Der, der Geld zum sparen hat, soll es sparen
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 31. März 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Hier im Nordosten der USA weicht der Winter endlich. Dieses Jahr begann der März ziemlich kalt, aber er geht mild wie ein Schaf ... was die Versammlung von Schafen in der Gegend der Wall Street erklären könnte.
Während die Hirten ihre Schafe direkt in die Gefahr führen, blöken die Schafe wiederholt ...
Der Dow Jones und der Nasdaq haben seit Jahresbeginn per saldo verloren. Aber den Schafen ist das egal. Sie denken sich, dass es besser sei, gemeinsam geschlachtet zu werden, als alleine rum zu wandern.
Und jetzt ein bisschen Lesevergnügen ... mit diesem Beitrag von Dr. Marc Faber, der regelmäßig bei "Strategic Investment" schreibt:
"Er ist der Kopf einer monetären Autorität, die es nicht nur geschafft hat, eine Reihe von Spekulationsblasen in ihrer heimischen Volkswirtschaft zu kreieren, sondern auch sonst wo – beim neuseeländischen und australischen Dollar, bei den Schulden der Emerging Markets, bei US-Staatsanleihen, Rohstoffen, Aktien der Emerging Marktes und Investitionen in China."
"Lautet der Name des gesuchten Mannes: A) Alan Alda; B) Allen Iverson; C) Alan Abelson oder D) Alan Greenspan?"
"Die gesuchte Antwort ist natürlich D), Alan Greenspan. Die monetären (Machenschaften) von Mr. Greenspan kennzeichnen eine Errungenschaft, die niemand sonst in der Geschichte des Kapitalismus erreicht hat. Das ist auch eine Leistung, die die Investoren niemals vergessen werden, und die – sobald die kreditgefütterte, universale Spekulationsblase einmal geplatzt ist – ganze Kapitel von Finanzgeschichtsbüchern mit wirtschaftlichen und finanziellen Horrorgeschichten füllen wird."
"Ich tendierte zu der Ansicht", so Faber weiter, "dass einige Vermögensanlagen 2004 weiter im Wert steigen würden, während andere, so wie Anleihen, beginnen würden, in einen neuen längerfristigen Bärenmarkt zu fallen. Nach reiflicher Überlegung bin ich jetzt zunehmend überzeugt davon, dass irgendwann 'alles' entwirrt werden könnte. Wenn die Zinsen steigen, dann ist es möglich, dass Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien alle gleichzeitig an Wert verlieren werden."
"Wie ich bereits im Asien der 1990er festgestellt habe, war es nicht wichtig, dass man vor der Krise von 1997 voll investiert war – sondern es war wichtig, viel Cash zu haben, als die Werte der Finanzanlagen nach der Krise um 90 % gefallen waren und es unglaubliche Schnäppchen bei allen Anlageklassen gab."
Einen hohen Cash-Anteil zu haben, ist derzeit keine schlechte Position. Ich habe vor kurzem geschrieben: "Legendäre Investoren ertrinken regelrecht in Cash ... es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Topp-Fondsmanager derzeit einen Bargeldbestand von über 20 % haben, und sie sagen, dass sie kaum bis gar keine exzellenten Kaufmöglichkeiten sehen."
Erinnern Sie sich daran, liebe(r) Leser(in), dass Warren Buffett seine Milliarden dadurch verdient hat, dass er billig gekauft und teuer verkauft hat. Ist es da nicht aussagekräftig, dass Buffett – das Orakel von Omaha – derzeit fast keine kaufenswerten Titel findet? Ende 2003 hatte seine Anlagegesellschaft einen Cash-Anteil von 23 % – in den vorigen vier Jahren hatte diese Kennziffer noch im einstelligen Bereich gelegen.
"Wenn so viele respektierte Fondsmanager vorsichtig sind, dann macht es Sinn, auf die zu hören", so Greg Wolper vom Morningstar. "Selbst die größten Fondsmanager können nicht einheitlich die Richtung er Märkte voraussagen – und größtenteils versuchen sie es derzeit auch gar nicht. Aber derzeit sprechen ihre Aussagen – und Taten – Bände."
Der, der Geld zum sparen hat, soll es sparen.