Der Euro notiert wieder schwächer
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Januar 2005 18:00 Uhr
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Ich hatte davor gewarnt, dass das erste Tief selten das letzte Tief ist. Der Euro ist heute erneut auf 1,305 runtergekommen, und verfehlte damit nur ganz knapp das Tief bei 1,302. Da mich ein Kollege gefragt hatte, was man tun solle, wenn das erste Tief nun doch das wirkliche Tief sei, hier die kurze Antwort: Nichts.
Da es in weit über 80 % aller Fälle zu einem tieferen Tief kommt, schaut man in den anderen Fällen einfach zu und ärgert sich nicht. Denn schließlich verliert man beim Zuschauen kein Geld. Das Geld verliert man nur, wenn man nicht abwartet und dann unglücklich ausgestoppt wird.
Grund für die erneute Stärke des Dollars waren die Zahlen gestern, die man kurzum mit katastrophal bezeichnen kann. Nach dem enormen Handelsbilanzdefizit stiegen die Kurse zunächst an, wie von mir erwartet. Doch gestern kam es dann knüppeldick: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA stiegen auf 367.000 und kamen somit wieder in den konjunkturkritischen Bereich von 400.000. Zudem wurde der Philly Fed von zuvor 29,6 auf 25,4 Punkte nach unten revidiert.
Als dann auch noch der Ölpreis anstieg, weil irgendwelche Investoren seltsamerweise davon ausgehen, dass der Wintereinbruch der USA zu Engpässen beim Öl führen könnte, blieb dem amerikanischen Markt nichts anderes übrig, als erst einmal theatralisch einzubrechen. Diese Investoren vergessen geflissentlich, dass der Frühling vor der Tür steht. Die zyklische Entwicklung des Ölpreis spricht ab Februar für fallende Kurse.
Allerdings kam der Einbruch der amerikanischen Indizes, wie so oft, nachdem die europäischen Märkte geschlossen hatten, damit hier ja keiner mehr aus dem Dax rauskommt. Danach brach dann der Dow um ganze 100 Punkte ein.
Wenn Sie nun denken, der Dax hätte diese Vorgaben umgesetzt, weit gefehlt. Er setzte sich frecherweise über all diese schlechten Nachrichten hinweg und notierte heute im weiteren Verlauf knapp im Plus! Beachtlich, besonders da heute noch viele Konjunkturdaten anstehen.
Unter anderem wurden die US-Erzeugerpreise veröffentlich. Diese sind um 0,7 % gesunken. Erwartet wurde ein Rückgang um 0,1 bis 0,2 % nach zuvor + 0,5 %.
Die Kernrate ist um 0,1 % geklettert. Erwartet wurde ein Plus von 0,2 % nach zuletzt + 0,2 %. Dieser Rückgang der Erzeugerpreise ist natürlich hauptsächlich auf den Rückgang der Energiepreise um 4 % zurückzuführen: So lagen zum Beispiel die Benzinpreise um 11,1 % (!) niedriger als im Vormonat. Die Nahrungsmittelpreise legten lediglich um 0,1 % zu.
So richtig bedrohliche Zahlen sind das nicht. Der Fed bleibt also noch Spielraum, die Zinsen niedrig zu lassen.
Auf Jahressicht lagen die Erzeugerpreise allerdings um 4,1 % höher, die Kernrate stieg um 2,2 %. Diese Zahlen erklären die Inflationsnervosität der US-Notenbanker, hängen allerdings auch mit den Energiekosten zusammen.
Zu den weiteren Konjunkturdaten, die heute veröffentlich wurden, mehr im übernächsten Abschnitt. Nun aber zunächst zu einem Gast-Kommentar von meinem Kollegen Michael Proffe mit einer interessanten Strategie.
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