Den Daxbewegungen auf der Spur (5) - Kaufgründe
Markus Schoor in Investoren Wissen zum Thema Dax 30
vom 14. November 2006 16:00 Uhr
ENL5454
Bei den Kaufgründen kommt es zunächst darauf an, klar zu denken, was diese leisten sollen. Der Kaufgrund hat nur eine einzige Aufgabe: er soll uns in den Trade hineinbringen und zwar so, daß wir wenig Risiko - und dieses auch nur kurze Zeit - aushalten müssen.
Egal, was Sie glauben, wohin ein Markt oder eine Aktie laufen wird: der Glaube ersetzt nicht das Eigentliche - einen vernünftigen Kaufgrund zu finden!
Vernünftig ist ein Kaufgrund, wenn er eine gute Erfolgsquote hat. (Ér gilt als unvernünftig, wenn er schon in der Vergangenheit nicht wirklich häufig den Erfolg garantierte.)
Was ist der „Erfolg“ hierbei: Erfolg bedeutet hier nicht, daß Sie immer Recht behalten und am Ende der große Gewinn wartet. Nein, Erfolg eines Kaufgrundes bedeutet: Sie kaufen das Wertpapier, es läuft innerhalb von drei Tagen in die richtige Richtung, und dann setzen Sie Ihren Stop Loss über den Kaufkurs. Verlust ist jetzt fast ausgeschlossen.
Das ist alles. Genau dies muß der Kaufgrund leisten. Er ist keine Rechthaberei, er ist kein Glauben, er ist keine Besserwisserei. Er ist nur das Vehikel, was Sie hineinringt. Und er ist völlig unabhängig von Ihrer Einschätzung des Marktes.
Erfolgreiche Trader verbringen die meiste Zeit genau mit dieser Frage nach dem Kaufgrund. Viel mehr Zeit als für die Suche nach neuen Investments. Viel mehr Zeit als für die Überlegungen, die uns bisher beschäftigt haben.
Gerade Anfänger beschäftigen sich aber zu wenig mit dem Kaufgrund. Und selbst wenn Sie einen haben, haben Sie ihn oft nicht zurückgetestet.
Bei Aktien gilt zum Beispiel die Veröffentlichung der Quartalszahlen als Kaufgrund. Aber nicht etwa hinterher, sondern vorher. Und nicht etwa, um das Papier nach den Quartalszahlen zu verkaufen, sondern um es vor deren Veröffentlichung zu verkaufen!
Natürlich nimmt man dafür Aktien, deren Quartalsgewinn positiv erwartet wird. Und wo zugleich in der Vergangenheit häufig während der letzten 15, 10 oder 5 Tage vor der Berichterstattung ein schönes Kursplus entstanden ist. Aber keinesfalls kauft man in den ersten Wochen nach der Veröffentlichung des Quartalsgewinns – es sei denn, das Papier brach überraschend 15% oder mehr ein und der Grund hierfür ist eigentlich nichtig. Dann könnte ein Profi sich versucht fühlen, darauf zu wetten, daß der Kurs die Hälfte des Kurseinbruchs in den folgenden Wochen wieder zurücknimmt (also ansteigt).
Ein anderer Kaufgrund für Aktien ist ein Stocksplit (Aktiensplit). Und auch hier wird meistens direkt nach dessen Ankündigung gekauft und zur Umsetzung wieder verkauft. Ein Stocksplit bedeutet für die bisherigen Aktienbesitzer, daß sie plötzlich mehr Stücke im Depot haben. Allerdings fällt im Gegenzug auch der Preis der Aktie, was wiederum für einen Neuaktionär dieser Firma interessant ist. Die meisten Menschen kaufen nämlich am liebsten Aktien, die einen günstigen nominalen Preis haben. (Es gibt einen zigtausend Seiten langen Streit darüber, ob das rational ist, oder nicht. Aber der Streit ist akademisch....)
Nehmen wir ein Beispiel: Eine Aktie von Warren Buffett kostet zur Zeit ca. 100.000 Dollar. Ich finde das ein bißchen teuer und könnte mir nur eine kleine Anzahl davon leisten. Also habe ich im Effekt keine. Es gibt bei Buffett auch Babyaktien, die kosten dann 10.000 Dollar. Finde ich immer noch zu teuer. Sollte sich Buffett dazu entschließen, seine Aktien zu splitten, so daß beispielsweise eine solche Aktie nur noch 100 Dollar kostet – dann hätte ich bestimmt welche.In Deutschland ist ein ähnliches Beispiel die Porsche-Aktie. Wie auch immer Sie darüber nachdenken – ein kommender Stocksplit ist meistens ein guter Kaufgrund. Es sei denn, der Kurs ist wegen des kommenden Stocksplit schon deutlich angestiegen.
KLEINE UNTERBRECHUNG: Natürlich können Sie auch ohne Kaufgrund kaufen, aber dann müssen Sie gleich ein ganzes Bündel (6-12 Stück) von Aktien kaufen und auch für eine längere Zeit halten, so wie in den vielen Strategien, die Mark Skousen in den letzten Wochen hier vorgestellt hat. Unten wird Ihnen zudem Tom Firley einmal erläutern, wer in diesem Verlag was macht und wer mit welchen Strategien arbeitet.
Kaufgründe für Indices:
Zu den besten Kaufgründen für Indices gehört das „neue Hoch“. Das machen die Profis zwar nicht, ohne einen weiteren Filter anzusetzen, aber schauen wir uns die Sache einfach einmal in den letzten 12 Monaten systematisch an:
Es gab 10 Möglichkeiten in den Dax einzusteigen, in dem man einfach ein neues Hoch kauft. Die blauen Linien zeigen dabei, inwiefern ein neues Hoch entsteht. Gekauft wird das Durchbrechen der blauen Linie.
Ich habe nun diejenigen Käufe mit einem grünen Pfeil markiert, bei denen ich der Meinung bin, der Käufer hatte die Chance in wenigen Tagen, seinen Stop Loss über seinen Kaufkurs nachzuziehen. In zwei Fällen bin ich der Meinung, es wäre schief gegangen.
Nehmen wir einfach an, dies würde stimmen, dann hätten Sie hiermit einen Kaufgrund, der Sie mit 80%iger Wahrscheinlichkeit in den Trade hineinbringt, ohne Ihnen dabei Verluste zu bescheren. (Natürlich garantiert dieser Kaufgrund keinesfalls Gewinne mit 80%iger Wahrscheinlichkeit!)
Gäbe es für Kurzfristtrading ähnlich gute Quoten - würde ich bestimmt mehr Daytrader kennen, die dauerhaft gewinnen. Aber leider werden die Quoten immer schlechter, je näher man rangeht und je kurzfristiger man zu traden plant.
Aber heute haben Sie gelernt, warum man an der Börse sehr oft hört: „Neue Hochs bringen neue Hochs.“ Und so können wir uns am Donnerstag damit beschäftigen, wie man verkauft.
Danken möchte ich an dieser Stelle allen, die mitgemacht haben und mir Ihre Kaufgründe erläutert haben. Besonders hat mir gefallen, daß einige gerne „verprügelte Aktien“ kaufen und offenbar damit Erfolg haben. Ich will in solchen Fällen trotzdem einen Kaufgrund haben – und bin deshalb oft zu spät.Und leider habe ich es nicht „im Blut“ wie einige Trader, die ich kenne. Ich verbrannte mir damit früher oft die Finger und mußte für mich lernen: Warte auf den Kaufgrund!
Ganz im Gegensatz zu dieser Idee, die abgestraften Aktien zu kaufen, haben einige von Ihnen fundamentale Gründe vorgeschlagen, z.B. die Verlautbarung eines bevorstehenden Aktienrückkaufprogramms, oder die Ankündigung einer Erhöhung der Dividende, bzw. ein bevorstehender Dividendenausschüttungstermin. Testen Sie diese Dinge einfach selbst. Und führen Sie Buch über Ihre Erfolge. Es gibt sehr viele gute Kaufgründe – und 10x soviel schlechte Kaufgründe. Aber keinesfalls ist das Steigen der Aktie allein ein (guter) Kaufgrund oder der Glaube an das Firmenkonzept.
Beste Grüße
Ihr Doc
(Dr. Markus Schoor)
