Demografische Probleme
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Investors Daily
vom 04. Juni 2003 18:00 Uhr
ENL5454
"Ist er zu spät?"
"Nicht mehr als die anderen."
"Wir haben den Bus genommen. Es dauerte über eine Stunde, anzukommen."
"Hey ... wenn gestreikt wird, dann kann man glücklich sein, dass man überhaupt einen Bus bekommt. Trotzdem ist es ein schöner Tag, oder?"
"Es regnet."
So die Gesprächsfetzen am Eingang der Schule meines Sohnes gestern Morgen. Gestern begann ein allgemeiner Streik "von unbegrenzter Dauer" in Frankreich (genau wie mein Kollege Bill Bonner lebe und arbeite ich seit einiger Zeit in Frankreich). Während des Berufsverkehrs ging gar nichts mehr. Mein Sohn nutzte die Stunde im Bus, um noch ein wenig zu dösen ... während ich über die französische (Streik)-Geschichte schrieb. Das Ergebnis ist dieser Artikel.
Ich kam zu Beginn 2000 nach Paris. Im Frühling 2000 gab es einen "unbegrenzten" Streik der Fahrer von Geldtransportern. Damals sollten baskische und bretonische Separatisten panzerbrechende Raketen in die Hände bekommen haben, und es wurde befürchtet, dass sie damit Geldtransporter überfallen würden. Natürlich wäre dabei 30 % des transportierten Geldes vernichtet worden – aber die restlichen 70 % hätten den Terroristen immer noch gereicht.
Die Fahrer der Geldtransporter verlangten eine "Sicherheitszulage" von der Regierung – und sie waren dazu bereit, zu streiken, um das Angebot an Geld in Paris lahmzulegen. Der Streik dauerte 10 Tage. Aber bereits am dritten Tag gab es in Paris keinen Geldautomaten mehr, der noch Papiergeld ausspuckte.
Stellen Sie sich vor, was dann in New York oder London los wäre. Aber die Pariser nahmen es locker. Viele Geschäfte schlossen einfach. Die Besitzer genossen die freien Tage – wie der Rest der Stadt – in den Straßencafés ... wo man einen Pitcher Rotwein mit Kreditkarte bezahlen konnte. "Es lebe der Streik!" sagten einige ...
Ich bringe dieses Thema auf, weil es die charmante französische Antwort auf eine wirtschaftliche Krise ist, die es in der ganzen westlichen Welt gibt. Die Probleme des Sozialstaats.
Dem Wohlfahrtsstaat – der das Versprechen der westlichen Regierungen an ihre Bürger ist, sie von der Wiege bis zum Grab zu betreuen – geht die Zeit aus ... und das Geld.
Die Details des genannten französischen Streiks sind nahezu irrelevant. Entscheidend ist, dass es in Frankreich wie in den USA, Großbritannien, Japan, Deutschland, Italien und Portugal (man könnte diese Liste noch deutlich erweitern) ein Rentenystem gibt, bei dem die Rentenzahlungen durch Abgaben der derzeitigen Arbeiter und Angestellten bezahlt werden. Es gibt also einen sogenannten "Generationenvertrag". Es ist nicht so, dass die Rentenbeiträge der heutigen Rentner investiert worden wären – es gibt nur einen massiven Transfer von Reichtum.
Um dieses System weiter aufrecht erhalten zu können, gab es 1997 in den USA Reformen, und auch in Frankreich hat die Regierung vergleichbare Maßnahmen vorgeschlagen. Sie will die Rentenversicherungsbeiträge leicht erhöhen und die Lebensarbeitszeit der Arbeiter deutlich erhöhen. Die, die heute streiken, sind mit der Erhöhung der Beiträge durchaus einverstanden; aber sie wollen einfach nicht noch länger arbeiten müssen ..."Es lebe der Streik!"
Bürokraten, Pensionsfondsmanager, Rentner und Gewerkschaften befinden sich überall in der westlichen Welt im Kampf mit der Demografie. Die geburtenstarken Jahrgänge sind zurückgehenden Geburtsraten gewichen, die in so vielen industrialisierten Ländern die Norm geworden sind.
In Japan – immer schon ein Trendsetter – wurde 1954 die Abtreibung erlaubt. Dieses Ereignis traf ungefähr mit der Einführung der "Pille" zusammen ... und die Geburtenrate fiel danach deutlich ab.
"Waren Sie schon einmal in Florida?" fragte Peter Peterson in seinem Buch "Gray Dawn". Der Anteil der über 65jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt in Florida bei rund 19 %. Im Jahr 2023 wird dieser Wert für die gesamten USA erreicht sein. In Frankreich und Großbritannien wird dies schon 2016 der Fall sein. Und Japan ist schon fast da ... sie werden die Marke von 19 % im Jahr 2005 erreichen.
Italien hat diese Marke bereits erreicht.
Mein Freund Jim Rogers erzählte mir: "Als ich das letzte Mal in Italien war, da gab es Restaurants, in denen jeder über 50 war. Wenn man nichts über Demografie wissen würde – da würde es einem ins Gesicht springen."
Während ich für mein Buch recherchiere ("Financial Reckoning Day" – wird wahrscheinlich im September herauskommen), habe ich bemerkt, dass in der Vergangenheit große demografische Veränderungen auch immer große mutierende Effekte auf die betroffenen Gesellschaften hatten ... und genau das könnte man auch diesmal erwarten, von der Überalterung der westlichen Welt.
"Also was sollten wir tun?"
Meine fröhliche Antwort: Nichts tun.
Das System der Rentenfinanzierung aus laufenden Beiträgen war von Anfang an eine schlechte Idee. Die Konstrukteure dieses Systems sind jetzt einem historischen Trend ausgesetzt, der größer ist als jeder politische Wille. Die Welt verändert sich. Welcher der Leute, die jetzt Rentenbeiträge zahlen, erwartet eigentlich ernsthaft, dass er seine gesamten Beiträge angemessen verzinst in Form einer Rentenzahlung zurückerhalten wird?