Der Dollar wird fallen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 23. September 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wenn Sie möglichst viel finanziellen Ausblick, Investmentratschläge und wirtschaftliche Theorie in ein paar Worten zusammenfassen müssten, was würden Sie sagen?
"Der Dollar wird fallen", ist meine Wahl. Ich dachte darüber Samstagabend nach, während einer Dinner Party für eine Gruppe von libanesischen und amerikanischen Freunden.
Der Dollar wird fallen, weil das internationale Währungssystem, das auf dem Dollar basiert, zum Scheitern verurteilt ist – das habe ich schon öfter an dieser Stelle erklärt.
Er wird fallen, weil es zu viele Dollar gibt, und zu viele auf Dollar lautende Kredite ... und weil sich die Amerikaner gegenüber dem Rest der Welt zu stark verschuldet haben.
Er wird fallen, weil die aktuelle Erholung ein Betrug ist. Und weil die US-Vermögensanlagen überbewertet sind. Und weil die asiatischen Vermögensanlagen eine bessere Anlage sind.
"Ich weiß nichts über die internationalen Finanzen", sagte Ibrahim, "aber ich weiß, dass derzeit in Amerika die Aktienkurse und Immobilienpreise steigen. Und das ist dort der Fall, wo sich eine Wirtschaft erholt. Und das ist der Ort, wo man investiert."
"In Amerika wissen sie, wie man diese Dinge managt", so Ibrahim weiter, als er über wirtschaftliche Abschwünge sprach. "In Europa tun sie überhaupt nichts. Aber in Amerika senken sie die Zinsen und so weiter ... und so kommt die Wirtschaft wieder in Schwung."
"Viel Glück", sagte ich.
Der Dollar fiel am Freitag und auch gestern; egal, ob gegenüber dem Euro oder gegenüber dem Gold. Ich weiß nicht, ob die Goldkäufer die raue See einer Inflation oder den Whirlpool einer Deflation antizipieren ... aber was sie nicht erwarten, ist ein problemloses geradeaus Segeln.
Und warum sollten sie das auch erwarten?
"Die Beschäftigtenzahlen stagnieren noch", so eine Schlagzeile aus Houston. Wie kann es eine Erholung geben, ohne einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen, wollen neugierige Köpfe wissen? Ich habe Ihnen die Antwort bereits gegeben, liebe(r) Leser(in). Ich habe sie für meine libanesischen Freunde wiederholt:
"Die Erholung ist ein Betrug", antwortete ich.
Die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals waren zum großen Teil mythisch oder falsch interpretiert. Die Hälfte des Zuwachses war den Militärausgaben zu verdanken, die die Leute ärmer machen, nicht reicher. Und weitere 38,4 Mrd. Dollar wurden als Ausgaben für Computer angeführt.
Zu schade, dass diese Ausgaben gar nicht existierten: "Die große Mehrheit der Computer-Investitionen hat gar nicht stattgefunden", erklärt ein Artikel in "U.S. News & World Report" (danke an Richard Russel an den Hinweis darauf). "Der Grund ist, dass Washington die Computer-Investitionen misst, indem berechnet wird, wie teuer es 1996 gewesen wäre, einen Computer mit dem heutigen Leistungsstandard zu kaufen. Von den 38,4 Mrd. Dollar Zuwachs bei Computer-Investitionen waren deshalb nur rund 6 Mrd. Dollar wirklich reale Ausgaben. Die anderen 32 Mrd. Dollar waren eine statistische Konstruktion – mit anderen Worten: Sie waren nicht real. Ohne diese Trickserei hätte das Wachstum des BIP nicht bei 3,1 %, sondern bei knapp 1,7 % gelegen – und der größte Teil dieses Zuwachses war den Verteidigungsausgaben zu verdanken. Die Entwicklung der Gewinne spricht die gleiche Sprache, denn diese sind gegenüber dem ersten Quartal um 31 Mrd. Dollar gefallen.
"Ich denke nicht, dass die Erholung ein Betrug ist", so Ibrahim, der keinen Boden preisgab. "Niedrigere Zinsen führen dazu, dass die Leute mehr Geld in ihren Taschen haben. Wir haben letztes Jahr für unser Haus zweimal die Hypotheken erhöht. Und der Wert des Hauses steigt weiter. Das ist großartig ..."
USA Today berichtet, dass der Boom am Hypothekenmarkt neuen Schwung bekommt. Die Hypothekenzinsen sind letzte Woche "so stark wie seit 8 Jahren nicht" gefallen, auf 6 %.
Nun ... zumindest die Dinner Party endete ohne Streit. Lange nach Mitternacht verabschiedete ich mich von meinen Gästen mit einer einzigen Prognose: "Der Dollar wird fallen".
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