Der Fortschritt auf einer Ranch in Argentinien
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. April 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Jorge und Maria, das Paar, das sich um unsere Ranch in Argentinien kümmert, und Vorarbeiter Francisco, hatten uns schon erwartet.
„Ach ja, die Flugzeuge sind in Argentinien nie zuverlässig. Also sind wir davon ausgegangen, dass ihr später kommen würdet“, erklärte Francisco.
Wir waren hocherfreut, das Haus verändert vorzufinden. Neue Fenster waren in die dicken Granitmauern eingesetzt worden. Neue Kacheln waren verlegt und bedeckten den Betonboden. Es gibt Badezimmer, Schlafzimmer, ein Esszimmer – alle im alten argentinischen Ranchstil gemacht, der es so aussehen lässt, als wären sie schon immer so gewesen. Es gibt Türen und Fenster, die aus dem lokalen, dunklen Holz gemacht sind. Die Wände sind weißgewaschen und auf den Böden liegen die roten „San Carlos“ Kacheln, die man hier in der Gegend überall findet.
Doch am erstaunlichsten waren die Lichter. Sie sind elektrisch, mit einem kalten, gespenstischen Schimmer.
„Die Ingenieure sind vor zwei Wochen aus Buenos Aires gekommen“, erzählte Jorge mir. „Sie haben das Solarstromsystem installiert. Es ist unglaublich. Ich hätte nie geglaubt, dass ich so lange leben würde, etwas so Ausgefeiltes noch zu erleben.“
Ach, liebe Leser. Wir sind hier dem Problem des Ölgipfels weit voraus. Hier, in der Mitte des Nirgendwo, habe ich eine Stromanlage eingebaut, die nicht einen einzigen Tropfen fossiler Brennstoffe braucht.
Die Lichter sind Leuchtdioden – eine energiearme Form von Licht, die nur die halbe Frequenz des Wechselstroms braucht. Deswegen sehen sie so seltsam aus. Der Strom kommt von einer Reihe von Sonnenkollektoren, die eine Reihe gewaltiger Batterien laden. Die Batterien werden in einem alten Werkzeugschuppen aus Lehmstein neben dem Haus aufbewahrt.
Dieses System liefert nicht genug Strom für ein Bügeleisen oder einen Geschirrspüler – dafür würde man einen Generator brauchen – aber es betreibt die Lampen, die Computer, die kleinen Geräte und die Pumpen.
Soweit ich das sagen kann, funktioniert das Stromsystem ziemlich gut – aber wir verwenden die Sonne auch für Wärme. Vor der Reihe der Sonnenkollektoren hinter dem Haus befindet sich eine Reihe von sonnenbetriebenen Wasserheizungen. Es sind Reihen von Glasleitungen, in denen sich schwarze Rohre befinden. Sie werden vertikal in einem Winkel von ungefähr 45 Grad aufgestellt und weisen nach Norden. Wir befinden uns in der südlichen Hemisphäre, also zieht die Sonne ihren Bogen über den Nordhimmel.
Jorge hat mir das System erklärt.
"Das Wasser kommt aus den Bergen. Es läuft in den Brunnen oben auf dem Hügel. Dann pumpt diese kleine Pumpe, die von den Sonnenkollektoren betrieben wird, das Wasser zum Wasserturm über den Sonnenkollektoren. Von dort aus läuft es in die sonnenbetriebene Wasserheizung. Eine Leitung – diese hier, die isoliert ist – führt es zu dieser Reihe von Heizelementen, und dann in den Lagertank. Eine andere kleine Pumpe zirkuliert das Wasser den ganzen Tag lang, so dass die Temperatur im Tank steigt. Auf diese Weise haben wir einen ganzen Tank heißes Wasser für den Abend.“
„Diese andere Reihe von Warmwasserbereitern ist das Heizsystem für das Haus. Diese Leitung bringt das Wasser vom Tank nach unten und lässt es durch diese Heizelemente zirkulieren. Dann geht das Wasser zum Haus, wo es durch Leitungen zirkuliert, die unter dem Beton verlegt sind. Das Wasser zirkuliert während des ganzen Tages und heizt den Beton auf, in der Nacht heizt dann der Fußboden das Haus.“
„Wie ich schon sagte, dass ist etwas, von dem ich nie glaubte, dass ich es noch erleben würde. Es ist so kompliziert und so modern.“
Es ist tatsächlich deutlich komplizierter als ich erwartet hatte. Es gibt Ventile, Leitungen und Kabel, die überall entlanglaufen. Natürlich, wenn das System ausfallen würde, dann wäre ich nicht in der Lage, viel dagegen zu tun. Doch theoretisch wird es nicht versagen, weil die einzelnen Komponenten alle ziemlich einfach sind. Und theoretisch wird sich dieses System, auch wenn ich 75.000 Dollar dafür bezahlt habe, irgendwann auszahlen. Theoretisch ist es eine fantastische Möglichkeit, die Wohltaten der modernen Zivilisation weit entfernt von einem Stromnetz nutzen zu können.
Doch in der Praxis hat das ganze einen entscheidenden Nachteil: Das heiße Wasser ist so kalt wie Eis.