Der BDI und die Aktienbörsen

in DAX Daily zum Thema Baltic Dry Index
vom


der Baltic Dry Index befindet sich im freien Fall. Die Aussichten für die Frachtraten sind weiter düster. Die Aktienbörsen kümmert das momentan wenig. Hochmut kommt vor dem Fall?

 

Ich habe einmal die Entwicklung des Baltic Dry Index mit jener der Börsen der beiden weltgrößten Volkswirtschaften verglichen. Für die USA habe ich den S&P 500 ins Rennen geschickt. Für China den Shanghai Index (SSEC). Das Ergebnis ist erstaunlich.


 

Baltic Dry Index und wichtige Börsen im Wochenchart

 

Bis Anfang 2010 liefen beide Börsen quasi im Gleichklang mit dem BDI. Das galt sowohl für den Absturz im Jahr 2008, als auch für die danach folgende Erholung. Dann erfolgte eine bemerkenswerte Abkoppelung der US-Börsen von dieser Entwicklung, die sich Mitte 2010 verstärkte und bis heute anhält. Der Shanghai-Index läuft hingegen weiterhin ungefähr mit dem BDI mit.

 

Eine der Ursachen für die US-Abkoppelung könnten die Überkapazitäten im Frachtbereich sein. Aber warum läuft die chinesische Börse dann weiter mit und koppelt sich nicht auch ab? Zufall? Es scheint offensichtlich, dass die Abkoppelung der US-Börsen in etwa zu jenem Zeitpunkt stattfand, an dem die US-Notenbank den Markt über QE 2 mit Dollars flutete. Seitdem scheint sich an den US-Börsen eine Blase zu bilden, die nicht mehr viel mit der realwirtschaftlichen Entwicklung zu tun hat (Beispiel: die US-Unternehmensgewinne sind heute niedriger als zu den besten Zeiten in 2010, die Aktienkurse deutlich höher). Nicht umsonst ist dieser Markt auch im historischen Vergleich sehr hoch bewertet. Nicht zufällig haben seine Stimmungsindikatoren wieder Mehrjahreshochs erreicht.

 

Die chinesische Geldpolitik war in letzter Zeit restriktiver. Zusätzlich hat sich das Wachstum in China abgekühlt. Und die chinesische Wirtschaft ist stärker vom Welthandel abhängig als die eher dienstleistungsorientierte US-Wirtschaft. Unser DAX (nicht im Chart enthalten) sitzt übrigens genau zwischen beiden Stühlen. Er scheint noch nicht so recht zu wissen, ob er sich mehr an China oder den USA orientieren soll.

 

Ausblick: Der BDI signalisiert derzeit keine Bodenbildung, sondern einen weiteren Absturz. Da die chinesischen Börsen sind enger an den BDI gekoppelt. Sie könnten daher weiter fallen. Der ungewöhnlich drastische Einbruch des BDI kann auch ein Zeichen dafür sein, dass sich China stärker aus dem Welthandel zurückzieht, als allgemein angenommen wird. Was wiederum Rückschlüsse auf das chinesische Wachstum zulässt.

 

Sicher nicht ganz zufällig warnt die Weltbank in ihrer jüngsten Wirtschaftsprognose vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer vor den Konsequenzen einer stagnierenden Weltwirtschaft. Allen voran die Krise in der Euro-Zone sei gefährlich - die Region befinde sich bereits in einer Rezession.

 

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich ausgerechnet der überschuldete Westen mit seinen durch ungedeckte „Garantien" und „Rettungspakete" zugekleisterten Problemen von den fundamental stärkeren und jüngeren Emerging Markets abkoppeln wird und fröhlich weiter wächst. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Einen Konjunktur-Einbruch bei der größten Volkswirtschaft der Welt etwa (seit 2011 ist das China) wird sowohl für die USA oder auch das stark export- und handelsorientierte Deutschland nicht folgenlos bleiben. Sollte die Korrelation des Baltic Dry Index auch mit den westlichen Aktienmärkten wieder stärker werden, dann wäre ein dramatischer Einbruch im Jahresverlauf zu befürchten.

 

 

von
Henrik Voigt
Henrik Voigt

Fundierte Börsen-Erfahrung und Wissen erarbeitet sich Henrik Voigt durch eisernes Training und tägliche Praxis als Profi-Trader. Profitieren auch Sie davon.

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Kommentar von Pehnelt

Guten Tag Herr Voigt, ich hatte in den letzten Wochen des Jahres 2011 Ihren Brief getestet und lese schon seit längerer Zeit Ihren Dax Daily. Dieser immer und immer gleiche pessimistische Grundton gefällt mir leider überhaupt nicht und hat mir nun auch schon etliches an Verlusten eingebracht. Bei 5100 im Dax schrieben Sie etwas von 3.600 - 3800. Das kann ja alles noch kommen, aber die Zwischenerholung bis heute bei 6600, also schon etwas über die großen und harten Widerstände von 6300 - 6500 im ersten Anlauf? Von 5100 bis 6600 = 1500 Punkte, also fast 30% in fast einem Zug, da hätte man Geld verdienen können und nicht immer nur negatives schreiben und viele Leute verunsichern, sondern auch eine mögliche Zwischenerholung beherzt nutzen, das wäre eine klasse Beratung. Ich hoffe, dass sich Ihre baerische Grundtendenz bei Erholungsphasen auch einmal positiv zeigt. Ich werde es im Dax Daily verfolgen. Viel Erfolg beim "flexibler" werden. Andreas Pehnelt

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