Den Lärm herausfiltern – Teil 1 von 3
Kevin Kerr in Traders Daily
vom 27. März 2007 12:00 Uhr
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Manchmal, wenn ich den Fernseher anmache oder den Kommentatoren zuhöre, die über Rohstoffe sprechen, dann muss ich mich krümmen. Über Jahre haben die Medien die Rohstoffe wie eine zweitrangige Klasse von Anlagewerten behandelt oder schlimmer noch wie eine Form legalisierten Glücksspiels – und in einem gewissen Sinne tun sie das auch heute noch. Ihr Verständnis davon, wie die Märkte wirklich funktionieren, ist bestenfalls rudimentär. Ich will nicht sagen, dass alle diese Journalisten unintelligent sind – manche von ihnen sind sogar brillant. Nur verstehen sie einfach nicht, wie der Rohstoffmarkt funktioniert.
Doch sie habe solch eine Macht, dass Millionen von Menschen sie hören und sehen, sobald das Licht der Kamera angeht. Nachdem ich auch selbst viel im Fernsehen und bei den Printmedien gemacht habe, weiß ich, dass beide sehr mächtige Hilfsmittel sein können, dass aber, wie es in den Spiderman Filmen heißt: „mit großer Macht auch große Verantwortung einhergeht.“
Egal, lassen Sie mich nur eins deutlich sagen – ich selbst nutze auch täglich die Medien und die Datenautobahnen. Während ich Kollegen habe, die sehr philosophische Denker sind und nicht einmal einen Fernseher besitzen, habe ich selber fünf Computermonitore in meinem Büro und zwei Fernseher. Macht mich das weniger philosophisch oder begriffsstutzig? Nein, denn die meiste Zeit bleibt der Ton des Fernsehers ausgeschaltet, was meinen IQ enorm verbessert.
Ablenkungen jeder Art können von geringem oder gänzlich fehlendem Wert sein wenn man tradet. Der Fernseher, der mit Meinungen um sich wirft, die sich von einem Augenblick auf den nächsten verändern können, erweist sich als das sinnloseste Hilfsmittel für einen Trader. Ein Freund und Kollege, wir wollen ihn Jack nennen, hat in dem Büro gegenüber von meinem gearbeitet. Jack ist einer der besten Devisentrader, die ich kenne und er und ich sind aus dem gleichen Guss. Jack hatte nie einen Fernseher in seinem Büro. Er hielt das für sinnlos und er sagte, es handele sich in den meisten Fällen um Geschwafel. Er hat damit weitestgehend Recht. Und was noch wichtiger ist, Jacks Argument war, dass ihm der Fernseher nichts Anregendes für sein Trading bot – er stand nur im Widerspruch zu seinem System und stellte eine Ablenkung dar, mit anderen Worten, es war einfach nur Lärm. Ich stimme Jack zu. Ich habe auch das Gefühl, dass es sinnlos ist, den ganzen Tag auf den Fernseher zu starren.
Die Märkte gehen rauf und runter und wenn sie sich gegen einen bewegen, dann ist der Bildschirm vollständig rot, Emotionen können hinzukommen und wir alle wissen, wie abträglich das sein kann. Ich schlage vor, dass man zwischendurch den Fernseher einfach mal ausmacht und etwas anderes tut. Den Hund krault, sich ein Brot schmiert, ins Fitnessstudio geht, sich noch ein Butterbrot schmiert (es gab Jahre, in denen habe ich 10 Kilo zugelegt!) –mir geht es aber einfach darum, dass man den Ort des Geschehens verlässt und einen klaren Kopf bekommt und sich entschließt, was zu tun ist. Sie werden erstaunt sein, was sie vorfinden, wenn sie zurückkehren.
Jack war ein lustiger Typ, er hatte nur sehr wenig in seinem Büro: Eine kleine Kiste in einer Ecke, einige wenige Bücher auf dem Tisch, eine Lampe, und das war so ziemlich alles – vielleicht stand irgendwo noch ein Bild seiner Familie. Er war ein wahrer Minimalist. Mein Büro hingegen birgt Tonnen von Zeug – Bilderbücher, Plaketten, flimmernde Fernseher usw. Also bin ich eines Tages in Jacks Büro rüber gegangen und habe ihn gefragt: „Nichts für ungut, Jack, aber wozu dient diese Kiste und warum hast du nicht mehr Zeug in deinem Büro?“ Er hat mich angesehen und hat gesagt. „Ich kann alles, was ich hier im Büro habe, in zwei Minuten in diese Kiste packen.“ Jacks Argument war, dass er auf Anhieb gehen könnte, wenn es verlangt würde. Nachdem er seit Jahren als professioneller Trader gearbeitet hat, hatte er begriffen, dass es, ganz egal wo man als Trader arbeitet, nur auf die Ergebnisse ankommt, man ist immer nur so gut, wie sein letzter Trade.
Ist das wahr? Nein, aber es ist die Wahrnehmung. Um ehrlich zu sein, die Medien können eine wertlose Quelle neuer Informationen sein, aber sie sind auch ein guter Kontraindikator. Mit anderen Worten, wenn jeder im Fernsehen und jeder in der Presse darüber spricht, wie super Kupfer oder Rohöl sind, dann ist es vermutlich an der Zeit, sich nach einer Abwärtsbewegung umzusehen - nicht immer, aber manchmal. Und umgekehrt.