Der Anfang vom Ende des Euros?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 29. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
bevor ich zur heutigen Ausgabe komme, ein Hinweis in eigener Sache:
Immer wieder erhalte ich "interessante Analysen" irgendwelcher abgehalfterter Aktienpusher, welche mich offenbar für einen handfesten Vollidioten halten. Das ist nicht wirklich neu und derartige Zeitgenossen gehören wohl zu meinem Geschäft dazu, wie es scheint. In den letzten Wochen ist hierzu jedoch eine zweite Kategorie an unerwünschten Nachrichten gekommen, sog. MLM-Systeme (=Multi Level Marketing / Strukturvertriebe).
Ich möchte alle MLMler unter Ihnen höflich bitten, Abstand davon zu nehmen, irgendwelche Werbeversuche zu unternehmen. Ich habe generell kein Interesse daran, in MLM-Systemen für irgendjemanden zu arbeiten oder mir irgendwelche "Präsentationen" anzusehen, in denen geölte und aufgepumpte, dämlich grinsende Gesichtsvermieter vor (für den Dreh schnell gemieteten) teuren Autos stehen und mir mit säuselnder Sektenpredigerstimme nervige Versprechungen machen, die in ihrer Glaubwürdigkeit sogar noch unter dem liegen, was man aus der Politik hört. Hier ist es mir auch völlig egal, ob es sich nun um irgendwelche überteuerten Möchtegern-"Lifestyle-Produkte" oder handgedrehte Öko-Klobürsten in limitierter Auflage mit eingebautem MP3-Spieler und vollautomatischer Griffheizung für die kalten Tage im Winter (damit das zarte Händchen nach dem Griff an die "böse Bürste" nicht so friert) handelt.
Meine Bitte daher: Bitte keine Nachrichten dieser Art an mich. Ich bin für ziemlich alles offen und habe stets ein offenes Ohr für Ihre Anliegen bzw. Ideen jeglicher Art, aber Pusherei- und MLM-Mails finden generell kein Interesse meinerseits und werden von mir direkt gelöscht. Ich habe jeden Tag schon mehr als genug zu lesen. MLM mag für andere ja durchaus etwas tolles sein und manch einer mag dort sogar sein Glück finden. Für mich ist es nichts und ich habe kein Interesse. Bitte respektieren Sie dies.
Nun aber zum eigentlichen Thema der heutigen Ausgabe:
Der Anfang vom Ende des Euros... oder Währungskrise voraus!
Liebe Leser,
die Ereignisse rund um Griechenland überschlagen sich. Deutschen Zeitungen titeln...
„Nun geht`s um Ganze - Der Euro-Zone droht das Aus“
oder
„Sollten wir anfangen, D-Marke-Scheine zu drucken?“
Die letzten beiden Tage waren wirklich sehr ereignisreich. Aufgrund von Panikverkäufen griechischer Anleihen explodierten die Zinsen der 2-jährigen Griechen-Bonds bis auf knapp 20%, die CDS-Ausfallprämien schossen für ganz Süd-Europa in die Höhe und die Herabstufung der spanischen und portugiesischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen zeigt klar, dass es sich längst nicht mehr um ein rein griechisches Problem handelt.
Laut dem deutschen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle wird Griechenland bis 2012 insgesamt über 135 Milliarden an Krediten brauchen. Dabei soll alleine die BRD mit 30 Milliarden Euro einspringen. Selbstverständlich wird, wie immer, der deutsche Steuerzahler nicht belastet und auch die meisten Massenmedien versuchen in üblicher "Treue zum Hof" die Probleme herunterzuspielen. Unser zauberhafter Finanzminister sagte gar:
"Wir hoffen, dass es gar nichts kostet, weil das nicht um Steuergelder gehen wird, sondern es geht um die zur Verfügungstellung eines Kredits damit Griechenland auch weiterhin zahlungsfähig bleibt".
Ah ja, Herr Schäuble, wir leihen also einem Land mit Junk-Status und negativem Ausblick 30 Milliarden (wahrscheinlich letztlich noch mehr), in der Hoffnung, dass man dieses Geld schon wieder zurückbekommen werde. Dabei spricht man heute hinter hervorgehaltener Hand schon davon, dass bei Griechenland eine "Umschuldung" unumgänglich ist. Wer nimmt hier also wen auf den Arm?
Was in dieser Sache jedoch noch viel abstruser erscheint: Die restlichen 100 Milliarden sollen von Ländern zur Verfügung gestellt werden, welchen teilweise das Wasser schon über der Nasenspitze steht. Italien, Spanien und Portugal wollen den Griechen selbstverständlich aushelfen. Das ist ungefähr so, als ob die Gefängnisinsassen der Direktion sagen, „Macht euch keinen Kopf, wir passen auf uns gegenseitig auf“.
Sind wir einmal realistisch. Griechenland ist ein zerschossenes Fass ohne Boden, bei dem noch längst nicht einmal die ganze Schuldenwahrheit auf dem Tisch ist. Das Geld, das dorthin fließen wird, müsste zu einem Großteil abgeschrieben werden. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass in den nächsten Wochen (hoffentlich erst Monaten) den anderen PIIGS-Staaten eine ähnliche Abwärtsspirale bevorsteht, denn gerade die deutsche Politik beschwört diese mit ihrer unsäglichen, in dieser Situation absolut unverzeihlichen Inkompetenz und Passivität in Hinblick auf die NRW-Wahlen geradezu herauf. Sprich, weitere fallende Anleihenkurse, kaum finanzierbare Zinsen, Vertrauensverluste, explodierende CDS-Prämien. Das ganze EURO-Gebäude steht in Flammen und die deutschen Politiker versuchen mit nutzlosem Geschwätz und leeren Hand-Feuerlöschern in Schildbürgermanier gegen den Brand anzukämpfen, anstatt konsequent die Probleme anzupacken und klare Signale zu geben. Damit arbeitet die Politik maßgeblich genau den Leuten zu, die bewusst und in einer gemeinsam abgesprochenen Allianz mit hohem Volumen kombiniert auf den Verfall des Euros wetten und damit den Druck auf die Eurozone mit jedem Tag erhöhen. In diesem Zusammenhang zu nennen sind gemäß dem o.g. Bericht wohl besonders die folgenden Namen:
- George Soros / Soros Fund Management LLC
- SAC Capital Advisors LP
- Brigade Capital
Gegen diese Gegner möchte es der Karnevalsverein in Berlin mit ein paar lauen Worten schon richten? Dass ich nicht lache. Mit ein paar "Tricks", wie z.B. weiteren Finanzierungsversprechungen und leeren Worten, die der Markt sowieso schon nicht mehr glaubt, wird sich hier nichts bewegen, sondern alles nur noch schlimmer, während sich Herr Soros und seine Kollegen der im obigen Artikel beschriebenen Hedgefondsallianz, welche den Euro unter kombinierten Beschuss genommen haben, lachend die Hände reiben.
Ich sehe zur Zeit kein Szenario, in dem wir langfristig heil aus der Sache (sprich ohne größere Inflation oder eine Währungsreform) herauskommen. Eine Verarmung breiter Bevölkerungsschichten dürfte damit immer mehr vorprogrammiert sein. Der Sozialstaat wird in dieser Form in Deutschland ja bekanntlich auch nicht weiter finanzierbar sein. Die PIIGS-Krise wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger.
Schon jetzt gelingt es der BRD nicht, Staatsanleihen in vollem Umfang am Markt zu platzieren. Die spanischen Banken merken es jetzt schon, was es heißt, sich nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren zu können. Die Einschläge kommen näher.
Ich hoffe wirklich, dass "unsere" Politiker noch einen Plan C in der Tasche haben. In vielen Internetforen wird über die Wiedereinführung der DM als "DM 2.0"-Variante spekuliert. Mir fehlt leider der Glaube daran, dass Deutschland „den A*!ch in der Hose" hat, die Eurozone zu verlassen oder andere drastische Schritte einzuleiten, wenn wirklich einmal der Zeitpunkt käme, an dem es nötig wird.
Die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt... Aber ich rate Ihnen ausdrücklich, sich in nächster Zeit auf weiteren Ärger vorzubereiten, denn die Situation ist alles andere als stabil, egal was man Ihnen sonst für Beschwichtigungen erzählt. Dieses "Spielchen" hatten wir schon einmal im Oktober 2008. Erst im Nachhinein stellte sich damals heraus, dass man auf Seiten zahlreicher großer Medien systematisch schwieg, "um keine Panik zu erzeugen", mit freundlichen Grüßen nach Berlin.
Morgen beginne ich mit dem ersten Teil der erneuten Krisenvorsorge-Serie. Sie werden sehen, dass Sie sich mit recht einfachen Mitteln vor vielen negativen Konsequenzen besser schützen können, als Sie vielleicht jetzt denken.
Beste Grüße
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Peter Weuster (29.04. 2010 18:51 Uhr):
Hallo Herr Hahn, kennen Sie mich noch? Der, der z.B. über steigende Hebel bei Imclone-Optionsscheinen gejubelt hat. Ist schon Jahre her. Da hatten wir ´mal einen intensiven e-mail-Austausch. Hat mir damals sehr gut getan. Habe alles noch gespeichert. Damals war ich in der Rolle des giftespuckenden Zynikers. Warum? Weil ich einfach nur meine Machtlosigkeit gespürt habe, umgeben von Dummschwätzern und Jubelpäpsten aus allen Branchen. Und nicht wußte, wie ich damit umgehen sollte. Lese fast täglich Ihre Beiträge. Mit großem Vergnügen. Und auch dem heutigen Vorwort - Rettet euch vor MLM - kann ich nur zustimmen, obwohl selber ein Rädchen in diesem Getriebe. Besser hätte ich es selbst in meinen wilden Jahren auch nicht formulieren können. Und auch ich konnte damals schon ganz schön "auf die Kacke hauen". Und genau das ist es. "Kacke". Es lohnt sich nicht. Jede Sekunde, jedes Wort dazu: Nur Verschwendung. Bottom klicken. Ab ins Universum. Da ist genug Platz, dehnt sich es doch auch noch aus. Klicken. Löschen. Abgang. Fertig. Da braucht´s auch keine Bürste. Keine gute und keine böse. Es ist wie bei Don Quichotte. Wenn Sie so weitermachen, brauchen sie einen Partner. Und der muss auf einem Esel reiten. Ihre aus meiner Sicht heftige Reaktion läßt mich vermuten, dass Sie irgendwie "angeschossen" wirken. Messerscharf durchdacht, brilliant formuliert. So wie ich es schätze und liebe. Meinen Dank dafür. Aber diese zunehmenden negativen Schwingungen zwischen den Zeilen. Das kommt nicht so gut. Und das wird auf Sie zurückstrahlen. Das wird Sie mürbe machen. Und das muss nicht sein. Da gibt es nur ein Mittel: LOSLASSEN. Daher im nächsten Urlaub nicht BIlanzen studieren, sondern das Buch von Rene Egli: Das LOLA-Prinzip. Sie wissen doch: Es gibt nur Atome und dazwischen leeren Raum. Alles andere ist Meinung. (Demokrit, ca. 460 v.Chr.) Bin auch nur ein Spiegel. Mit herzlichen Grüßen Peter Weuster
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 14:07 Uhr):
Guten Tag Herr Dr. Weuster, na klar kenne ich Sie noch und der E-Mail-Austausch ist mir auch noch präsent und positiv in Erinnerung. Freut mich, dass Sie auch bei IW dabei sind. Übrigens: Wenn Sie auf eine "Investoren Wissen"-Ausgabe antworten, erhalte ich Ihre E-Mail direkt weitergeleitet. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 14:07 Uhr):
- Kommentar von Urs (30.04. 2010 08:13 Uhr):
Hallo Herr Hahn, vorab: Ich bin kein Freund von Staatsanleihen und sehe die (vergangene) Ausgabenfreude in Griechenland skeptisch. Dennoch: Gibt es einen (gesetzlichen) Zwang für Aktien-/Rentenfonds, Anleihen ab einen gewissen Ratings abzustoßen? Falls ja, frage ich mich, ob hier noch ein anderer Interesse daran hat, die EU-Staaten ins "geeignete" Bild zu rücken. Viele Grüße Urs
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 13:55 Uhr):
Urs, klar gibt es den. Wenn jetzt z.B. Griechenland auf Junk-Status steht, ist es einer Reihe von Fonds nicht mehr gestattet, derartige Anlagen zu kaufen. Und wessen Machtinstrument die Rating-Agenturen sind, dürfte ja auch jedem klar sein, der ab und an mal ein wenig "hinter den Vorhang" schaut.... Hier läuft m.E. nichts ohne Zufall, sondern derartige Agenturen haben ihre feste Rolle in dem Spiel. Von "Freiheit und Unabhängigkeit" kann hier sicherlich kaum die Rede sein. Sah man ja auch bereits schon in der Häuserblase. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 13:55 Uhr):
- Kommentar von Helmut Höhenberger (30.04. 2010 08:34 Uhr):
Im Grunde ist es wie bei der aktuellen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, wer zu gierig nach Rohöl ist bekommt es jetzt direkt vor die Haustüre geliefert.Wer glaubt er kann die Märkte bescheißen und Unsummen an Schulden auftürmen ,bekommt noch mehr Schulden vor die Haustüre.Das Gute an der Sache ist das die Esperantowährung dorthin geschickt wird wo sie hingehört nämlich in den Keller.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 13:59 Uhr):
Guten Tag Herr Höhenberger, herzlichen Dank für den Kommentar. Sehr treffend! :-) Beste Grüße
- Antwort von Alexander Hahn (30.04. 2010 13:59 Uhr):
- Kommentar von Helmut Manske (30.04. 2010 13:10 Uhr):
Hallo,Herr Hahn,Ihr Statement zu der Krise findet meine volle Zustimmung.Wir sind seit 5 Jahren Rentner und leben jetzt vom "Eingemachten".Wie soll es weitergehen,wenn eine verstärkte Inflation öder gar Währungsreform kommt?Wie kann es dazu kommen,daß die sogenannten Experten aus Finanzwelt und Politik so ohne jede Aufsicht wirtschaf-ten,daß alles kaputt geht?Nicht nur die PIGS sind am Ende,Deutschland,Japan, USA und viele andere doch auch! Wie kann Deutschland 30 Milliarden zahlen , wenn wir über eine Billion Schulden haben?Wo haben wir die Schulden,wenn doch niemand mehr Geld hat? Wie kann der IWF Kredite in Milliarden an die Staaten vergeben? Woher stammt das Geld? Ich denke,daß die Druckmaschinen in allen Ländern auf Hochtouren laufen. Oder welche Erklärung haben Sie?Die Pol litiker streuen uns "tumbem" Stimmvieh Sand in die Augen,belügen und betrügen uns durch alle Fraktionen hindurch , und wenn es zu spät ist,verabschieden sie sich in voller Verantwortung ( Kotz! ), bekommen dicke Pensionen , und ihre Kollegen Manager dicke Boni . Wir sind wie immer die tumben Dummen . In dieser Situation wollen Sie Ihre Krisenvor sorge-Serie starten , ich bin ja gespannt. Mit vielen Grüßen,Manske
Antworten