Der Firley-Indikator
Tom Firley in Investors Daily
vom 19. März 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
zunächst einmal Herzlichen Dank für die überwältigende Flut an Kommentaren zu meinem gestrigen Beitrag bzw. zu meiner Frage „Technische Analyse (bzw. Firley-Indikator) oder Marktbericht?". Die überwältigende Mehrheit hat sich für die Technische Analyse entschieden (na ja eigentlich will die Mehrheit jetzt den sagenumwobenen Firley-Indikator kennen lernen...).
Das habe ich in dieser Vehemenz nicht so erwartet... kann der Minderheit aber versprechen, dass wir natürlich auf die aktuellen Börsenereignisse zu sprechen kommen, wenn es sich lohnt.
Aktuell: Natürlich, für den Moment ist es interessant, dass der heutige Hexensabbat relativ friedlich verlief... aber das ist nächste Woche schon wieder Schnee von gestern. Auch wenn der Kurseinbruch ab 15.00 Uhr „gewaltig" aussieht. Unterm Strich hat der Dax heute 0,50 Prozent auf 5.982 Punkte. Der Kampf um die 6.000 muss gewonnen werden, das ist alles, was für die Bullen und - so gesehen - das kürzlich generierte Firley-Trendsignal zählt. Womit wir beim Thema wären:
Unvorsichtigerweise habe ich kürzlich eine meiner schmackhaften Börsenzutaten erwähnt, jetzt muss ich die Analyse-Suppe auch auslöffeln. Ich betone: Der erste Teil des gleich dargestellten Firley-Indikators ist ein (wenn auch großer) MOSAIK-Stein in meiner täglichen Börsenbetrachtung. Aber er ist keine renditelegende Wollmilchsau und auch keine Glaskugel für sichere Börsengewinne. Er ist... wie jeder Indikator... einfach nur ein bisschen Mathe. Let´s start.
Vorher noch eine „Aus dem Nähkästchen"-Klammer:
(Bevor ich soweit war, mit Technischen Indikatoren wirklich „arbeiten" zu können, wendete ich sie im Vorfeld einige zeitlang an... ohne wirklich zu wissen, was ich da tat. Das schreibe ich Ihnen mit ernsthafter Ehrlichkeit. Wie kann man jetzt Halbwissen in richtiges Wissen verwandeln? Richtig, indem man versucht, eine schwierige Materie zu erklären.
Daher schrieb ich eine umfangreiche Arbeit über Handelssysteme und Technische Indikatoren und zwang mich so gesehen selbst, wesentlich tiefer in diese faszinierende Materie einzusteigen. Mehrere Monate beschäftigte ich mich mit der wirklichen Aussage einiger bekannter Indikatoren und entwarf mein erstes Handelssystem.
Mit Backtesting, Optimierung, erneutem Backtesting, Handeln in Echtzeit, noch eine weitere Verfeinerung obendrauf, Verwerfen, Verzweiflung, erneuter Optimierung und wieder von vorne. Irgendwann kam ich dann drauf: Ein Handelssystem kann nur gute Hinweise geben, und in manchen Phasen auch gute Ergebnisse liefern. Aber es gibt KEIN System, welches nicht auch Fehlsignale liefert. „Gefühlt" war diese Erkenntnis vor nicht allzu langer Zeit. Real ist das Ganze jetzt über 12 Jahre her... eins, zwei, drei im Sauseschritt, es läuft die Zeit, wir laufen mit.
Aktuell behaupte ich die besten und erfahrensten Technischen Analysten bzw. Charttechniker Deutschlands mit Vornamen anzureden. Aber all diese Börsenchecker suchen - schon lange - nicht mehr nach dem optimalen Handelssystem, das es nicht gibt. Sie entwickeln sich selbst weiter, aber nicht mehr - oder kaum noch - das einmal für sich selbst oder auch für Leser zufrieden stellende System... So, bevor ich jetzt in weiteren Erinnerungen schwelge: Klammer zu.)
Wie Sie wissen beobachte ich stets den 256-Tage-GD (wie gestern dargestellt). Aber wie Sie nach dem gestrigen Beitrag ebenfalls wissen, hat dieser Gleitende Durchschnitt auch seine Schwächen. Daher stellte ich folgende Überlegung an:
Wäre es einerseits sinnvoll den aktuellen Kursen eine größere Bedeutung beizumessen und wäre es ebenso sinnvoll, die Bewegungen des 256-Tage-GD noch etwas mehr zu glätten?
Heraus kam dann in etwa so etwas:
Dax Chart mit Firley lang
Im unteren Chartteil sehen Sie den langfristigen Firley-Indikator als Histogramm. Die Interpretation ist ganz einfach. Kaufen, wenn der Indikator über Null liegt. Verkaufen (oder nichts tun), wenn der Indikator unter Null liegt.
Jetzt könnte ich ein Mega-Geheimnis daraus machen. Aber da diese Betrachtung tatsächlich nur ein Baustein meiner Analysen ist, verrate ich Ihnen die Einstellungen. Im weitesten Sinne ist dieser „lange" Indikator an den MACD angelehnt; nur mit völlig anderen Einstellungen. Das bedeutet:
Ich wollte die Kreuzungspunkte zwischen dem langfristigen 256-Tage-GD und dem 20-Tage-GD herausfiltern. Um den aktuellen Kurse eine größere Bedeutung einzuräumen, nahm ich für die Einstellung der Gleitenden Durchschnitte nicht die bekannte „einfache" Methode, sondern die „exponentielle". Wie Sie sehen: Schnittpunkte zwischen dem 256-Tage und dem 20-Tage-GD im oberen Chartteil stellen gleichzeitig Über- und Unterkreuzungen der Null-Linie im unteren Chartteil dar.
Wie Sie weiterhin erkennen, wurden die langfristigen Trends damit recht gut erwischt und auch die Warnhinweise vor der Baisse 2000 / 2003 respektive 2007 / 2008 waren recht „erfolgreich". Daneben wurden die Fehlsignale des einfachen 256-Tage-GD verringert. Aber dennoch: Mehr als eine grobe (wenn auch verbesserte) Trend-Erkennung oder gute Warnhinweise konnte auch diese Einstellung nicht liefern.
Hiermit wollen wir die Technische Analyse für heute abschließen. In der nächsten Woche beende ich die Darstellung dieses Indikators ab (das Allerspannendste, der „Firley kurz"-Indikator kommt zum Schluss...). Daneben werde ich mit einfachen Worten die wichtigsten Hilfsmittel der Technischen Analyse darzustellen versuchen.
Viel Erfolg an der Börse, ein schönes Wochenende wünscht
Ihr
Tom Firley
PS, für die ganz Neugierigen: Um die zu späten Signale im Firley lang etwas zu beschleunigen, habe ich (wie Sie schon vermutet haben) im Firley kurz einen Trigger als Signalgeber hinzugefügt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Specht (19.03. 2010 20:57 Uhr):
Moin, in meinem Chartprogramm Taipan 10 läuft der EMA256 im selben Zeitraum 1994 bis 2010 unter dem EMA20 und berührt ihn überhaupt nicht. Was ist nach Ihrer Meinung die Ursache für die Unstimmigkeit? Danke.
Antworten - Kommentar von Hans Christian Götte (20.03. 2010 12:21 Uhr):
Sehr geehrter Herr Firley, ich trage mich mit dem Gedanken E.ON zuzukaufen. Dabei versuche ich Ihre Hinweise zu beachten. Nun stellt sich heraus, das GD\'s und andere Indikatoren je nach Zeiträumen Intraday, 5 bzw. 10- Tage oder 3 Monate bei comdirect sowohl als Linien-Darstellung als auch bei Candlesticks zu unterschiedlichen Aussagen kommen. Gibt es für Sie so etwas wie Standardkriterien, was die Betrachtung von Zeiträumen und graphischen Darstellungen anbelangt? Vielleicht ist das auch ein Thema Ihrer nächsten Ausführungen oder aber ich habe es verpasst? Für Ihre Antwort im Voraus vielen Dank und herzliche Grüße von H.- Ch. Götte
Antworten - Kommentar von Inge (20.03. 2010 13:25 Uhr):
Hallo, liegt es an mir? Auf Ihrem Chart kann ich nur den GD 256 sehen!
Antworten - Kommentar von Roland Heinzel (21.03. 2010 18:06 Uhr):
Sehr geehrter Herr Firley, sehr gut durchdacht. Einen erfolgreiche Woche wünscht ihnen Roland Heinzel
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