Der Brent-WTI-Spread in 2011
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. Januar 2012, 20:45 Uhr
ENL5454
Im 1.Teil haben wir gesehen, dass sich der Brent-Preis als deutlich weniger volatil erwiesen hat, als der WTI-Preis. Anstatt mit den Konjunktursorgen, WTI und den Aktienmärkten von April bis September einfach deutlich abzugeben und sich hernach einer Erholung hinzugeben, handelte das europäische Referenzöl stattdessen in einer Seitwärts-Range seit April vergangenen Jahres.
Dafür gibt es einen einfachen Grund:
Die Angebotsrisiken
Das vergangene Jahr wird wohl auch als das Jahr des "Arabischen Frühlings" in die Geschichte eingehen. Ausgehend von Ägypten, breiteten sich Demonstrationen, Proteste bis hin zum handfesten Bürgerkrieg in Libyen über die arabischen Staaten aus. Nun sind die arabischen Staaten aber auch die wichtigsten Rohölproduzenten der Welt und natürlich, wenn es dort zu Protesten kommt, dann bestehen auch Angebotsrisiken. Im Falle Libyens erwiesen sich diese auch als real, denn während der Bürgerkrieg tobte, floss auch kein Öl.
Der springende Punkt ist hierbei das Brent zum einen auch als Benchmark für verschiedene arabische Ölsorten gilt, viel wichtiger aber ist, dass vor dem Bürgerkrieg rund 90% der lybischen Ölproduktion nach Europa geflossen sind. Solch ein Ausfall muss sich zwangsläufig im europäischen Referenzöl bemerkbar machen.
Und das hat er auch getan, mit einem deutlichen Aufschlag von Brent gegenüber WTI-Öl:
WTI und Brent in USD/Barrel seit 2008
Quelle: CFX-Trader
In Pink habe ich hier den Brent-Preis markiert, in schwarz den WTI-Preis.
Hier können wir sehr schön sehen: was früher galt, gilt in 2011 nicht mehr.
Traditionell war der WTI-Preis in der Vergangenheit fast immer mit einem geringen Aufschlag gegenüber Brent versehen. In 2011 änderte sich dieses Verhältnis. Inzwischen ist Brent teurer als WTI - zeitweilig betrug die Preisdifferenz (der Spread) sogar fast 30 USD. Heißt: 1 Barrel Brent war zeitweilig 30 USD teurer als 1 Barrel WTI.
Erst seit Ende Oktober hat sich die starke Preisdifferenz wieder etwas eingeengt - doch Brent ist nach wie vor teurer als WTI (...und der nächste (Iran)Konflikt ist auch schon da...).
So long liebe Leser...so viel fürs Erste zum Rohöl-Jahresrückblick 2011...nächste Woche geht's weiter mit dem Ausblick für 2012...morgen gibt's an dieser Stelle die ersten neue Fortsetzung der Optionsstrategien-Reihe und am Freitag, wie immer, den Konjunkturdaten-Wochenrückblick...liebe Grüße..
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Rohöl in 2011
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