Der Aufstieg der Konsumgesellschaft
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In den USA gibt es eine geburtenstarke Generation, die dem Rentenalter immer näher rückt. Es ist die Generation der "Babyboomer", oder kurz "Boomer". Diese Generation hat sich im Lauf der Jahrzehnte ziemlich verändert. Ein bisschen erinnert sie an die deutsche Generation der "68er". Mit den 1980ern kamen das Familienleben, der mittlere Lebensabschnitt und ein Verlangen nach materiellen Dingen, denen sie bisher abgeschworen hatten. "Es war an der Zeit", erinnert sich Todd Gitlin, "um geradeheraus vom Marihuana zum Weißwein und von den hippen Kommunen zu den Sommern in Cape Cod zu gelangen." Die Boomergeneration "konnte nicht ewig in einem animierten Schwebezustand verharren", so Strauss und Hall. Kurz, die Boomer begannen, massiv nach Konsum und Karriere zu streben.
Am 25. März 1984 erklärte die New York Times jenes Jahr zum "Jahr des Yuppies." Die Yuppies (Young Urban Professionals) fingen an zu heiraten und bekamen Kinder. Das wurde richtig hip. "Verschobene Freuden waren ganz plötzlich in Mode", bemerkte das Wall Street Journal Mitte des Jahrzehnts.
Es gab da aber ein Problem. Die Generation, die es bisher vermocht hatte, durch ihre schiere Anzahl alles in ihrem Sinne zu bekommen, hatte auf einmal einige Faktoren gegen sich. In den 1980ern drückten die vielen Boomer, die auf den Arbeitsmarkt strömten, die Gehälter nach unten. "Amerika wurde überschwemmt von Moden, Diäten und Witzen über Perrier trinkende Verräter, die beschäftigt waren mit Dingen, die Newsweek als 'transzendentale Übernahmen' beschrieb." Doch es war das erste Mal in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, dass es einer Generation nicht gelang, den Lebensstandard ihrer Eltern zu erreichen – geschweige denn, ihn zu übertreffen.
In den 1980ern waren die Boomer nun in ihrer mittleren Lebensphase und sollten eigentlich Ersparnisse für ihre Pensionierung anlegen. Stattdessen häuften sie aber zunehmend Schulden an. Betrachtet man das Bild ihrer Realeinkommen, so erwies sich die Attraktivität von Krediten als zu stark, um ihnen widerstehen zu können. Die Kreditkartenfirma Amex warb mit den "Privilegien einer Mitgliedschaft." Und die Boomer unterschrieben in Massen. Nach den Angaben der amerikanischen Bundesbank von 1999 haben mehr als 42 % der Baby Boomer im Durchschnitt Kreditkartenschulden von 11.616 DOLLAR.
Sie verschuldeten sich massenweise. Und sie behielten ihr Ausgabeverhalten bis weit in die Neunziger bei: Auflaufende Kreditkartenschulden und hohe Hypotheken waren die Folge. Anstatt es zu sparen, gab der durchschnittliche Boomer sein Geld aus. Diese Ausgaben – multipliziert mit Millionen von Konsumenten – hatten einen bemerkenswerten Effekt: die gesamte Wirtschaft wurde bald von Krediten, Geländewagen und Werksverkäufen überschwemmt. Die Natur der Wirtschaft wechselte über die Lebensspanne der Boomergeneration hinweg schrittweise ihren Fokus von der Produktion zum Konsum. Am Ende der Neunziger wurde der Trend grotesk: Dem Wert eines DOLLAR Bruttosozialprodukt standen 4,8 Dollar an Kredit und Schulden gegenüber.
Was braucht man, um Wohlstand zu schaffen? Zeit. Arbeit. Vorstellungskraft. Fähigkeiten. Geduld. Statt jede daherkommende Münze einfach auszugeben, ist es notwendig, einige zu sparen, um sie in Kapitalverbesserungen zu investieren – z.B. in neue Maschinen –, damit mehr Wohlstand geschaffen werden kann. Aber hier war eine Generation am Werk, bei der die hart erarbeitete Tradition der Vergangenheit verloren gegangen ist. Sie hatten keine Geduld, um zu sparen oder zu investieren.