Der Dow Jones fällt ... die High Techs enttäuschen besonders ...
Investors Daily
vom 29. August 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Armer Ted Turner. Gestern konnte man sein Gesicht auf dem Cover der Herald Tribune sehen. Er sah traurig und gleichzeitig komisch aus. Die Schlagzeile: Er ist nicht mehr so reich, wie er einmal war.
Es ist nicht schwer zu erraten, warum. Dieser arme Mann war bei vielen großen Fusionen beteiligt ... Turner Broadcasting ging in Warner Bros. auf, diese dann in Time Warner und schließlich gab es den AOL/Time Warner Zusammenschluss.
Der AOL/Time Warner Merger war einer der brillantesten Unternehmens-Schachzüge aller Zeiten – und gleichzeitig einer der dümmsten. Für AOL war es sehr gut – auf dem Höhepunkt der Internet-Illusion erreichte der Marktwert der Gesellschaft unglaubliche Höhen. Aber was hat sich Time Warner bloß dabei gedacht? Diese Gesellschaft hatte Milliarden Dollar an realen Wertgegenständen – es hatte fast ein Jahrhundert gedauert, diese anzuhäufen. Was hat Time Warner zu erreichen gehofft – durch den Zusammenschluss unter Gleichen mit einem Internet-Portal?
Wer weiß?
Aber eine der zahlreichen charmanten Seiten der Götter des Marktes ist die Tatsache, dass sie nach unseren Schwächen Ausschau halten und uns dann eine kleine moralische Lektion erteilen. Gierig ... faul ... größenwahnsinnig ... halluzinierend ... Dumm ... ängstlich ... ignorant ... arrogant, was auch immer das Problem der Leute ist, die Götter des Marktes haben eine Lösung. Ja, diese Lösung ist teuer und schmerzhaft. Aber sie wirkt fast immer; Die betreffende Person wird zwar vielleicht ihren Fehler wiederholen wollen, aber sie hat nicht mehr das Geld dazu. Zum Beispiel jetzt gerade (und vergessen Sie nicht, wir spekulieren nur). Wir glauben, dass die Götter versuchen, naive Investoren zu ködern. Die Aktien haben in den letzten paar Wochen trotz der jüngsten Verluste per saldo zugelegt. Viele Zeitungen haben bereits begonnen, das Ende des Bärenmarktes zu verkünden. Jack Grubman, der ehemalige Star-Analyst, ist arbeitslos, und ehemalige Pennystocks wie Micro Strategy erleben eine Renaissance. Es gibt sogar wieder Berichte über gute US-Wirtschaftszahlen – der Auftragseingang bei dauerhaften Gütern lag im Juli über den Erwartungen. Das ermutigt den durchschnittlichen Investor wieder. Es geht wieder aufwärts; schnell kaufen, solange die Kurse noch unten sind.
Aber was ist das? Intel hat mitgeteilt, dass das dritte Quartal wahrscheinlich doch nicht so gut werden wird. Hewlett-Packard vermeldete zurückgehende Umsätze. Und Ciena, der Telekom-Infrastruktur-Wert aus Maryland, musste sogar einen Umsatzrückgang von 89 % gegenüber dem Vorjahr hinnehmen ... und einen Verlust von 160 Millionen Dollar im letzten Quartal.
Es sieht bei den High Techs eben nicht so rosig aus. Aber gerade die Technologie-Aktien waren es, die in den letzten zwei Wochen den Markt nach oben zogen – sie stiegen mehr als doppelt so stark wie der Durchschnitt. Den Investoren gefielen die letzten schlechten Nachrichten aus dem Tech-Sektor deshalb überhaupt nicht – kein Wunder, dass die Technologiebörse Nasdaq an den letzten zwei Tagen Verluste hinnehmen musste.