Der Euro zeigt die Brisanz des Infekts
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. November 2011, 17:00 Uhr
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zum Fieberthermometer der weltweiten Schuldenkrise mutiert das Verhältnis vom Euro zum US-Dollar inzwischen: Steigt das Fieber in Europa, fällt das Verhältnis. Nachdem das Fieber zum Ende der vergangenen Woche etwas eingedämmt werden konnte, steigt es seit Montag wieder rapide, der Euro fällt. Die Märkte zeigen nach der ersten Erleichterung nun nur wenig Vertrauen, dass neue Regierungen die Probleme in Griechenland oder gar Italien schneller oder besser lösen könnten.
Italien als drittgrößter Schuldner der Welt zeigt uns eine neue Dimension in der Staatsschuldenkrise. Das Land ist zwar zu einem großen Teil bei den eigenen Bürgern verschuldet. Dennoch stellt es ein weitaus größeres Problem dar als Griechenland. Allein 2012 wird Italien rund 300 Mrd. EUR Schulden refinanzieren und 60 Mrd. EUR neue Kredite aufnehmen müssen. Auch Frankreich muss 240 Mrd. EUR refinanzieren. Woher soll das ganze Geld kommen, wenn immer mehr potentielle Gläubiger das Vertrauen in den Euro verlieren? Der EFSF wird ad absurdum geführt, falls seine Geberländer selbst immer mehr in die Schusslinie geraten.
0,01% Zinsanstieg kosten 1 Mrd. EUR!
Zwar konnte sich bei der gestrigen Versteigerung italienischer Staatsanleihen die Zeichnungsquote wieder auf 1,47 erholen, doch der erzielte Zinssatz von 6,29% liegt immer noch gefährlich nahe an der kritischen Schwelle von sieben Prozent, bei der Griechenland, Portugal und Irland gestützt werden mussten. Wie soll das weitergehen, wenn das erste Vorschussvertrauen in die neue italienische Führung ins Wanken geraten sollte? Die Financial Times hat berechnet, dass jeder zusätzliche Anstieg der Zinsen um 0,01 % den Staat langfristig rund 1 Mrd. EUR kosten wird! Das kann selbst Italien nicht schultern, ebenso wenig wie Spanien oder Frankreich. Dazu kommen dann noch schwache Banken, die angesichts der Verluste aus schwachen Anleihen in Zukunft möglicherweise gestützt werden müssen. So wies gestern die größte Bank Italiens, Unicredit, einen überraschend hohen Quartalsverlust von 10 Mrd. EUR aus. Grund: wieder einmal die griechischen Staatsanleihen.
Japans BIP wächst wieder
Eine erfreuliche Nachricht kam hingegen aus Japan: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal um annualisiert 6,0% so stark wie lange nicht mehr. Damit lag es sogar über der schon optimistischen Schätzung von 5,9%. Diese erfreuliche Sonderkonjunktur wird durch den Wiederaufbau nach Erdbeben und Tsunami erzeugt. So schrecklich diese Katastrophe für alle Beteiligten war, wird sie sich doch positiv auf die seit langem in der Deflationsspirale steckende japanische Wirtschaft auswirken. Gebraucht werden dafür natürlich wieder viele Rohstoffe, die Japan zum größten Teil aus dem Ausland importieren muss.