Der gewichtete Gleitende Durchschnitt
Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 26. März 2008 17:00 Uhr
ENL5462
Tom Firley
Letzte Woche fing ich in meinem Dienst Geldanlage-Strategie damit an, meinen Lesern die Technische Analyse etwas näher zu bringen.
Zunächst erläuterte ich Ihnen, wie Sie die Themengebiete Charttechnik und Technische Analyse einordnen können. Hier der Link: Technische Analyse
Danach haben wir die einfachen Gleitenden Durchschnitte abgehandelt: Gleitende Durchschnitte
Zum Beispiel wird ein 12-Tage-GD folgendermaßen ausgerechnet:
Summe der Schlusskurse der letzten 12 Tage geteilt durch 12 (also Anzahl der beoachteten Tage).
Analog wäre dann ein 52-Wochen-GD:
Summe der Schlusskurse der letzten 52 Wochen geteilt durch 52. Logisch.
So sind wir unserem eigentlichen Ziel, also den MACD zu „verstehen" ein gutes Stück näher gekommen. Bevor wir aber tatsächlich den MACD behandeln, müssen wir noch wichtige Varianten bzw. Berechnungsmethoden der Gleitenden Durchschnitte verinnerlichen.
Bislang haben wir den einfachen Gleitenden Durchschnitt betrachtet. Dieser wird auch linearer Durchschnitt genannt, da er jedem einzelnen Tag (bzw. Schlusskurs oder Zeitabschnitt) dasselbe Gewicht gibt. Das bedeutet logischerweise, dass z.B. in einer 256-Tage-GD-Betrachtung der erste Tag genauso wichtig ist wie der letzte oder der 128te oder der 212te Tag.
Der gewichtete Durchschnitt
Neben diesem einfachen, linearen GD gibt es noch den gewichteten und den exponentiellen. Heute betrachten wird den gewichteten:
Beim gewichteten GD wird jedem einzelnen Tag (bzw. Schlusskurs) ein Gewicht verliehen. In der Regel wird das Gewicht so verteilt, dass den aktuellen Kursen ein höheres Gewicht verliehen wird als den älteren. Nehmen wir wieder unser Kaffee-Tassen-Beispiel:
Angenommen Sie trinken innerhalb von 20 Tagen täglich folgende Mengen Kaffee:
1. Tag: 3 Tassen
2. Tag: 2 Tassen
3. Tag: 5 Tassen
An den weiteren Tagen jeweils: 8,4,1,4,3,8,5,6,7,9,6,8,5,4,8,7,6 Tassen
Der normale Durchschnitt wäre jetzt: Summe aller Tassen Wasser geteilt durch 20 Tage, also:
109 Tassen : 20 Tage = 5,45 Tassen täglich.
Wie sieht jetzt ein gewichteter Durchschnitt aus? In der Regel (bei Börsenkursen) wird dem jüngsten Tag (nicht Gericht...) das höchste Gewicht eingeräumt.
Achtung, jetzt gedanklich dabei bleiben:
Dieses Gewicht bezieht sich auf die Anzahl der beobachteten Tage, in diesem Fall also 20. Der jüngste Tag erhält dann ein Gewicht von 20, der zweitjüngste ein Gewicht von 19 etc... Der älteste Tag, also der vor 20 Tagen erhält dann ein Gewicht von 1. In unserer Kaffee-Formel sieht das so aus:
(3 Tassen mal 1) + (2 Tassen mal 2) + (5 Tassen mal 3) + (8 Tassen mal 4)....usw.....+ (7 Tassen mal 19) + (6 Tassen mal 20)
(Ich weiß, Herr Mathematik-Professor, ich kann die Klammern weglassen, aber so sieht es besser aus...).
Gleich haben wir´s geschafft...
Das ist die erste Hälfte der Rechnung, das Ergebnis ist 1270. Dieses Ergebnis muss jetzt geteilt werden, und zwar durch die Summe der „Gewichte", also in diesem Falle 1 + 2 + 3 .... usw. + 19 + 20. Die Summe der Gewichte ist in diesem Falle 210.
Zum Verständnis: Wenn Sie einen einfachen Durchschnitt berechnen, dann erhält jeder Tag das Gewicht von 1. Sie teilen dann zum Schluss bei diesem Beispiel einfach durch 20, also die Anzahl der Tage. Da sie aber einen gewichteten Durchschnitt berechnen, müssen Sie die oberen Faktoren (also 20, 19, 18 etc) schließlich wieder „bereinigen". Das Ergebnis im Beispiel sieht dann so aus:
1270 Tassen geteilt durch 210 = 6,04 Tassen.
Und jetzt erkennen Sie bereits den Unterschied zum einfachen Durchschnitt, der bei diesem Beispiel ja 5,45 Tassen ergab.
Was könnten Sie alleine aus diesem Verglich der beiden Durchschnitte schließen?
Da beim gewichteten Durchschnitt die letzten Tage ein höheres Gewicht erhalten und das Ergebnis über dem einfachen Durchschnitt liegt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie...
...in letzter Zeit mehr Kaffee getrunken haben als sonst üblich...
Plausibel? Gut. Ansonsten einfach bitte Fragen stellen oder einen Kommentar posten auf Geldanlage-Strategie.de
Morgen geht es weiter. Dann auch mal wieder mit ein paar Börsen-Charts. Dann dürfte das Ganze noch klarer werden. Gewichtete GDs werden in der Tat dann genutzt, um einen Durchschnitt „schneller" zu machen. Eine schnelle Bewegung in eine Richtung würde also bei einem gewichteten Durchschnitt in der Regel schneller zu einem Signal führen, als bei einem linearen.
Noch kurz zur aktuellen Börsenlage: Solange sich der Dax nicht über 6.500 Punkten halten kann, muss ich mich wiederholen: Abwarten, später zuschlagen.
Für Zocker (oder wenn es denn sein muss): Investitionen nur mit einem Zocker-Gedanken im Knopfloch eingehen. Siemens zum Beispiel könnte interessant aussehen, als Zock auf eine Gegenreaktion oder sogar mittelfristig hinsichtlich eines Gap-Closings.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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