Den Weg in die Hölle ebnen
Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. April 2005 18:00 Uhr
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Ich werde von der Geschichte verfolgt. In der gleichen Straße in Paris, in der auch mein altes Büro lag, befindet sich die erste Zentralbank der Welt, von John Law errichtet. Um die Ecke von meinem neuen Büro liegt das Crillon Hotel, wo Franklin Roosevelt, damals Aushilfssekretär bei der Marine, fürstlich tafelte, während er vortäuschte, hinter Informationen her zu sein, wie es den Infanteristen in den Schützengräben erging.
Aber in Baltimore bellen die Hunde am lautesten. Laut den örtlichen Geschichtsfans traf sich Woodrow Wilson in meinem Büro mit dem belgischen Botschafter, um eine der großartigsten Wunschlisten aller Zeiten abzuschließen – den Völkerbund.
Sie erinnern sich vielleicht an die beiden Wochen, in denen ich über die besten Präsidenten Amerikas berichtete. Chester A. Arthur, Warren G. Harding. Während die großen Tiere überall ihre Spuren hinterließen und praktisch alles niedertrampelten, was sich ihnen in den Weg stellte, ist es diesen kleinen Fischen gelungen, ihren Weg durch das höchste Büro des Landes zu ebnen, ohne die geringsten Spuren zu hinterlassen. Das soll heißen, dass sie die Menschen in Ruhe ließen ... und die Nation so gut zurückließen, wie sie sie vorgefunden hatten.
Diese Woche schreibe ich über einen der schlechtesten Präsidenten Amerikas, Thomas Woodrow Wilson. Bei dem völlig überlaufenen Wettbewerb um den Posten des schlechtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten sticht Wilson hervor. Als Weltverbesserer ist Wilsons Figur Weltklasse. Er hatte keinen Humor, er war unbescheiden und selbstgerecht – auf einer Stufe mit den großen Verbrechern des 20. Jahrhunderts. Alle hatten nur die besten Absichten, oder zumindest behaupteten sie das.
Amerika hat auf der Welt eine herausragende Position eingenommen. Amerika ist der größte Schuldner der Welt. Amerika ist der größte Verbraucher der Welt. Amerika hat die aggressivste Armee der Welt und mischt sich am meisten ein. Kein Land der Welt liegt weit genug abseits, um der amerikanischen Beachtung zu entgehen ... und kein Land ist zu arm, um Amerika Geld leihen zu können. Ich halte einen Moment inne und wundere mich, wie wir hier hingeraten konnten. Ich gehe zum Tatort und suche nach Beweisen. Dort nehme ich ein paar Proben und bringe sie ins Labor. Und was ist das Ergebnis? Die DNA Spuren stammen von Thomas Woodrow Wilson.
Ich mache dem Mann keinen Vorwurf. Auch halte ich ihn nicht für ausschließlich verantwortlich. Sein Günstling bei der Marine – Franklin Roosevelt – war ein eifriger Komplize. Lyndon Johnson fuhr das Fluchtauto. Auch Ronald Reagan, Alan Greenspan und George W. Bush waren mit Sicherheit Mitglieder der Bande. Aber Wilson war der Kopf der Bande. Und heute soll er meine Aufmerksamkeit bekommen.
"Ein geistig kranker, bemitleidenswerter Mythomane ... ein erleuchteter Mann, der glaubte, er stünde in direkter Kommunikation mit Gott, geführt von einer starken äußeren Macht." So beschrieb der Vater der Psychoanalyse den 28. amerikanischen Präsidenten. Aber Freuds Urteil war zu großzügig. Wilson war ein selbstzufriedener, scheinheiliger Stümper, der das Land mit links in eine blasse, spöttische Parodie dessen verwandelte, was es eigentlich sein sollte.
Ich leite die Untersuchung mit einem Zitat von Wilson, nach dem Wahlsieg, ein: "Ich möchte sie daran erinnern, dass ich von Gott zum nächsten Präsidenten auserwählt wurde, daran haben weder sie noch irgendein anderer Sterblicher etwas ändern können."
Gibt es den geringsten Zweifel darüber, dass Wilson verrückt gewesen sein muss? Er behauptete, Demokrat zu sein. Später behauptete er, er wollte die Demokratie für die Welt sicherstellen. Aber hier kann man erkennen, dass er eher an göttliche Vorsehung glaubte, wenn es um das Thema der Führung ging. Er war nicht vom Volk gewählt worden, er war von Gott auserwählt. Warum soll man sich dann überhaupt noch um Wahlen bemühen?
Ich halte inne, um mich zu fragen, wie ein ehemaliger College Professor wissen kann, was in Gottes Kopf vor sich geht. Ich habe es selbst schon viele Male versucht. Will Gott die Aktienpreise steigen lassen, fragte ich mich. Wird Gott dieses Flugzeug sicher landen lassen? Wo zur Hölle hat Gott mich die Autoschlüssel verlieren lassen? Und obwohl ich es wirklich ernsthaft versucht habe, ist es mir nie gelungen. Jedes Mal höre ich nur eine donnernde Stimme, die sagt: "Such deine verdammten Autoschlüssel doch selber."
Sicherlich muss Wilson mit Gott zu Abend gegessen haben. Vielleicht hatte er Gottes Ohr ... oder gar seine Stimme. Denn der Mann sah mit der gleichen Leichtigkeit in die Zukunft, wie ich in ein leeres Glas Bier. Er wusste nicht nur, dass er dazu ausersehen war, Präsident zu werden, sondern auch, dass er eine Welt aufbauen konnte, die noch besser war als die, die Gott ihm überlassen hatte – indem er die Pläne von Millionen durch seine eigenen ersetzte.
Woher kamen diese Pläne? Wie konnte er wissen, dass die Welt zu einem besseren Ort werden würde, wenn eine Zentralbank das Geld der Nation bewachte? Wie konnte er wissen, dass Mexiko mit Huerta an der Spitze zu einem schlechteren Land werden würde, als wenn es von dem von Wilson geförderten Carranza ... oder sogar von Pancho Villa, hinter den er sich auch eine Zeitlang gestellt hatte, geführt würde. Wieso konnte er glauben, dass sein eigenes Urteil besser sein würde, als das der Mexikaner selbst? Seine Demokraten in Mexiko ermordeten Priester und Nonnen. Wilson muss gedacht haben, dass das ein vernünftiger Preis dafür ist, eine erleuchtete Regierung zu haben – und es war nichts im Vergleich zu dem Preis, den die Welt für Wilsons Krieg in Europa zahlen musste – aber was führte zu seiner Überzeugung, dass die Demokratie einer konstitutionellen Monarchie überlegen sei?
Wilsons Urteil zu beinahe allen Themen war grauenhaft. Bei seiner Rede im April 1917, mit der er versuchte, die Nation zum Krieg zu überreden, bemerkte Wilson, dass die Russen "im Herzen immer demokratisch waren".
"Wunderbare und ermutigende Dinge sind in den vergangenen paar Wochen in Russland passiert", fuhr er fort. Was passiert war, war der Anfang der bolschewistischen Revolution. Deutschland fürchtete Amerikas Eintritt in den Krieg auf der Seite des Feindes und versuchte verzweifelt, die Ostgrenze zu sichern, um sich der neuen Bedrohung aus dem Westen widmen zu können. Die Technik war ebenso schlau, wie verheerend. Man fand einen Revolutionär namens Lenin, der schon vor Jahren von Russland ins Exil geschickt worden war. Er wurde in einen Zug gesetzt, finanziell unterstützt und zurück nach Russland geschickt mit dem direkten Ziel, dort Probleme zu machen. Es waren diese Probleme, die Wilson bewunderte ... und die er später bedauern würde. Lenin führte den Aufstand der Bolschewiken, der Russland aus dem Krieg herausschlug. Wie konnte Wilson wissen, dass die Revolutionäre in Moskau besser sein würden, als die Romanows, die sie ersetzten.
Die Leser werden sich selbst ein Urteil bilden. "Er hat einen Fehler gemacht", wird man vielleicht sagen. Oder man sagt: "Wie hätte man denn wissen können, dass der russischen Revolution eine der schrecklichsten und grausamsten Phasen einer schlechten Regierung in der Geschichte der gesamten Welt folgen würde."
Natürlich konnte er das nicht wissen. Aber Wilson hat sich auch nicht wirklich Gedanken gemacht. Er suchte einfach nur den Boden nach einem Kopf ab, auf den er zielen konnte, oder nach einem Geldbeutel, den er stehlen konnte. Und es ging auch nicht darum, wessen Geldbeutel. Später hat er Truppen nach Russland geschickt, um die Bolschewiken zurückzuschlagen. Aber das war typisch für Wilson. Er wollte einfach einschreiten. Nicht notwendigerweise auf einer Seite, sondern nach Möglichkeit auf beiden.
Und jetzt halte ich schon wieder inne, um mich über die jammervolle Erhabenheit des ganzen zu wundern. Denn es sind weder Liebe, noch Geld, was die Welt am Laufen hält. Es ist die reine Eitelkeit. Wilson hatte keine besondere Liebe ... und nicht besonders viel Geld. König George V. nahm fast genauso akkurat Maß wie vor ihm Freud: "Er ist ein absolut kalter akademischer Professor – ein widerwärtiger Mann." Aber er hatte Eitelkeit im Übermaß.
Die Leute schmeicheln sich selbst. Tiere mögen nach ihrem Instinkt handeln, aber wir Menschen, obwohl von tierischen Spezies abstammend, funktionieren in anderer Weise. Denken wir – und passen unser eigenes Verhalten kühl den Möglichkeiten und Herausforderungen an, die uns betreffen. Und doch hätte ein Naturforscher, der von einem anderen Planeten auf die Erde fiele, seine Schwierigkeiten, herauszufinden, wo das Denken anfängt und der Instinkt aufhört. Hirsche und Bullen zielen schon mal auf Köpfe. Das tun auch Männer. Sie stolzieren herum und schlagen sich gegenseitig auch schon mal vor den Kopf, wie Hähne im Hühnerstall. Überall im Tierreich sind Kämpfe und Bluffs Teil des Lebens. Die Männchen kommen mit einem Wunsch zu herrschen, zu zeigen, dass sie überlegen sind. Sie tun das nicht mit böser Absicht, es ist einfach die Art, mit der es die Natur den Weibchen möglich macht, den besten Partner zu finden. So als setzte sich ein reicher Anwalt in einen Mercedes. Kaum ein Mann denkt so, und wohl auch keine Frau ... aber es macht sich schließlich auch niemand ums Atmen Gedanken.
Woodrow Wilson war ein denkender Mensch. Aber seine Gedanken führten fast immer dazu, dass er andere Männer herumschupsen wollte. Dahinter stand keine Logik. Er hatte genauso wenig Ahnung, was passieren würde, oder was die Welt verbessern würde, wie jeder andere auch. Dennoch versuchte er eifrig, die Pläne von Millionen von Menschen durcheinander zu bringen, um ihnen seine eigenen Ideen einimpfen zu können, damit seine eigene Vision einer besseren Welt mit Gewalt in alle Landschaften eingeprägt würde.