zentralbanken eine wirklich beständige neue Ära in der Finanzgeschichte hervorbringen könnten.
Nein, liebe Leser, keine Sorge. Dieser Bullenmarkt für Gold ist noch lange nicht vorbei. Diese neue Ära des Papiergeldes, das allein durch Vertrauen gedeckt wird, wird zusammenbrechen. Früher oder später, wie ich immer sage.
*** Europäische Unternehmen
Ja, vielleicht wird die Finanzwelt im Bollerwagen zur Hölle fahren, wie mein Freund Sven Lorenz zuletzt bei einem Abendessen verkündete. Aber es gibt immer noch viele Möglichkeiten, viel Geld zu machen.
Sven reist regelmäßig durch die Welt – und sucht nach seltsamen, verrückten Möglichkeiten, die den Mainstream-Investoren entgangen sind. Als er z.B. eine geheimes Lager seltener Rentierleder in St. Petersburg fand, 200 Jahre alt und aus der Nordsee gerettet, da hat er alles gekauft. Dann fand er alte asiatische Tresore, die er in Humidore für Zigarren verwandelte. Er besitzt ein Hotel auf einer der Kanalinseln ... Wohnungen in Deutschland ... und eine Kosmetikfirma in Russland. Sven ist auch auf die Falklandinseln gereist, um dort das Potenzial großer Ölfunde zu prüfen – und in das Herz der Finsternis, um sich die Bergbau- und Landwirtschaftsbetriebe dort anzusehen.
Ich habe ihn direkt gefragt: Wo denkst du, gibt es heute die besten Anlagemöglichkeiten weltweit? Er hat geantwortet:
„Vermutlich in Europa. Geringe Kapitalkosten und der Wunsch nach Reformen kommen hier zusammen und bringen beachtliche Möglichkeiten hervor. Einige dieser Unternehmen werden schon seit Generationen von ihren Gründern und deren Familien geführt. Die Leute wissen nicht viel davon ... sie sind oft in Schweizer Holdings oder Kartelle in Lichtenstein eingepackt. Aber oft besitzen sie sehr gute Markennamen ... und manchmal haben sie auch Eigentum – sogar Barvermögen – von dem die meisten Investoren nichts wissen.“
„Diese Unternehmen werden von ihren Aktionären gefordert. Und sie werden von Private-Equity-Unternehmen, Hedgefonds und Privatanlegern gestreckt. Einige ganz außergewöhnliche Schnäppchen tauchen hier auf. Wir haben eine Bank – eine großartige Konzession – für wenig mehr als das Geld in den Schatzkammern gekauft. Es ist fast so, als hätten wir das Geschäft umsonst bekommen. Ich denke, wir werden noch einige andere großartige Geschäfte dieser Art zu sehen bekommen – sogar sehr große.“
„Und eine der hübschen Seiten daran ist, dass wir hier über große, solide und alte Unternehmen sprechen. Wenn man ein Start-up-Unternehmen kauft, dann weiß man nicht, was man bekommt. Solange der Markt fliegt, werden sich die Papiere in der Luft halten. Aber sobald es einen Rückschlag gibt, werden wir sehr unglückliche Anleger zu sehen kriegen.“
„Solide europäische Unternehmen sind eine ganz andere Geschichte. Sie sind häufig sehr konservativ und sehr rentabel. Und wir können sie für einen sehr guten Preis bekommen.“