Der Dollar kann gefährlich sein ...
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Ich setze meinen kleinen Rückblick auf die US-Wirtschaft in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende fort. Eines der bemerkenswertesten Merkmale der Super-Zuversicht der amerikanischen Konsumenten war, dass die Zuversicht im Ausland fast noch größer war: Die Ausländer schienen die amerikanische Volkswirtschaft fast noch mehr zu verehren, als die Amerikaner selbst das taten. Ohne dass sie dazu gezwungen wurden schickten die Europäer und Asiaten bereitwillig wertvolle Güter in die USA, und sie nahmen dafür grün bedrucktes Papier, genannt Dollar, an. Von all den bemerkenswerten Erfolgsgeschichten der Finanzgeschichte kommt keine an die des Dollars heran.
Zwischen 1997 und 2001 stieg das Gesamtvolumen der ausländischen Direktinvestitionen in den USA um fast 50 %, von 6,2 Billionen Dollar im Jahr 1997 auf rund 9,2 Billionen Dollar. Währenddessen betrugen die amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland im Jahr 2001 6,8 Billionen Dollar. Von allen Dollar-Noten, die im Umlauf waren, wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts überraschenderweise 80 % (schätzungsweise) im Ausland gehalten.
Aber was konnten die Ausländer mit all diesen Geldscheinen tun? Wenn die Handelsströme ausgeglichen gewesen wären, dann wären mit diesen Dollar die Waren bezahlt worden, die Amerika geliefert hätte. Aber im Lauf der Jahre stellte Amerika immer weniger her, was die Ausländer kaufen wollten. Das Handelsbilanzdefizit der USA vergrößerte sich von monatlich 29,5 Milliarden Dollar im Jahr 1991 auf 43,5 Milliarden Dollar im Jahr 2003 (Zahlen für März).
Da sie also nicht genug US-Waren kauften, um ihre Dollar loszuwerden, hatten die Ausländer immer noch Hunderte Milliarden von diesen in den Händen. Man hätte erwarten können, dass sie ihre Dollar auf dem freien Markt verkauft hätten. Wenn das der Fall gewesen wäre, dann wäre der Kurs des Dollar gefallen. Das ist der übliche Mechanismus, der die Handelsbilanzen hin zum Ausgleich bewegt. Denn ein niedrigerer Dollar würde die ausländischen Güter für Amerikaner teurer und die amerikanischen Güter für die Ausländer billiger machen. Das wahrscheinliche Resultat: Höhere Exporte aus den USA/niedrigere Importe in die USA aus Übersee.
Aber das passierte im Frühjahr 2003 nicht. Stattdessen nahmen die Ausländer ihre Dollar und investieren sie in US-Vermögensanlagen. Sie nutzten ihre überschüssigen Dollar, um damit in den USA Aktien, Anleihen, Immobilien und Unternehmen zu kaufen. Das spiegelte unglaubliches Vertrauen wider. Denn die Ausländer hatten ein doppeltes Risiko zu tragen. Nicht nur, dass der Preis oder Kurs dieser US-Vermögensanlagen fallen konnte – so waren zum Beispiel die Aktien an der Wall Street höher bewertet als an den meisten anderen ausländischen Märkten. Auch der Dollar konnte fallen, was zusätzliche Wechselkursverluste bedeutet hätte.
Vielleicht wussten sie das nicht. Vielleicht glaubten sie nicht daran. OB aus Ignoranz oder aus blindem Vertrauen – die ausländischen Investoren hielten mit ihren US-Vermögensanlagen eine Handgranate in der Hand – und zwar eine, bei der der Zündstift locker saß. Aber so groß war ihr Vertrauen, dass sie keine Angst hatten. Statt ihre Dollar-Investments zu verkaufen, kauften sie sogar noch mehr. (Später würden sie das bedauern: In den 12 Monaten bis zum 31. Januar 2003 verloren die europäischen Investoren, die Aktien des S&P 500 gekauft hatten, auf Euro-Basis 38 %).
Im Herbst 2002 arbeiteten die Ausländer fleißig und lieferten ihre Wahren in die USA, und sie nahmen die Dollar als Bezahlung an – rund 1,5 Milliarden Dollar pro Tag. Wenn man ihnen sagte, dass der Dollar fallen sollte, dann antworteten die Dollar-Bullen: Der Dollar sei keine typische Währung; er sei zur imperialen Währung geworden, die führende Marke der einzig verbliebenen Supermacht der Welt. Die Welt habe ein Niveau des Supervertrauens in die amerikanische Währung und in die US-Vermögensanlagen erreicht.
Basierend auf dem Super-Erfolg aller amerikanischen Institutionen – des Militärs, der Wall Street, der Fed, der Unternehmensführung, und der "der flexibelsten und dynamischsten Wirtschaft der Welt".
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
Investors Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 09. Februar 2012
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
alle AusgabenSicheres Geld Dynamik Depot
Ihr Tradingsystem für kurzfristige Gewinnchancen
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Sicheres Geld Dynamik Depot
Artikel weiterempfehlen