Der Force-Index: Ein nützliches Maß für Kauf- / Verkaufsdruck
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 2. Juni 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ich möchte Ihnen heute anhand eines praktischen Beispiels den sog. Force-Index vorstellen (die Einführungsserie setze ich am Freitag fort).
Hierfür greife ich auf einen Trade zurück, den ich erst kürzlich in meinem Börsendienst "US-Options Extreme" durchführte.
Der Force-Index: Ein einfaches Maß, um den Kauf-/Verkaufsdruck anschaulich zu beurteilen
Stellen Sie wir uns die folgende Situation vor:
Sie freuen sich, da Sie endlich Ihren Tradingstil, der Ihnen völlig zusagt, gefunden haben. Sie möchten kurz- und mittelfristig Chartformationen handeln. Doch woher wissen Sie, welche Formation wie zuverlässig ist? Welcher Ausbruch taugt etwas und welcher wirkt eher schwach?
Ein ganz gutes Hilfsmittel kann in solch einem Fall der Force-Index darstellen.
Der Force-Index ist ein Indikator aus der technischen Analyse und gehört im erweiterten Sinn zur Gruppe der Oszillatoren. Eine wichtige Linie beim Index ist die Nullinie. Steht der Index über ihr, ist dies bullisch zu werten; steht er unter ihr, ist die Bewertung entsprechend bärisch.
Der Index setzt sich zusammen aus einer Kombination aus Preisveränderung, Preis und Volumen. Er wurde von Dr. Alexander Elder entwickelt und wird in der Regel über einen Gleitschnitt geglättet, da die Rohdaten recht extrem bzw. sprunghaft (und damit natürlich wenig hilfreich) ausfallen können.
Stellen wir der Theorie doch einmal ein wenig Praxis zur Veranschaulichung gegenüber:
Einsatzbeispiel für den Force-Index
Wie bei anderen Indikatoren auch, gibt es ebenso für den Force-Index zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und Tradingstrategien. Anstatt diese hier alle aufzulisten, möchte ich Ihnen lieber ein konkretes Beispiel, welches wir auch tatsächlich so in meinem Dienst "US-Options Extreme" tradeten, vorstellen.
Wir eröffneten den Trade am 25.05.2010 in der ersten Handelsstunde des US-Markts, also erst vor ein paar Tagen. Geschlossen wurde die Position bereits am 26.05.2010 und brachte schnellen Tradern in weniger als zwei Tagen ca. 45% Gewinn ein.
Hier die Ausgangssituation:
Abb.: Tageschart "Goldman Sachs"
Wenn Sie sich den obigen Chart ansehen, so fällt auf, dass der Force-Index seit der großen roten Kerze immer weiter stieg, während der Kurs von Goldman Sachs immer weiter fiel. In anderen Worten, hier entstand eine bullische Divergenz.
Eine bullische Divergenz alleine ist natürlich kein Grund für einen Kauf. In diesem Fall kamen aber zahlreiche weitere Faktoren zusammen, wie z.B.:
- Der Wall-Street-Sektor, welcher bei Bullenläufen im Markt in der Regel einer der Führungssektoren ist, war sehr stark überverkauft.
- Der Gesamtmarkt zeigte Überverkaufserscheinungen
- Zahlreiche technische Indikatoren begannen zu drehen
- Der Kurs von GS machte sich auf den Weg, den Abwärtskanal zu verlassen.
Da die Märkte immernoch eher schwach sind, ging ich von zunächst nicht viel mehr als einer Bewegung von 4%-6% aus, um den überverkauften Zustand von GS etwas abzubauen. Mittelfristig bestand bzw. besteht natürlich die Möglichkeit, dass durchaus noch etwas mehr möglich ist (aktuell jedoch bitte nicht mehr einsteigen), doch ich wollte es in dem Fall nicht darauf ankommen lassen, da wir bei "US-Options Extreme" relativ aggressiv in dem Fall vorgingen.
Da 4%-6% zwar ganz nett, doch nicht wirklich allzu spannend in solch einer Situation sind, entschied ich mich dafür, einen bullischen Call-Spread zu empfehlen.
In der Tat ging dieser dann auch sehr gut auf und bereits am gleichen Tag stieg die Aktie um knapp 4% an und setzte am Folgetag ihren Anstieg noch etwas fort, was wir dann auch gleich wieder zum Ausstieg nutzten, um den Gewinn zu sichern (derartige Spread-Trades sind hochriskant und theoretisch können Sie hier Ihren kompletten Einsatz verlieren. Daher lief der Trade bei "US-Options Extreme" auch unter einer Sonderkategorie. Bitte solche Dinge nur nachmachen, wenn Sie sich sehr sicher sind mit dem, was Sie tun).
Den Force-Index können Sie natürlich auf verschiedene Weise einsetzen (auch als Signalgeber für Ein- und Ausstiege im Trading). Ich selbst jedoch nutze ihn bevorzugt als Ergänzung zu anderen Indikatoren und Marktmodellen, die ich täglich verfolge.
Hierbei nimmt er neben zahlreichen weiteren Indikatoren einen Stammplatz ein.
Beste Grüße
P.S.:
Wenn Sie Lust haben, mal etwas völlig neues und spannendes im Bereich Trading auszuprobieren und auch ein wenig anfänglicher "Lernarbeit" und Umgewöhnung nicht abgeneigt sind, können Sie übrigens hier US-Options Extreme einmal testen. Vielleicht werden Sie ja dem Optionshandel letztlich genauso verfallen, wie ich seit Jahren? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden (bitte beachten Sie, dass Sie hierfür ein Mindestkapital von ca. $10,000 haben sollten, mit dem Sie traden)...
