Der ADX-Indikator
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 6. Dezember 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
wäre es nicht in zahlreichen Situationen hilfreich auf einen Blick zweifelsfrei zu sehen, wie stark ein Trend eines Wertpapiers aus technischer Sicht aktuell ist bzw. ob im Moment überhaupt ein Trend vorliegt?
Oder wie wäre es mit einem Werkzeug, das Ihnen bei der automatischen Suche nach Wertpapieren derart hilft, dass es Ihnen nur die Titel anzeigt, die sich gerade in einem gut handelbaren Trend befinden?
Wenn Sie auch nur eine der obigen Fragen mit "Ja" beantwortet haben oder schon ähnliche Gedanken hatten, sollten Sie sich auf jeden Fall mit dem ADX-Indikator vertraut machen.
Was hat es mit dem ADX-Indikator auf sich?
Beim ADX-Indikator, oder kurz ADX, handelt es sich um einen Index, der Ihnen die Trendstärke der vorliegenden Preisbewegung anzeigt. Ist der Trend stark, hat der Index einen hohen Wert. Ist der Trend schwach, ist der Indexwert klein. Hierbei ist es egal, ob der Trend bärisch oder bullisch ist (dies verwirrt anfangs manche Anleger etwas).
Ein Indikator kann beim Traden natürlich nur so gut sein, wie das Verständnis dessen seitens seines Anwenders. Grund genug also, sich einmal etwas anzusehen, wie der ADX eigentlich berechnet wird bzw. was er damit genau aussagt.
Bei der Berechnung des ADX werden zwei wichtige Teilergebnisse berücksichtigt, aus denen der ADX-Wert gewonnen wird. Hierbei handelt es sich um die sog. DMI-Linien (DMI=Directional Movement Index). Eine der beiden Linien steht für die bullische Komponente einer Bewegung und wird oft auch mit DMI+ bezeichnet, die andere analog für die bärische Komponente und mit Bezeichnunge DMI-.
Oftmals werden in Chartprogrammen auch ADX und die DMIs gemeinsam abgebildet. Manche Trader konstruieren hieraus auch schon einen Teil eines kleines Handelssystem für sich.
Die Berechnung von DMI+ und DMI-
Um eine DMI-Linie zu berechnen, muss wiederum zuerst das DM (=Directional Movement) berechnet werden. Das DM ist ein Maß dafür, wie weit sich ein Preis aus der Handelsspanne des vorangegangenen Tages (bzw. des vorangegangenen Zeitintervalls, je nach Chart) bewegt hat. Übertrifft z.B. der Preis an einem Tag das Hoch des Vortages, liegt eine Reichweitenausdehnung nach oben vor und das DM+ ist positiv. Analog lassen sich Reichweitenausdehnungen nach unten bestimmen und das DM- berechnen.
Je nach Preisverlauf kann es nun Tage geben, in denen sowohl Reichweitenausdehnungen nach unten und nach oben oder nur in eine oder gar keine Richtung vorliegen (das DM ist dann 0 bzw. negative DM-Werte sind nicht zugelassen).
Ein Beispiel: Stellen wir uns vor, eine Aktie XY habe gestern ein Tief von 18 EUR und ein Hoch von 20 EUR gehabt. Heute hat die Aktie einen positiven Tag und das neue Tief ist bei 19 EUR, das neue Hoch bei 22 EUR.
Es ergibt sich somit für DM-: 18-19 = -1 , d.h. hier setzen wir für DM- definitionsgemäß 0.
Für DM+ gilt: 22-20= 2, d.h. DM+=2
Umwandlung von DM+ in DMI+ und DM- in DMI-
Der nächste Schritt ist nun, die DM-Ergebnisse in die DMI-Werte zu überführen.
Dies geschieht, indem die DM-Ergebnisse durch die sogenannte "True Range" für den Tag dividiert werden. Bei dieser "wahren Spanne" handelt es sich um die komplette Handelsspanne für den Tag bzw. für die Zeiteinheit, welche entsprechend an "Störfaktoren" wie Gaps etc. angepasst wurde. Anschließend wird das Ergebnis jeweils mit 100 multipliziert und man erhält die entsprechenden DMI- und DMI+ Werte, welche in den Charts in der Regel dann als Linien abgebildet werden.
Nun sind allerdings die beiden DMI-Werte bisher nur mit Bezug auf den jeweiligen Vortag bzw. die vorherige Zeiteinheit dargestellt. Um dies etwas aussagekräftiger zu machen, wird den Ergebnissen noch ein Gleitschnitt übergelegt, der einige Tage an Daten so mit in die Berücksichtigung einführt.
Der ADX wiederum wird dadurch erhalten, dass die Differenz der beiden DMI-Werte durch ihre Summe geteilt wird und mit 100 multipliziert wird. Ist die Differenz der beiden DMI-Werte groß, hat der ADX einen hohen Wert; ist diese klein, ist auch der ADX-Wert entsprechend niedrig.
Bedingt durch ihre Indikatorkonstruktion sind übrigens sowohl ADX als auch die DMI-Linien Oszillatoren.
Und was nützt mir als Anleger dieses Wissen bzw. die gesamte Rechnerei?
Die DMI-Linien und der ADX visualisieren auf einen Schlag sowohl die gesamte Trendstärke, als auch die Bullenstärke und die Bärenstärke. Dies kann im Bereich der Trendanalyse und im Bereich des Trendtradings sehr oft von großem Nutzen sein.
So viel zur Theorie (hierüber könnte man jedoch ganze Bücher schreiben)...
Morgen zeige ich Ihnen an dieser Stelle einmal ein paar praktische Anwendungsmöglichkeiten für die hier genannten Werkzeuge.