Der Bund gegen den Bürger
Miriam Kraus in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 8. März 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Die Politik scheint den Bürger in der Regel für naiv zu halten...ich weiß, das ist eine recht böse Aussage, aber anders kann ich mir nicht erklären, warum die Politik so und nicht anders auf die aktuelle E10-Problematik reagiert.
Sie erinnern sich sicher, ich hatte bereits letzten Dienstag über das Thema geschrieben (Automobil-Deutsche im passiven Widerstand). Noch mal kurz zusammenfassend (obwohl Sie sicher alle Bescheid wissen, es sei denn, Sie sind nicht motorisiert und die aktuelle Debatte interessiert Sie nur periphär): E10 wurde eingeführt und der deutsche Bürger hat sich nun zum "Verbraucherboykott" entschlossen. Oder anders, die Mineralölkonzerne bleiben auf ihren vollen E10-Lagern sitzen.
Dementsprechend ist nun eine heiße politische Debatte los getreten worden (schließlich können Politiker ja auch nichts anderes, als ständig nur ungeheuer viel zu reden...hierbei muss ich jetzt unbedingt meinen Opa zitieren, der zu Politikern meistens nur eines zu sagen hat: wer viel redet, redet auch viel Mist!...;-)...kann ich voll unterschreiben...). Die Mineralölindustrie ist sauer, vor allem auf die Politik und eigentlich hat sie damit sogar Recht, denn schließlich ist es die Politik, die den Konzernen vorschreibt, was ins Benzin gemischt werden soll.
Benzin-Gipfel-Farce
Nun ja, da unser Umweltminister derzeit im Skiurlaub weilt, erbarmt sich nun der Wirtschaftsminister der Sache. Oder anders gesagt: Wirtschafts-Häuptling Brüderle hat einen guten Riecher dafür, sich rechtzeitig in Szene zu setzen. Jedenfalls hat er jetzt den Benzin-Gipfel einberufen. Resultat: na ja, noch keines...
Punkt ist und bleibt: die Politik will E10, also bleibt E10...
Allerdings gibt es auch einen Punkt über den sich so ziemlich alle einig sind: der naive und natürlich völlig uninformierte, dementsprechend selbstredend zu Übertreibung neigende Verbraucher muss dringend besser informiert werden. Oder vom Standpunkt der Politik aus betrachtet: es muss doch möglich sein, das verflixte Verbraucher-Würstchen dazu zu bewegen, sich endlich mehr Alkohol in den Tank zu kippen.
Und wer soll dafür verantwortlich sein, uns arme, unwissende Verbraucher endlich aufzuklären?
Nun ja, die Politik hat erst mal einen Schuldingen für die ganze Misere ausfindig gemacht: die ewig böse Mineralölindustrie, die anscheinend zu wenig für ihr E10-Werbebudget eingeplant hat. Derlei widert die Politik an, deshalb soll die Mineralölindustrie, zusammen mit den Autoherstellern nun für Aufklärungsarbeit sorgen.
Aufklärung
Aufklärung fordern auch die Verbraucherschützer und wollen, dass die Autohersteller eine verbindliche Garantie für ihre Modelle und deren E10-Verträglichkeit abgeben. Hernach soll dann das Kraftfahrt-Bundesamt alle Fahrzeughalter informieren.
Das dürfte aber schwierig werden, denn wer gibt schon gerne eine verbindliche Garantie für irgendetwas und vor allem für so etwas ab?!
Das mag aber auch daran liegen, dass E10 mehr oder weniger zwei Gesichter hat. Allgemein gilt, dass die meisten Motoren (mit Ausnahme der ewig genannten 10% der deutschen KFZs) eine Ethanol-Beimischung bis 10% (und sogar bis 30%) vertragen, ohne dass Modifikationen nötig sind. Damit ist aber noch nicht alles gesagt, denn abgesehen davon, dass bei E10 mit einem Mehrverbrauch in Höhe von 2% offiziell (der schweizerische TCS geht aber von einem Mehrverbrauch in Höhe von 3-5% aus) zu rechnen ist, führt die höhere Alkoholzufuhr auch zu steigenden Verschleiß-Erscheinungen.
Oder um es mal anders zu sagen: fahren können 90% aller Deutschen KFZ-Halter problemlos mit E10, ohne liegen zu bleiben....nur, das Auto geht eben früher kaputt....(macht ja nix, dann unterstützen wir wenigstens nachhaltig den Automobilmarkt...[triefende Ironie]....oder, wir warten, bis in 10 Jahren der Großteil der Bürger mit modifizierten Verbrennungsmotoren fährt...aber vielleicht ist das je auch gerade der große Masterplan der Politik: deutsche Bürger und Industrie dazu zu bringen, sich im Hau-Ruck-Verfahren umzustellen...was natürlich leider nicht ohne Kollateralschäden abläuft...).
So viel habe ich für heute zu dieser Thematik zu sagen. Im 2.Teil möchte ich Sie zu Wort kommen lassen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von kleidermann (08.03. 2011 20:14 Uhr):
sehr guter kommentar! leider sind die deutschen michels inzwischen so "vereinfacht" und fremdgesteuert, dass es einfach nur müde macht an sie zu glauben! der dressierte lemming. wenngleich ich schon staune, wenn das einzige, liebste blechkind an dem sich der durchschnitt aufrichtet, versucht sich krampfhaft zu identifizieren-darzustellen, (müde grins), alles schluckt. ähm schlucken lässt. welch imbezieler devotismus herrscht hier mttlerweile? erschreckend oder?
Antworten - Kommentar von Stemmerling (08.03. 2011 20:18 Uhr):
Laut den Aussagen der Politiker sind die Autofahrer daran Schuld das sich E 10 nicht verkauft, da sie nicht informiert sind. Ich für meine Person habe mich gründlich informiert und werde trotzdem kein E 10 tanken und zwar aus foldenden Gründen: 1. E 10 erhöht den Benzinverbrauch = höhere Umweltbelastung, 2. Zweckentfremdung von Agrarflächen und zusätzliche Waldrodung für den Anbau der für die Herstellung benötigten Rohstoffe. 3. Lebensmittelverknappung und damit verbundene Preissteigerung. 4. Viele Experten sind der Meinung das E 10 nicht umweltfreundlicher ist. 5. Warum gibt es keinen Bestandserhalt ( weiterhin E 5 im Angebot )? Die Mineralölkonzerne nutzen die Gunst der Stunde um E 5 vom Markt zu nehmen und das Super Plus ( oder wie es sonst auch immer heißen mag ) mit einem drastischen Preisaufschlag zu verkaufen. 6. Die Politiker hatten diesen Bestandsschutz versprochen aber nicht für dessen Einhaltung gesorgt. 7. In den letzten Tagen hat ein Politier ( den Namen habe ich mir leider nicht gemerkt, was auch nicht notwendig ist bei dem ständigen Wechsel unserer Politiker ) gesagt dass die EU die Enführung von E 10 nicht zwingend vorgeschrieben hat. 8. Wer bezahlt die Schäden die am Auto durch E 10 entstehen? Die Mineralölkonzerne oder die Regierung? Zusammengefaßt muß ich sagen das es richtig ist, dass die Mehrheit der Autofahrer sich gegen E 10 entschieden hat und wir sollten das auch dabei belassen und somit die Politiker und die Energiekonzerne dazu brinden das normale Super ( E 5 ) wieder überall zu einem normalen Preis ( wie vor der Einführung von E 10 ) anzubieten.
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