Der Bearmarkt geht weiter
Investors Daily
vom 09. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Am Donnerstag ging der Bärenmarkt weiter, der Dow Jones gab 141 Punkte ab, an der Technologiebörse Nasdaq ging es um fast 3 % bergab. Intel und Wal-Markt haben mitgeteilt, dass ihre Umsätze nicht die Planzahlen erreichen werden. Und das sind nicht die Nachrichten, die die Lust, Aktien zu kaufen, verstärken. Es bleibt schwer, Argumente zu finden, die für den Kauf von Aktien sprechen. Zumindest für den Kauf von relativ teuren Aktien aus dem S&P 500. Am Freitag gab es dann ja überraschend gute Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die Märkte schossen umgehend nach oben. Technische Korrektur oder mehr? Ich bleibe skeptisch. Sehen wir uns die Bewertungen an:
Obwohl der S&P 500 rund 43 % seit seinem Allzeithoch verloren hat, sind die in ihm enthaltenen Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich gut 30 immer noch recht hoch bewertet. Das schließt nicht aus, dass es vom jetzigen Niveau eine schöne, kleine Rallye geben kann, die Trader optimal ausnutzen könnten. Aber längerfristige Investoren? Wenn die jetzt einsteigen, ist das so, als ob man "fast frischen" Fisch isst oder "fast sauberes Wasser" trinkt. Es könnte sein, dass man nicht krank wird. Aber, das ist nicht wirklich das Ziel, oder? Während der grauenhafte Bärenmarkt im Aktienmarkt noch nicht beendet ist, geht der spektakuläre Bullenmarkt im Anleihenmarkt weiter. Unter anderem deshalb, weil Investoren, die einen Teil ihres Kapitals vom Aktienmarkt gerettet haben, dieses jetzt relativ sicher anlegen wollen. Und weil die Kurse der Anleihen steigen, fallen die Renditen. Und das sehr deutlich: Letzte Woche fiel die Rendite der 10-jährigen amerikanischen T-Bonds das erste Mal seit 39 Jahren unter die 4 %-Marke.
Eine Rendite von 4 % sieht zwar relativ bescheiden aus – aber immerhin ist kein Minuszeichen davor. Und was bescheiden für den Gläubiger aussieht, kann für den Schuldner sehr erfreulich aussehen. Deshalb ist es kein Wunder, dass besonders die Nachfrage nach Hypotheken boomt. Niedrige Zinsen und sehr leichte Kredit-Bewilligungen lassen den amerikanischen Immobilienmarkt weiter boomen.
Bei den Unternehmen ist das Bild differenzierter: Die niedrigen Zinsen bringen nicht allen US-Gesellschaften Vorteile. Viele Firmen, die am dringendsten Cash brauchen und die am meisten von den niedrigen Zinssätzen profitieren würden, bekommen einfach keine Kredite. Das Internetportal Breakingviews.com erklärt dies: "Die Anleihenkurse haben sich in den letzten Monaten relativ parallel zu den Immobilienpreisen entwickelt. Beide legen seit Wochen und Monaten zu. Aber bei den Anleihen achten die Investoren auf Qualität: Neue Bonds mit einem nur mittleren Rating werden von den Anlegern nur schleppend gekauft."