Den Dollar verkaufen!
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 05. November 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Der Aktienmarkt steigt weiter ... das ist ein Jammer für jeden, der derzeit keine Aktien hat.
Die Aktien sind teuer. Aber Millionen von Investoren kaufen sie trotzdem. Sie haben nur Angst davor, dass sie Aktien, die steigen, NICHT gekauft haben ...
Es ist noch gar nicht so lange her, da bedauerten diese Anleger es, dass sie Ende 1999 zuviele Cisco-Aktien gekauft hatten. Jetzt bedauern sie es, dass sie Ende 2002 zu wenige Cisco-Aktien gekauft haben.
Die Wirtschaft erholt sich. Jeder weiß das. Deshalb werden die Aktien weiter steigen ... das weiß auch jeder. Die kleinste positive wirtschaftliche Nachricht ist deshalb – a priori – ein Grund dafür, Aktien zu kaufen.
Letzte Woche wurde vermeldet, dass das US-BIP um 7,2 % gestiegen ist – und vorgestern hieß es, dass sich der unter Druck stehende amerikanische produzierende Sektor jetzt erholt. Laut dem "Institute for Supply Management" ist die Fabrik-Aktivität in den USA im Oktober den vierten Monat in Folge gewachsen.
Besonders der ISM-Index (Manufactoring) stieg letzten Monat auf 57,0 %, nach 53,7 % im September – das ist der höchste Wert seit Januar 2000. Der Index für Auftragseingänge stieg sogar auf das höchste Niveau seit 1994. Und das Handelsministerium teilte mit, dass die Ausgaben für neue Bauprojekte im September um 1,3 % gestiegen sind, nach einem Anstieg von 0,7 % im August.
Die Wirtschaftserholung ist großartig für jeden – außer für Pfandleiher und Anleihenhändler. Am Anleihenmarkt sind sehr gute Wirtschaftszahlen nicht unbedingt willkommen. Der Grund: Starkes Wirtschaftswachstum geht oft Hand in Hand mit steigenden Renditen. Und steigende Renditen bedeuten fallende Kurse. Deshalb ist die Rendite der 10jährigen US-Anleihen auch wieder auf 4,35 % gestiegen.
2003 war für die meisten Investoren ein angenehmes Jahr. Die Käufer von Goldminenaktien sind fast so glücklich wie die Käufer von Technologieaktien. Aber die Anleihenkäufer sind nicht glücklich – besonders nicht die Käufer in Übersee, die US-Anleihen gekauft haben. Denn die haben sowohl zurückgehende Anleihenkurse als auch einen zurückgehenden Dollarkurs zu verkraften gehabt. Wie lange werden sie diese Art des Missbrauchs noch tolerieren?
Letzte Woche warnten die 80jährigen Weisen, die auf der New Orleans Investment Konferenz waren (die ich zusammen mit Addison Wiggin und Bill Bonner besucht hatte) vor dem US-Dollar. Aber die Investoren Amerikas können mit dem alten Wissen dieser alten Jungs nichts anfangen, und noch weniger mit dem Wissen des noch relativ muntereren Warren Buffett. Der 72jährige Milliardär sagte vor kurzem: "Bis zum Frühjahr 2002 hatte ich fast 72 Jahre gelebt, ohne jemals eine ausländische Währung gekauft zu haben. Seitdem hat Berkshire Hathaway (die Investmentgesellschaft von Buffett) signifikante Investments – die sie heute noch hält – in verschiedenen Währungen gemacht."
"Sowohl als Amerikaner als auch als Investor hoffe ich, dass diese Anlagen ein Fehler sein werden. Denn die Gewinne, die Berkshire mit diesen Währungskäufen machen würde, würden die Verluste, die ein fallender Dollar für unsere Gesellschaft und unserer Aktionäre mit sich bringen würde, nicht ausgleichen können."
"Aber als Kopf von Berkshire Hathaway ist es meine Aufgabe, Geld so zu investieren, dass es Sinn macht. Und mein Grund dafür ( ...) ist, dass sich unser Handelsbilanzdefizit so verschlechtert hat, bis zu dem Punkt dass der 'Netto-Reichtum' unseres Landes jetzt mit einer alarmierenden Rate ins Ausland transferiert wird."
Auch Jimmy Rogers, der noch mehr als eine Dekade von 80 entfernt ist, aber mehr von der Welt gesehen hat, als die meisten 100jährigen, empfiehlt, den Dollar zu verkaufen: "Wenn ich Ihnen nur eine einzige Sache heute sagen könnte", so Rogers auf der Konferenz, "dann wäre das, den Dollar zu verkaufen."
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