Der Anschlag in Al Chobar – ein erster Schritt in eine Weltwirtschaftskrise?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 01. Juni 2004 18:00 Uhr
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Der Anschlag in Al Chobar ist ein weiteres Indiz dafür, dass die EL-Kaida ganz gezielt versucht, Saudi Arabien zu destabilisieren. Etwas, dass unter keinen Umständen passieren darf, denn die Folgen davon wären sicherlich katastrophal. Die Ölvorkommen in Saudi Arabien gelten als die größten Vorkommen dieser Welt. Sollte dieses Öl, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr dem Weltmarkt zur Verfügung stehen, dann wird der Ölpreis in kaum auszumachende Höhen schnellen. Die Weltwirtschaft würde in Folge in eine tiefe und nachhaltige Rezession fallen.
In der Rückschau hat der Irak-Krieg die Situation im mittleren und nahen Osten eigentlich nur noch wesentlich verschlimmert und die Position der El-Kaida gleichzeitig maßgeblich gestärkt. Die ersten Ansätze eine Destabilisierung in der Region sind klar zu erkennen. Die Gefahr eines ausufernden Fundamentalismus ist nicht mehr zu leugnen. Zwar ist es im Nachhinein immer leichter, eine Situation zu beurteilen, aber offenbar hat die Bush-Administration ihre (zumindest offiziellen) Ziele deutlich verfehlt. Lediglich aus strategischer Sicht hat sich die Position der USA durch den Einmarsch in den Irak verbessert. Aber das dürfte die negativen Aspekte kaum aufwiegen.
Die Sorgen vor weiteren Anschlägen und der Situation in Saudi Arabien treiben heute den Ölpreis wieder in die Höhe. Höher Ölpreis gleich fallende Märkte und so notiert der Dax erst einmal deutlich im Minus.
Der neuerliche Anstieg passt natürlich zu dem aktuell in Bonn stattfindenden Weltkongresses zum Thema "Erneuerbare Energien". Angesichts des hohen Ölpreises und der geopolitischen Unsicherheit hat dieses Thema gerade jetzt eine besondere Brisanz. Man darf gespannt sein, ob auf diesem Weltkongress vielleicht neue Weichen gestellt werden.
Und genau das ist es, wovor die Ölmultis eigentlich Angst haben sollten. Die hohen Ölpreise führen dazu, dass weltweit immer mehr über Alternativen zum Öl nachgedacht wird. So rechne ich damit, dass die Opec am Donnerstag deutliche Worte findet.
Wesentlich direkter wirkt sich der hohe Ölpreis auf den PKW-Bereich aus. So sind schon jetzt umweltschonende Dieselfahrzeuge gefragter den je. Da verwundert es nicht, wenn man bereits die Schlagzeilen lesen konnte, wie: Der Benziner – vom Aussterben bedroht?
Doch was bleibt einem Familienvater, der vielleicht auch noch zur Arbeit pendeln muss, anderes übrig, angesichts der hohen Benzinpreise – er muss auf den Verbrauch achten. Etwas zeitversetzt wird die Automobilindustrie auf diesen Bedarf reagieren. Eine Entwicklung, die vielleicht etwas verschlafen wurde. Das hat natürlich den Hintergrund, dass durch die Spanne von 22–28 Dollar, die die Opec festgelegt hatte, der Öl und Benzinverbrauch in den letzten Jahren kein wirkliches Thema mehr darstellte.
Dieser neuerlicher Ölpreisanstieg sollte uns warnen. Denn wenn Chinas-Verbrauch weiter steigt, die geopolitischen Unsicherheiten weiter bestehen bleiben oder sich sogar verschärfen (und danach sieht es ja aus) dann sollten wir uns langfristig auf hohe Ölpreise einstellen.
Eine kleine Rechnung dazu: Für den Verbraucher macht es keinen Unterschied, ob ein Auto früher 10 Liter für 50 Cent oder heute 4 Liter für 1,20 Euro verbraucht.
Zum Markt:
Der Dax hat bisher den nachhaltigen Bruch der 3925er Marke nicht geschafft. Deutlich konnte man erkennen, dass sich der Dax an dieser Marke festgebissen hatte. Nun startet die Konsolidierung. Bedenken sollte man, dass politische Börsen kurze Börsen sind, dieser Anschlag könnte also schnell vergessen werden. Die Opec-Konferenz wird bald die neue Richtung für den Ölpreis vorgeben.
Kaum hat der Markt mittlerweile verinnerlicht, dass außer dem Ölpreis alle anderen börsenbeeinflussenden Faktoren zweitrangig sind, da belehrt der Markt uns eines Besseren. Dazu mehr bei den "US-Konjunkturdaten".