Den beiden "Anti-Dollar" geht es schlecht
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 24. Mai 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Beim Goldpreis sehen Trader nun eine Trading-Range zwischen 415 und 421 ... aber weitere Korrekturen bezeichnen sie als durchaus möglich. Andere sehen "starke Unterstützung" im Bereich 414-410 Dollar.
Ist es nicht erstaunlich, wie sich Gold-Anhänger auf einmal der technischen Analyse bedienen, um das potenzielle Abwärtspotenzial ihrer Lieblingsanlage zu bestimmen? Und wenn es um die Berechnung des Aufwärtspotenzials geht, dann nehmen sie Daten zur US-Geldmenge seit 1980 ...
Der andere Anti-Dollar, der Euro, wurde unter 1,26 gehandelt, nicht weit entfernt vom Mehrmonatstief bei 1,2533. Das bedeutet, dass die europäische Einheitswährung gegenüber dem Dollar in weniger als einem Monat 3,7 % verloren hat.
Und es sieht so aus, als ob der Druck auf den Euro sich erhöht. Portugal hat gerade eingeräumt, dass sein Haushaltsdefizit im laufenden Jahr auf voraussichtlich 6,8 % steigen wird. Mehr als doppelt so viel wie erlaubt, und in Relation doppelt so hoch wie das US-Haushaltsdefizit.
Mehr noch: Es sieht so aus, als ob auch Italien seine Haushaltszahlen für 2003 und 2004 "falsch berechnet" hat – um in diesen Jahren die EU-Vorgaben zu erfüllen. Ups!
Da Italien offiziell zurück in der Rezession ist, die französische Wirtschaft kaum wächst und Deutschland mit Rekord-Steuerausfällen kämpft, ist es wahrscheinlich, dass der Maastrichter Stabilitätspakt – der die Neuverschuldung auf 3 % des BIP beschränkt – wie andere gut gemeinte Dokumente auf den Müllberg der Geschichte fallen wird.
Und dann gibt es noch eine politische Belastung für den Euro: Das französische Referendum über die EU-Verfassung. Laut Umfragen haben die Gegner mit 53 % die Nase vorn, der Anteil der Befürworter liegt demnach bei 47 %. Wenn die EU-Verfassung auch nur von einem einzigen Land abgelehnt wird, dann war es das.
Für mich ist es fast unglaublich, wie wenig diese Situation von der amerikanischen Presse berücksichtigt wird. Denn das Scheitern der EU-Verfassung durch die Hände eines ihrer Mitglieder wäre für die Währung, die das Ziel der europäischen Einheit verkörpert, eine Katastrophe.