Der Autoabsatz boomte 2011 – die Ölnachfrage 2012 ebenfalls?
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 6. Januar 2012, 17:00 Uhr
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Natürlich hängt der Ölpreis nicht nur vom verfügbaren Angebot ab, sondern wird ebenfalls durch die Nachfrage, also den Verbrauch beeinflusst. Die Anzahl der Fahrzeuge weltweit mit einem Verbrennungsmotor steigt immer noch stark an, gerade erst wurden neue Rekordabsatzzahlen der Autoindustrie für 2011 vermeldet. In den meisten Gegenden außerhalb großer Städte bieten Elektroautos oder andere alternative Antriebe bisher keine wirkliche Alternative, denn neben interessanten neuen Modellen lässt auch noch die Infrastruktur stark zu wünschen übrig. Für die Großverbraucher in Industrie und Bergbau gibt es in den meisten Ländern noch weniger Alternativen zu deren gigantischen Spritschluckern.
Rezessionen bedingen einen sinkenden Energieverbrauch
Prinzipiell sinkt in einer Rezession der Energieverbrauch aufgrund zurückgehender Nachfrage aus der Wirtschaft und von Arbeitnehmern. Doch wenn aus der befürchteten großen Rezession oder gar weltweiten Depression nur eine Wirtschaftsdelle werden sollte? Dann kann die Nachfrage bei zusätzlich künstlicher Knappheit von Energie schnell das Angebot übersteigen. Die oben erwähnten explodierenden Ölpreise könnten dann die Folge eines Embargos werden, was wiederum die sich gerade erst leicht erholende Wirtschaft stark belasten würde. Ganz besonders betroffen wären von einem Embargo übrigens gerade die eh schon gebeutelten Südeuropäer, die relativ große Mengen ihres Rohöls aus dem Iran beziehen.
Zu einem Ausbruchsszenario passen die relativ neutralen Positionierungen der Händlergruppen am WTI-Ölmarkt. In obiger Grafik von Wellenreiter-Invest erkennen Sie die geringen Shortquoten der Commercials in blau, also der kommerziellen Marktteilnehmer. Diese sind für gewöhnlich am besten informiert und sichern erwartete größere Ausschläge ab. Während sie im März 2011 noch große Shortquoten besaßen, sind diese inzwischen auf nur noch 194.291 Kontrakte gesunken. Wenn der saisonal eher schwache Jahresanfang für das Öl im Februar endet und inzwischen auch noch einige kleine Spekulanten durch Konjunkturängste abgeschüttelt werden sollten, kann ich mir im späteren Frühjahr also gut einen Ausbruch nach oben vorstellen.
Der Ölpreis könnte 2012 überraschen
Ich rechne insgesamt 2012 also mit sehr volatilen Entwicklungen im Ölpreis, getrieben jeweils aktuell von Sorgen um die Wirtschaftslage oder Ängsten um eine zu knappe Versorgung, die vor allem im zweiten Halbjahr zunehmen könnten. Interessant für Sie ist damit eine Investition in moderne Bohr- und Zulieferbetriebe für die Energiewirtschaft mehr als direkt in die Ölunternehmen. Bei diesen empfehlen sich nur einzelne besonders wachstumsstarke Juniors, während die Technik von allen benötigt wird und damit weiter vom (immer teureren) Ausbau der Produktion profitieren kann.
Herzliche Grüße, ein ruhiges (in glücklicheren Bundesländern sogar verlängertes) Winterwochenende wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer