Der Dow steckt Schläge ein
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Februar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Am Dienstag gab es beim Dow einen großen Rückschlag… um 370 Punkte in den Keller. Auch Gold ist scharf eingebrochen… ein Minus von 19,10 Dollar auf 890 Dollar.
Alles fällt… sinkt… geht zurück… stirbt ab – Deflation… Deflation… Deflation… Was geht hier vor sich?
Ich habe zuletzt erklärt, dass der große Boom des letzten Vierteljahrhunderts für die Amerikaner eine Krise war. Ich habe auch erklärt, warum:
1. Weil die Amerikaner einen entscheidenden Fehler gemacht haben – in die Irre geführt von ihren eigenen Finanzbehörden… von den Asiatien, die ohne Rücksicht (in Dollar!) sparen… und von ihrem eigenen, fehlgeleiteten Glauben an den Kapitalismus.
Die Folge: Sie haben zu viel ausgegeben, zu viel geliehen, und zu wenig gespart.
2. Weil die Asiaten (und andere Ausländer) der Weltwirtschaft beigetreten sind. Mit Hilfe der modernen Kommunikation und der Regierungsprogramme, die dazu entwickelt wurden, den weltweiten Handel anzuregen, hat diese neue Quelle billiger Arbeitskräfte die Löhne in den USA nach unten getrieben.
Aber den wichtigsten Punkt habe ich bislang noch gar nicht erwähnt. Die Amerikaner haben die Natur des Kapitalismus selbst missverstanden. Der Kapitalismus ist kein „Wirtschaftssystem“ das die Leute automatisch reicher macht.
Es ist ein Moralsystem… ein System, das Tugend belohnt und Fehlverhalten bestraft. Man wird nicht wegen der freien Marktwirtschaft reicher.
Und wirklich, man kann auch, wie die Geschichte des letzten Vierteljahrhunderts zeigt, ärmer werden. Das Marktsystem liefert bloß den äußeren Rahmen innerhalb dessen man das bekommt, was man verdient hat.
Man kann reich werden – wenn man das richtige tut:
Hart arbeitet, sein Geld spart, Neuerungen einbringt, Gelegenheiten ergreift, auf Konsum verzichtet.
Tut man aber das Falsche… dann wird man auch dafür bezahlen.
Heute erhielt ich von einem Leser diese Nachricht:
„Meine Schwester und ihr Mann waren ein absolutes Erfolgspaar. Sie arbeitet in der Verwaltung einer staatlichen Einrichtung, mein Schwager war Ingenieur bei einem örtlichen Krenkraftwerk und machte mit ungefähr 46 einen Abschluss in Jura; er arbeitete und studierte parallel, pendelte über die Grenzen des Bundesstaates und die Folge war ein früher Herzinfarkt aufgrund von Stress und Rauchen.“
“Sie hatten ein schönes Haus mit fast 300 Quadratmetern und einem Pool, in Kirschholzoptik und die schicksten Autos. Nachdem sie ihr Haus verkauft hatten, um in ein Haus mit Meerblick (das sie vollständig entkernt hatten und in das sie dann noch 150.000 Dollar steckten) mussten sie feststellen, dass sie höher verschuldet waren, als ihr aktuelles Haus wert war.“
„Hier haben sie zwei Berufstätige mit hohen Abschlüssen, einer im Business, der andere im Ingenieurswesen und in Jura, die ihr gesamtes Leben gearbeitet und studiert haben, und die jetzt nichts dafür vorzuweisen haben.
Heute schulden sie mehr als sie als Gegenwert besitzen. Meine Schwester sagt darüber traurig, dass sie jetzt nicht mehr in der Lage sein wird, in den Ruhestand zu gehen. Sie ist 55 Jahre alt und hat hart gearbeitet. Sie ist jeden morgen um 5 Uhr aufgestanden, eine Stunde zur Arbeit gefahren. Ist für die Einrichtung gereist, hat fast jedes Wochenende gearbeitet, Fortbildungen besucht.
Jahre der Arbeit und sie hat… nichts… absolut nichts.“
Und das ist der Grund, warum es ein so großer Fehler ist, die Party weiter in Gang halten zu wollen. Warum sollte man die Leute dazu ermuntern, das Falsche zu tun? Warum sollte man die Bar noch länger geöffnet halten? Warum sollte man noch mehr Geld zur Verfügung stellen… und noch mehr Kredite… und noch größere Regierungsdefizite anlaufen lassen, nur damit es noch mehr Betrunkene gibt?
Es steigert die Zahl der Fehler nur noch weiter und noch mehr Leute suchen nach ihren Autoschlüsseln, wenn die Party schließlich doch zu Ende geht. Welchen Nutzen können weitere Verbraucherausgaben zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch haben? Noch mehr Schulden auf der Kreditkarte? Noch größere Häuser… höhere Hypotheken… noch mehr neue Häuser, die zum Verkauf stehen? Höhere Hauspreise? Höhere Aktienpreise?
Die Amerikaner leben schon heute weit über ihre Verhältnisse. Warum also noch mehr Anreiz? Wozu könnte es sie anregen, wenn nicht dazu, noch weiter über ihre Verhältnisse zu leben?
“Bill, du verstehst einfach nicht die Wunder der neuen Makroökonomie“, kommt die Antwort, „die Experten tun genau das, was sie tun sollten: Sie stecken noch mehr Kaufkraft in die Wirtschaft, um das zu verhindern, was wie ein zyklischer Abwärtstrend aussieht. Auf diese Weise werden sie in der Lage sein, einen ernsteren Konjunkturrückgang zu verhindern. Wir wollen doch nicht in die gleiche Falle tappen wie die Japaner, oder?“
Offenkundig sind die Volksvertreter Genies. Sie haben herausgefunden, wie man den Kapitalismus zügeln kann… wie man die Kehrseite umgehen kann… wie man Fehler auslöscht. Sie denken, dass sie Mr. Market von der Straße und aus den schlechten Wohngegenden gezogen haben. Sie denken, dass sie ihn heute hinter Schloss und Riegel haben… sie denken, er wird jetzt tun, was sie ihm sagen.
Heute müssen wir uns, dank geschickter Verwaltung, um Konjunkturrückgänge, Crashs und Rezessionen keine Sorgen mehr machen. Wenn die Amerikaner auch zuviel ausgeben… keine Sorge… die Volksvertreter werden ihnen einfach immer mehr Kredit und Geld geben… bis in alle Ewigkeit…Amen.
Mr. Market kann ein ganz angenehmer Geselle sein. Er macht bei einem guten Spaß mit… eine Zeitlang. Aber irgendwann wird er der Sache müde. Dann findet er eine Möglichkeit, auszubrechen. Jetzt sieht es so aus, als sei er gerade wieder auf freiem Fuß. Und er ist bewaffnet.
Der große Rückgang des Dow am vergangenen Dienstag war die Folge eines Berichts der Dienstleistungsindustrie. Die Verkaufszahlen fallen noch deutlicher als prognostiziert. Aber was soll man auch erwarten?
Der Kapitalismus belohnt Tugend und bestraft Fehlverhalten. Es war ganz deutlich ein Fehler, dass die Amerikaner (und Briten… und einige andere angelsächsische Stämme) so viel ausgegeben haben und so wenig gespart. Heute stecken sie dafür Schläge ein.
„GMAC berichten Verluste von 734 Millionen Dollar, weil die Hypotheken nicht bezahlt werden”, hieß es am Dienstag in den Nachrichten. Und jetzt gibt es im International Herald Tribune einen Beitrag auf der ersten Seite:
“Überprüfung der Realität: Die Amerikaner werden sparsam.”
Das ist die Geschichte, die wir im vergangenen Jahr verfolgt haben. Ohne Extrageld aus steigenden Hauspreisen, sitzen die Amerikaner fest. Sie haben keine Wahl. Sie müssen sich einschränken. Nicht einmal die Schecks vom großzügigen Uncle Sam werden einen Rückgang bei den Immobilien ausgleichen können.
Die Volksvertreter wissen vielleicht nicht, aus welcher Richtung der Wind weht, aber den Verbrauchern fallen die herumwehenden Plastiktüten zunehmend ins Auge. Sie können nicht anders als feststellen, dass sie einen Fehler gemacht haben. Jetzt fangen Sie an, diesen zu korrigieren.
Rechnen Sie mit fallenden Verbraucherausgaben… und steigenden Sparraten.