Der dümmste Ratschlag, den ich je gehört habe
Jeff Clark (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 5. August 2010, 16:00 Uhr
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"Man muss jetzt einfach Aktien besitzen", sagt ein CNBC [bekannter US-Fernsehkanal, Anmerkung d. Ü.] Schwätzer nach dem anderen."Es gibt einfach zu viel Geld an der Seitenlinie und wenn dann die Aktien hochgehen, werden die Anleger den Druck spüren, auch dabei sein zu wollen. Das drückt natürlich die Preise noch weiter hoch."
Einen Augenblick bitte!
Ist das der beste Grund, mit dem diese Leute kommen, warum man Aktien kaufen sollte? Es ist nicht, weil Aktien billig sind (sind sie nicht) oder weil die Wachstumsraten hoch sind (sind sie nicht) oder weil das Geschäftsklima besonders ansprechend und vielversprechend ist (ist es nicht).
Nein, die Finanzmedien (hier CNBC) erzählen Ihnen, dass Sie Aktien kaufen sollen aufgrund der "größerer Idioten"-Theorie - der Hoffnung, dass ein noch größerer Idiot vorbeikommt und einem die Aktien zu einem noch höheren Preis abkaufen wird.
Das ist der dümmste Ratschlag, den ich je gehört habe.
Zunächst mal haben wir solches Gerede bereits viel zu oft im letztem Jahr gehört und die Aktienmärkte sind ungefähr dort, wo sie letzten Sommer waren. Aber na klar, der S&P 500 brach im April das 1,200er-Level. Dies war der Monat, in dem Investmentfonds ihre größten Mittelzuwächse des Jahres erfuhren. Es war aber auch der Monat, der dem 1,000-Punkte Flash Crash voranging.
So viel zur Stärke der Theorie des größeren Idioten.
Die Schwätzer in den Medien argumentieren darüber hinaus, dass es einfach nichts anderes für die Anleger gäbe, wo sie ihr Geld sinnvoll hinstecken könnten. Sie müssten einfach Aktien kaufen. Denn wer wird denn schon auf seinem 0%-Geldmarktfonds oder seinen 10-jährigen US-Staatsanleihen für 3% oder Unternehmensanleihen für 4.5% sitzen wollen?
Einen Moment bitte...
Zahlreiche Anleger sitzen nach wie vor auf ihren 0%-Geldmarktfonds seit zwei Jahren, andere kauften zahlreich 10-jährige Staatsanleihen für 3% und die Firmen in den USA hatten kein Problem damit, Milliarden an Schuldtiteln zu platzieren - und das zu den niedrigsten Zinsen seit zwei Jahrzehnten.
Mir scheint, dass wenn das Geld nicht bereits von den Seitenlinien kam, es jetzt auch nicht mehr von dort kommen wird.
Das Problem ist viel mehr, dass der durchschnittliche Investor der Wall Street aus guten Gründen einfach nicht mehr vertraut.
Es hat sich einfach herumgesprochen: Es ist ein gezinktes Spiel und die meisten Leute wollen dieses nicht mehr spielen.
Wer hat schon Lust gegen vollautomatisierte Hochfrequenz-Trading-Maschinen zu spielen, welche mit unfairen Mitteln und Vorteilen arbeiten, und gegen die dubiose Trading-Abteilung von Goldman Sachs, die nicht einen Verlusttag hatte, seit die Römer Griechenland eroberten?
Die Anleger nahmen bisher magere Ergebnisse dafür an, dass sie nicht schon wieder über den Tisch gezogen werden. Das wird sich wahrscheinlich so bald auch nicht einfach ändern.
Um den Durchschnittsanleger wieder in den Aktienmarkt zu locken, muss eine Sache geschehen: Aktien müssen weitaus billiger werden, als sie es bisher sind. Erst wenn das Profitpotential trotz des Ausblicks, von der Wall Street abgezockt und vom Staat durch höhere Steuern noch mehr ausgeplündert zu werden, attraktiv ist, wird sich hier wieder etwas in der breiten Masse tun.
Davon sind wir im Moment weit entfernt.
Beste Grüße und erfolgreiches Trading,
Jeff Clark
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Matula Erwin (05.08. 2010 17:04 Uhr):
Ich denke dass hier wohl NICHT der gesamte Aktienmarkt gemeint ist sondern vorwiegend Wallstreet und Daxtitel, denen man die Überteuerung eventuell nachsagen kann. Den Aktienmarkt generell so an zu prangern halte ich für ebenso unrichtig wie ihn als die heilige Kuh zu bezeichnen. Wer über den Tellerrand hinaussieht wird erkennen, dass sowohl auf den emerging markets wie auch im Rohstoff, - und Energiebereich genügend Kandidaten mit vernünftigen KGVs schlummern. Dies sollte einem Jeff Clark vor seinem , mit Verlaub "verallgemeinernden Geschreibsel" wohl bekannt genug gewesen sein um nicht ein so einseitig gefärbtes Statement los zu lassen L.G. Erwin
Antworten - Kommentar von andreas heinrich (07.08. 2010 22:53 Uhr):
Oh je, wie wahr wie wahr, dieser Artikel spricht mir aus der Seele!!! Es gibt so gut wie nichts mehr was mich noch zum realen investieren in Wertpapiere bewegen könnte; und ja, ich vertraue niemandem aus Politik oder wallstreet oder dergleichen... daran ändert sich auch nichts mehr, egal welche Partei oder welcher neue Ackermann daher kommen... Investieren tue ich nur noch in Dinge, die ich selbst bewege bzw kontrolliere. An der wallstreet mache ich nur noch beim zocken mit, solange ich noch den Vorteil des kleinen flexiblen Traders sehe; investieren kann man in eine kriminelle Vereinigung aber nicht, genau so wenig wie man in Geld anlegen kann sondern nur in Werten...
Antworten- Antwort von Dr Papp Ernoene Ungarn (09.08. 2010 11:59 Uhr):
Sehr geehrter Herr Jeff Clark, Was Sie über diea USA Börsen schreiben ist klar, und wahr. Trotzdem investieren einige Leute dort, denn es gibt doch immer gewinner im großen Maßstab. Also kann ich generell die Börsen nicht ausschließen. Man muss in solchen Zeiten sehr selektiv vorgehen. Und ich hätte da eine Frage an Sie: Halten Sie eine Investition in T-Bonds bei diesen Zinsen für sinnoll über einen längeren Zeitraum, als 3-6 Monate? Ich nicht. Diese Zinsen sind dermaßen mager, dass die Mühe sich gar nicht lohnt. Aber was kann man dann als Investor überhaupt noch kaufen? Was würden Sie vorschlagen für einen Zeitdauer von 5-10 Jahren? Ich meine generell, denn ich weiß, dass Sie keine kokrete Ratschläge hier geben dürfen. Mit freundlichen Grüßen:
- Antwort von Dr Papp Ernoene Ungarn (09.08. 2010 11:59 Uhr):
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