Der Anteil der Spekulanten am Reismarkt
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 28. Mai 2008 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
in der Hoffnung, dass ich Sie mit dem Thema der Spekulanten im Reismarkt und meinem diesbezüglichen Bedürfnis ein wenig mehr Aufklärung zu betreiben oder besser gesagt Hintergrundwissen zu erarbeiten, inzwischen noch nicht langweile, geht es heute folglich weiter.
Nachdem selbst Bundespräsident Köhler in einem Stern-Interview den Spekulanten nun zumindest einen Teil der Schuld an der Reiskrise in die Schuhe schob, möchte ich heute anhand einer Grafik demonstrieren, dass tatsächlich der Anteil der spekulativen Positionen im Reismarkt seit 2006 gar nicht zugenommen hat. Diese Grafik finden Sie im zweiten Teil des heutigen Dailys. Dieser Grafik können Sie entnehmen, dass sich das Verhältnis von Spekulanten und Commercials gegenwärtig auf dem Niveau vom dritten Quartal des Jahres 2006 befindet. Und wie Sie sich erinnern mögen betrug damals der Preis pro Zentner Rough Rice an der CBOT gerade einmal knapp über 9 USD.
Tatsächlich ist Reis aufgrund der Enge dieses Marktes keines der durchweg mit großer Aufmerksamkeit bedachten Agrarrohstoffe, wie etwa Mais oder Weizen. Das ist auch der Grund dafür, dass Finanzprodukte auf Reis, wie ein Zertifikat im Verhältnis erst sehr spät lanciert worden sind und ich noch in den Rohstoff-Dailies vom vergangenen Jahr in Bezug auf Reis von einem unbeachteten Agrarrohstoff mit starkem Potenzial schrieb.
Zwar wurden dann Ende des vergangenen Jahres ein paar mehr Long-Positionen aufgebaut, doch diese übertrafen noch immer nicht das Niveau von Mitte 2006.
Reis entspricht einfach nicht den Agrarrohstoffen, die wie Weizen in großem Stil von den Spekulanten und Hedge-Fonds gehandelt werden.
Reis ist in den etablierten Rohstoffindizes eher untergewichtet
Dies ist vermutlich auch der Grund weshalb Reis tatsächlich nur in einem der etablierten Rohstoffindizes überhaupt vertreten ist. Jim Rogers RICI-Index enthält Rough Rice mit einer Gewichtung von 0,5 %.
Was ich Ihnen damit sagen will? Nun, der massive Kapitalzufluss in die Rohstoffmärkte und vor allem auch in die Agrarrohstoffmärkte seit Beginn dieses Jahres bezieht sich zwar auf die gängigen in den Indizes vertretenen Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Sojabohnen aber im Verhältnis nur gering auf Reis.
Gerade dieser Umstand machte den Reis unter fundamentaler Bewertung der Angebotslage im letzten Jahr in meinen Augen auch so unheimlich interessant. Anders herum dürften sich die Verluste nun in der Korrekturphase aufgrund des geringeren Anteils an spekulativem Kapital im Vergleich zu Weizen als moderater erweisen.