Der Dollar bricht nicht zusammen!
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 08. Juni 2006 16:00 Uhr
ENL5454
Ich habe mich im Laufe der Zeit immer wieder mit zahlreichen Experten über die Zukunft des Dollar unterhalten. Einige sagen den bevorstehenden Zusammenbruch des US-$ voraus. Während ich davon ausgehe, dass die Währung weiterhin schwach bleiben wird, sehe ich keine Gründe für einen drohenden Kollaps. Und zwar aus verschiedenen Gründen...
Einer davon ist der Erfolg der Notenbank, die kurzfristigen Zinsen zu erhöhen und so die Expansion der Geldmenge zu bremsen. Alleine das könnte den Dollar im Laufe des Jahres gegenüber anderen wichtigen ausländischen Währungen deutlich stärker machen.
Ein weiterer Grund: Der Dollar ist gegenüber dem Euro inzwischen stark unterbewertet. Jeder US-Bürger, der in letzter Zeit in Europa war, weiß, wie teuer der alte Kontinent inzwischen für Amerikaner ist. Kann es noch teurer werden? Vielleicht, aber der Dollar kann möglicherweise auch gegenüber den anderen Währungen deutlich zulegen.
Noch einmal: Big Mac Index
Der Big Mac Index ist wirklich ein guter Maßstab um zu zeigen, dass der Dollar inzwischen gegenüber einigen Währungen klar unterbewertet und anderen gegenüber klar zu teuer ist. Das Wirtschaftsmagazin Economist veröffentlicht den Index bereits seit 20 Jahren.
McDonalds verkauft seine Hamburger in 120 Ländern weltweit. Mit dem Preis für einen Big Mac kann man so die Kaufkraft und die Inflation in vielen Ländern messen. Zum Beispiel lag der durchschnittliche Preis eines Big Mac in den USA im Jahr 2004 bei drei US-$. Jetzt kostet er 3,10 US-$. Die Inflation ist also nicht allzu hoch. In Mexiko dagegen kostete der Big Mac im Jahr 2004 24 Pesos. Jetzt sind es 29 Pesos. Die Inflation liegt hier also deutlich höher. Sehen Sie sich den Index genauer an:
Mit dem Vergleich der Kaufkraft können Volkswirte durch die Aufstellung fester Wahrenkörbe bestimmen, wie Währungen im Verhältnis zueinander stehen.
Auf lange Sicht sollte der Warenkorb aus Gütern und Dienstleistungen in allen Ländern gleich viel kosten. Natürlich sieht die Realität anders aus. Beispielsweise wegen Handelsbeschränkungen, Importzöllen oder Steuern.
Zur Zeit kostet beispielsweise ein Big Mac in Europa 2,94 Euro. Das sind 3,77 US-$. Das heißt, der Euro ist gegenüber dem Dollar fast 25 Prozent überbewertet. In Großbritannien liegt der Preis bei 1,94 Pfund. Das sind 3,65 US-$.
Es zeigt sich aber auch, dass der Dollar gegenüber anderen Währungen überbewertet ist. Vor allem in Lateinamerika und China. In China kostet der Big Mac beispielsweise 10,5 Yuan. Das sind 1,31 US-$. In China bekommen Sie den billigsten Big Mac überhaupt auf der Welt. Russland liegt mit einem Preis von 1,77 US-$ auf Platz zwei. Es ist also nicht verwunderlich, dass so viele Experten von China verlangen, seine Währung aufzuwerten.