Der aktuelle "Bericht aus Bonn"
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 01. April 2008 17:00 Uhr
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2. Deutscher Börsenbrieftag - ein perfekter Wegweiser in unsicheren Zeiten
Auch in diesem Jahr darf ich Ihnen Bericht erstatten von einer rundum gelungenen Veranstaltung auf dem Bonner Petersberg. Gerade in den aktuell unsicheren Zeiten bot diese Veranstaltung der Investoren Akademie dem Pirvatanleger genauso wie dem institutionellen Investor einen fundierten Blick auf die weiteren Aussichten der Märkte. Nach dem Motto: "In der Vielzahl der Berater liegt die Sicherheit" präsentierten hochkarätige Referenten ihre Sicht auf die weitere Entwicklung der Börsen. Abgerundet wurde der Reigen der Vorträge durch wichtige Hinweise in Bezug auf die neue Abgeltungssteuer - für jeden langfristigen Anleger eines der wichtigsten Themen, um die optimale Depotstrukturierung für die Zukunft zu finden.
Unterschiedliche Erwartungen spiegeln die schwierige Lage an den Finanzmärkten wieder
Soviel kann ich Ihnen gleich vorab verraten: So ganz einig waren sich die Experten nicht in ihrer Einschätzung für die weitere Entwicklung. Damit spiegeln ihre Erwartungen die aktuelle Unsicherheit des Marktes wieder. Das Ausmass und die Schwere der Finanzkrise sind umstritten - ebenso wie vor allem deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Wo sich noch überall "Leichen im Keller" verbergen, weiß im Augenblick niemand, nicht einmal die Vorstände der betroffenen Finanzinstitute. Damit wurden auf dem Börsenbrieftag aber auch die Auswirkungen auf die Realwirtschaft und damit die Börse heftig diskutiert. Alle Ansichten waren vertreten: Von der bedeutenden Einstiegschance in günstig bewertete Aktien bis zum letzten Aufwärtszucken vor einem weiteren heftigen Einbruch, der uns noch im Lauf diese Jahres Probleme bereiten wird, von ausufernder Inflation mit kräftig steigenden Aktienkursen bis zur Gefahr einer rezessiven und damit deflatorischen Entwicklung.
"Kapitalmärkte 2008 - Chancen und Risiken"
Daniel Bernecker, Herausgeber des "Aktionärsbrief", vertrat einen relativ pragmatischen und gleichzeitig begrenzt optimistischen Standpunkt. Seine These: Die Kursentwicklung der Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten von deren realer Entwicklung zu weit entfernt. Er sieht das KGV des DAX aktuell bei etwa 10, gerechtfertigt wären aber rund 13. Die Auflösung dieser Anomalie verursacht allein ein Aufwärtspotenzial von 30%. Die Aussichten der Unternehmen werden von der Finanzmarktkrise weniger betroffen sein, als es im Augenblick vom Markt eingepreist wird. Denn die reale Wirtschaft ist gesund. Ihre Refinanzierungs-Kreditmärkte funktionieren weiter ohne besondere Einschränkungen. Zudem haben viele Unternehmen eine gesunde Eigenkapitalstruktur. Eine begrenzte Wachstumsdelle wird die Entwicklung profitabler deutscher Firmen daher nicht bremsen.
Gefahren durch eine schwere Rezession oder Stagflation sieht Daniel Bernecker nicht. Die aktuelle Inflation wirke sich auf die Aktien eher wachstumsfördernd aus, denn sie können Preissteigerungen an die Kunden weiter reichen. Gerade eine höhere Infaltion wirke sich auf die Anleihenmärkte positiv aus, denn sie schafft ein gesünderes Zinsgefüge. Was aber korrigiert werden muss, sind die spelulativen Exzesse der Finanzinstitutionen, welche durch die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten gefördert wurden. Hier werden sich die Notenbanken bewähren müssen, die in den vergangenen Jahren zu viel regulatorische Macht verloren haben. Verbunden damit wird es noch zu weiteren Rettungsaktionen kommen, denn kein Land kann sich eine große Bankenpleite mit einem Ansturm der Kunden auf die Einlagen erlauben. Dadurch werden Finanzinstitute wieder stärker unter staatliche Kontrolle geraten. Insgesamt sieht er in dieser Rückführung der spekulativen Gefahren eine Chance für stabilere Märkte. Diese werden zwar vielleicht etwas langweiliger werden als die starken Ausschläge durch Blasenbildungen und deren Korrekturen in den vergangenen Jahren, für Anleger aber eine nachhaltigere und berechenbarere Investition erlauben. Folglich empfahl er, die Investitionsquote deutlich zu erhöhen, gerade auch die stark gefallenen Finanztitel bieten seiner Ansicht nach gute Chancen.
"Über Inflation und deren Wirkung auf die Märkte": Womit Sie künftig als Investor rechnen müssen
Das Thema Inflation spielte weiter eine wichtige Rolle. Ralf Flierl, Chefredakteur des Börsenmagazins "Smart Investor" stellte es ins Zentrum seiner Überlegungen. Er zeigte anschaulich anhand langfristiger Charts, dass wir schon seit Jahren eine deutlich höhere Inflation erleben, als sie von den offiziellen Daten widergegeben wird. Inflation (übersetzt das "Aufblähen") entsteht durch eine stärkere Steigerung der Geldmenge als der produzierten Gütermenge in einer Volkswirtschaft. Damit verteuern sich alle Waren. Was wir täglich im Geldbeutel spüren, zeigt sich aber kaum in den offiziellen Inflationsstatistiken. Denn diese werden (vor allem in den USA) durch schönende Berechnungen niedrig gehalten. so gehen dort z.B. Energie und Nahrungsmittel nicht in die Berechnung der Kerninflation ein oder technischer Fortschritt wird als Preisminderung eingerechnet. Sieht man sich aber die "wahre", berechenbare Inflation der vergangenen Jahre an und bereinigt damit die Entwicklung der Börsenindizes, zeigt sich ein bemerkenswertes Bild: Dann hätte der Dow Jones nicht im vergangenen Jahr ein neues Hoch erzielt, sondern würde seit dem Jahr 2000 fallen bzw. stagnieren.
Nun stellt Ralf Flierl die Frage: "Warum steigen die Zinsen nicht wie in früheren inflationären Phasen?", ein Problem, das auch Alan Greenspan schon seit Jahren beschäftigt hat. Hier kommen wir wieder bei der Finanzmarktkrise an: Die Zinsen können nicht steigen, weil sonst das System aus spekulativen Übertreibungen (Immobilienblase, kreditgehebelte Spekulationen) sofort zusammenbrechen würde. Das können sich weder die USA noch wir in Europa erlauben, weil es eine zu große Krise erzeugen würde. Besonders der FED sind damit die Hände in Bezug auf Zinssteigerungen gebunden, sie hätte schon viel früher gegensteuern müssen, jetzt geht es nicht mehr. Daher kommt er zu dem Schluss: Die Zinsen müssen weiter stagnieren oder fallen, die Inflation wird somit steigen und die Aktienmärkte und Rohstoffe werden noch in diesem Jahr in eine finale Übertreibung laufen, die bis etwa 2010 / 2011 andauern wird. Sie als Anleger müssen also in Aktien und Rohstoffe anlegen, um Ihr Vermögen zu schützen. Die Frage ist nur, wieviel von der Steigerung der Märkte Ihnen die Inflation real im Geldbeutel lassen wird.