Denkmal für Alan Greenspan?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 21. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Jetzt wissen wir es also.
Alan "Spekulationsblasen" Greenspan ist offiziell für eine weitere Amtszeit als Fed-Vorsitzender vorgeschlagen worden. Wenn er die überleben wird, dann würde er der am längsten dienende Fed-Vorsitzende gewesen sein, den es jemals gab.
Sie brauchen sich vor den US-Präsidentschaftswahlen im November keine Sorgen über eine amerikanische Zinserhöhung machen. Wenn die Umlaufrendite in den USA steigen wird, dann nicht wegen einer Zinserhöhung. Denn die wird es nur über Mister Greenspans Leiche geben.
Vielleicht wird Greenspan ein Denkmal erhalten. Denn er ist bereits jetzt der berühmteste Mann im öffentlichen Dienst seit Pontius Pilatus. Sicherlich verdient ein Mann, der soviel Schaden wie Greenspan angerichtet hat, eine Art von Denkmal.
Natürlich ist die allgemeine Meinung über Greenspan positiv, fast psychophantisch (ein selbst erfundenes Wort von mir ... bitte schreiben Sie mir nicht, dass es ein Rechtschreibfehler ist).
"Alan Greenspan hat einen exzellenten Job als Vorsitzender des Board of Gouverneurs des Federal Reserve Systems geleistet", sagte George W. Bush, als ob er das wissen würde, "und ich habe großes Vertrauen in seine wirtschaftlichen Dienste".
Übersetzung: Man kann sich darauf verlassen, dass Greenspan die Zinsen vor der Wahl nicht erhöhen wird.
Die New York Times schrieb:
"Greenspan ist wahrscheinlich der mächtigste Verbündete von Bush gewesen, er hat die Leitzinsen auf ihr niedrigstes Niveau seit 1958 gesenkt und sie so tief gelassen, (obwohl) die Wirtschaft seit dem letzten Spätsommer begonnen hat, rapide zu wachsen."
"Greenspan's Politik der sehr niedrigen Leitzinsen – die einer langen Tradition widerspricht – hat den wirtschaftlichen Abschwung des Jahres 2001 abgefedert ( ...). Obwohl die Unternehmen bis Ende letzten Jahres sowohl bei den Investitionen als auch bei den Neueinstellungen zurückgesteckt haben, hat das billige Geld der Fed zu einem Boom bei den Immobilienpreisen und den Hypotheken geführt, was Milliarden in die US-Wirtschaft gepumpt hat und dazu geführt hat, dass die Konsumenten weiter Geld ausgegeben haben."
Da haben wir es: Die Lage der US-Wirtschaft des Jahres 2004, interpretiert von der New York Times.
Ist das alles?
Eine Wirtschaft muss atmen, liebe(r) Leser(in). Sie atmet ein ... neue Kredite, neue Jobs, neue Industrien. Dann muss sie die Fehler ausatmen ... die benutzte Luft und die schlechten Ideen. Einatmen ... ausatmen. Expansion ... Kontraktion. Boom ... Abschwung. Bullenmarkt ... Bärenmarkt. So funktioniert das!
Zu Ende des 20. Jahrhunderts hatte die US-Wirtschaft soviel Luft der "Neuen Ära" eingeatmet, dass sie einfach ausatmen musste. Aber die Ausatmungsphase macht keinen Spaß. In der müssen nämlich Schulden zurückgezahlt werden. Man muss mit Fehlern klarkommen. Die Wähler werden ungemütlich. Politiker verlieren dann ihre Posten.
Deshalb versucht das Genie der Wirtschaftsschule à là Keynes, das Ausatmen zu vermeiden. Statt auszuatmen, soll weiter eingeatmet werden ... weitere Kredite ... was zu traumähnlichen Halluzinationen führt, nach denen die Immobilienpreise weiter im Preis steigen, die Aktienkurse steigen und die Schulden niemals zurückbezahlt werden müssen. Dann ist der durchschnittliche Amerikaner stärker als je zuvor verschulden. Und seine Lungenflügel sind kurz vor dem Platzen. Danke, Mister Greenspan.
Und jetzt nach New York für mehr News: