Der Fokus auf die Inflation bestimmt die Märkte
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 11. Juni 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nun gibt es kein anderes Thema mehr als die Inflation. Immer heißer wird es, nicht nur in Europa und den USA, sondern weltweit. Das Thema Inflation steht nun bei fast allen auf der Agenda. Vom altgedienten Kampf der EZB gegen die Ausweitung der Inflation wissen wir ja schon, ebenso von der neuen Kampfansage der FED gegen die Inflation. Aber immer mehr ziehen jetzt nach, von Indonesien bis Kanada spürt man nämlich inzwischen die Auswirkungen der steigenden Teuerungsrate. Von Indonesien bis Kanada haben die Zentralbanken nun die Zinssenkungen aufgegeben. Manche, wie die Notenbanken Vietnams, Indonesiens, Chiles und Brasiliens haben bereits eine Anhebung vorgenommen. Für wieder andere wie Schweden und Norwegen wird eine baldige Anhebung erwartet.
Eines ist jedenfalls im Moment gewiss: die Inflation ist nun auch endlich offiziell da und wird weltweit als besorgniserregend eingestuft. Das bedeutet zumindest einmal das temporäre Ende der Zinssenkungen.
Ben und Jean-Claude sorgen für Verwirrung
Ja die zwei und ihre jeweiligen Mannen schaffen es auch nach den Geschehnissen der letzten Woche (sie erinnern sich: Ben beschließt den Kampf gegen die Inflation; USD geht rauf; Jean-Claude fällt Ben metaphorisch ins Wort und spricht von möglichen Zinsanhebungen; USD geht wieder runter) den Markt weiterhin zu verunsichern. Fast hat es den Anschein als würden die beiden nicht nur nicht miteinander kommunizieren, sondern als wetteiferten sie förmlich darum wer denn nun der bessere Inflations-Bekämpfer sei.
Obwohl zunächst Jean-Claude versuchte seinen Faux-Pas vom Donnerstag mit milderen Worten wieder etwas abzuschwächen und damit den EUR/USD wieder Richtung Süden schickte, wissen die Marktteilnehmer nach wie vor nicht so Recht woher oder wohin.
Während die einen heute davon ausgehen es bestünde eine höhere Chance für eine Zinsanhebung durch die EZB im Juli und EUR/USD heute zwischenzeitlich auf 1,5512 schickten, gehen die anderen davon aus, dass tatsächlich der FED der Kampf gegen die Inflation stärker am Herzen liegt und die FED spätestens am 5.August eine Zinsanhebung vornehmen wird. Damit schickten sie den USD auf ein Drei-Monats-Hoch gegenüber dem JPY bei 107,76. Tja auch die Risikobereitschaft der Anleger scheint wohl wieder zurückzukehren.
Im EUR/USD dagegen sieht es eher so aus als würden die gegensätzlichen Strömungen in Verbindung mit der gegenwärtig abnehmenden Liquidität (ja, wer will sich schon die Finger verbrennen wenn er nicht weiß wohin das geht) den EUR/USD zunächst mal stoisch irgendwo zwischen der 1,5450er und der 1,5500er Marke herum pendeln lassen.
Tja, bleibt noch das Beige-Book abzuwarten. Also abzuwarten ob die FED heute die erwarteten schwachen Wirtschaftsdaten präsentieren wird. Man sollte es eigentlich nicht annehmen, angesichts des dramatischen Wandels in der Politik der US-Zentralbank.
Allerdings bin ich inzwischen fast der Meinung, dass man von Zentralbankern alles erwarten darf, nur nicht das was zu erwarten wäre.
Es bleibt spannend, sollte das Beige-Book allerdings doch nur geringen Einfluss auf die USD-Entwicklung nehmen, könnte EUR/USD durchaus die 1,5425 noch austesten. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5489.